Zwist um politischen Impuls für den deutschen Holzbau

Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau hat im April juristische Schritte gegen die geplante Holzbau-Offensive des Landes Baden-Württemberg angekündigt – sie sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten des Holzbaus. Die deutsche Holzbranche hält dagegen: Es gehe in erster Linie um den Beitrag zum Klimaschutz, den der Holzbau für das Land erbringen könne. Diesen gelte es rasch zu aktivieren.

‹Mit der Androhung einer Klage gegen die Landesregierung zeigen die Bauwirtschaft Baden-Württemberg und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, dass sie den Kern des Anliegens der Holzbau-Offensive gar nicht verstanden haben›, sagt Christoph Jost, Geschäftsführer der proHolz Baden-Württemberg. ‹Es geht vorrangig um Klimaschutz. Holz speichert Kohlenstoff und reduziert somit den CO2-Gehalt in der Atmosphäre.›

 

‹Ökologisch und ökonomisch bestmögliche Alternative zeigen›

 

Die Zukunft gehöre in dieser Hinsicht dem Bauen mit Holz – gerade in Kombination mit anderen Werkstoffen, bekräftigt der Verband der deutschen Säge- und Holzindustrie DeSH. Klimaschutz und Wohnraumbeschaffung seien die zentralen Herausforderungen in Deutschland: 30% der Treibhausgasemissionen entstünden durch den Gebäudesektor, zugleich fehlten eine Million Wohnungen jedes Jahr, so der DeSH. Holz leiste einen entscheidenden Beitrag zu ihrer Bewältigung, sagt DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt.

 

Durch den Einsatz von Holz könnten allein die CO2-Emissionen im Bauwesen jährlich um 32 Mio. Tonnen gesenkt werden. ‹Impulse wie die Holzbau-Offensive in Baden-Württemberg oder in Berlin sind wichtig und richtig, um der Bevölkerung nachhaltige Alternativen aufzuzeigen›, zeigt sich Schmidt überzeugt. Aktuell liege die Holzbauquote in Deutschland bei knapp 20%; das Potential sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Der Holzvorrat in Deutschland wachse jährlich um über 120 Mio. m3, was mehr als 4300 Holzhäusern pro Tag entspreche.

 

Für einen intelligenten und klimaschonenden Materialmix

 

Die Verbände Holzbau Baden und Holzbau Baden-Württemberg stellen sich gemeinsam dezidiert hinter die Holzbau-Offensive in Baden-Württemberg (zu deren Inhalten siehe Lignum Journal online vom 15.11.2018). Sie halten fest, dass das Bundesland pro Jahr 65000 Wohnungen benötige, aber nur knapp 40000 Einheiten pro Jahr schaffe. Deshalb bedürfe es des ressourcenschonenden Einsatzes aller geeigneten Baumaterialien.

 

‹Im Miteinander, einem intelligenten, klimaschonenden und zukunftsweisenden Materialmix, liegt die Chance, realistisch wohnbau- und klimapolitische Ziele zu erreichen. Aktuell erstellte Gebäude in Holz oder Holzhybridbauweise zeigen, wie es in kurzen Bauzeiten möglich ist, ökologisch sinnvoll Wohn- und Geschäftsräume zu schaffen›, schreiben die beiden Verbände in einer Stellungnahme.

 


Links www.proholzbw.de | www.saegeindustrie.de | www.holzbau-online.de