Gebäude künftig energetisch auf der Höhe der Zeit bauen

In der Wintersession kommt im Ständerat eine Interpellation von Hannes Germann (SVP/SH) aufs Tapet, die eine Lanze für Plusenergiebauten bricht – für Gebäude also, die mehr Energie erzeugen, als sie selber verbrauchen. Ausserdem behandelt die kleine Kammer im Dezember zwei Vorstösse der Holzbranche. Der eine gilt der Weiterentwicklung der Wertschöpfungskette Wald und Holz, der andere der Förderung der Holzenergie.

Plusenergiebauen mit Holz macht Schule
2018 stach unter den Preisträgern des Schweizer Solarpreises das Schulhaus im bernischen Port ins Auge, das ein Plusenergiebau-Diplom erhielt (Architektur: Skop GmbH, Zürich; Holzbauingenieure: Indermühle Bauingenieure GmbH, Thun; Holzbau: Häring AG, Eiken/Kappeler Holzbau, Ins). Die 298 kW starke, 1800 m2 grosse und ganzflächig dachintegrierte Fotovoltaikanlage produziert 288000 kWh/a. Bei einem Energiebedarf von rund 215400 kWh/a beträgt die Eigenenergieversorgung 134%.
Bild Schweizer Solarpreis 2018

 

 

Bereits 2015 hatte Germann die Räte mit einer Motion vom Konzept des Plusenergie-Bauens zu überzeugen versucht – jedoch ohne Erfolg. Landesregierung und Ständerat lehnten damals seinen Vorstoss unter dem Titel ‹Plusenergiebauten statt 80% Energieverluste› ab. Heute sind die Gebäude in der Schweiz nach dem Verkehr noch immer der zweitwichtigste Verursacher von Treibhausgasen, obwohl ihre Emissionen seit 1990 um etwa einen Viertel abgenommen haben – was man vom Verkehr nicht behaupten kann.

 

Da Plusenergiebauten nicht nur CO2-relevante Brennstoffe reduzierten, sondern darüber hinaus auch Solarstromüberschüsse für den CO2-freien Verkehr oder für das öffentliche Netz generieren könnten, so Germann in der Begründung seines Vorstosses, stelle sich aufgrund des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes von Artikel 5 der Bundesverfassung die Frage, warum solche Bauten weder im CO2-Gesetz noch im Energiegesetz erwähnt würden. Plusenergiebauten oder Baustandards wie Minergie-P gehörten deshalb in das Gebäudeprogramm.

 

Gute Rahmenbedingungen für Schweizer Holz sichern

 

Auf der Traktandenliste des Ständerate stehen ab dem 2. Dezember auch zwei direkte Anliegen der Holzbranche: Zum einen beugt sich die kleine Kammer voraussichtlich am 5. Dezember als Erstrat über eine Interpellation von Ständerat und WaldSchweiz-Präsident Daniel Fässler (CVP/AI), welche der Zukunft der einheimischen Holzversorgung, -verarbeitung und -verwendung gilt.

 

Ihr Kernanliegen ist, die Ressourcenpolitik Holz an die aktuelle Volkswirtschafts-, Wald-, Klima-, Energie- und übergreifende Ressourcenpolitik anzupassen und die Nutzung der Wälder ebenso wie die Verarbeitung und Verwendung von Schweizer Holz zu stärken (Lignum Journal online vom 1.10.2019).

 

Für vermehrte Energiegewinnung aus Holz

 

Daneben steht gemäss Sessionsprogramm am selben Tag die Motion ‹Holzenergiepotenzial ausschöpfen› von Erich von Siebenthal (SVP/BE) auf der Agenda des Ständerates. Sie will den Stellenwert der Holzenergie verbessern, weil sie die Schweiz weniger abhängig vom ausländischen Strommarkt macht und hilft, CO2-Emissionen zu senken.

 

Der Bundesrat hatte in seiner Stellungnahme bekräftigt, dass die vermehrte nachhaltige Nutzung von Energieholz erwünscht sei. Die grosse Kammer hat sich in der Folge im Sommer dieses Jahres für den Vorstoss ausgesprochen (Lignum Journal online vom 25.6.2019).

 


Links 19.4273 Ip Germann | Ip 19.4176 Fässler | Mo 19.3277 von Siebenthal