XXL-Aufstockung auf ehemaliger Kartonfabrik Deisswil

Vor zehn Jahren hallte die Schliessung der Kartonfabrik Deisswil wie ein Donnerschlag durch die Branche. Doch nach dem Kollaps startete das Areal durch: Die verwaisten Produktionsgebäude füllen sich mit neuem Leben. Umnutzung vom Keller bis zum Dach ist angesagt. Zuoberst enstehen Wohnungen mit bester Aussicht – möglich macht's eine zweigeschossige Holz-Aufstockung im Mega-Format.

Kräne heben die letzten Holzelemente in luftige Höhe, wo sie von den Holzbauern exakt montiert werden.
Bild Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG

 

 

134 Jahre alt war die Kartonfabrik gewesen, als im April 2010 die Maschinen plötzlich stillstanden, die Tag für Tag Hunderte von Tonnen Karton produziert hatten. Ab Beginn der neunziger Jahre hatte das ehemalige Familienunternehmen der Karton Deisswil AG zum österreichischen Mayr-Melnhof-Konzern gehört. Mit dem Aus im Jahr 2010 aufgrund des schwierigen Marktes verloren 253 Mitarbeiter auf einen Schlag den Job.

 

Neues Leben statt langsamer Zerfall

 

Danach fürchtete man ein langes Siechtum des Areals als Industriebrache. Doch es kam anders: Bereits im Juni 2010 wurde die Karton Deisswil AG in ‹Berna Industrie- und Dienstleistungspark AG› (kurz Bernapark) umfirmiert. Seither nimmt auf dem weitläufigen Areal ein Vorzeigequartier mit einer spannenden Verbindung von Arbeiten und Wohnen, Bildung und Freizeit, Kultur und Innovation Gestalt an. Immerhin etwa ein Viertel der ehemaligen Fabrikmitarbeiter haben in diesem Umfeld eine neue Stelle gefunden.

 

Hinter dem Neuanfang steht der Berner Unternehmer und Investor Hans-Ulrich Müller. Ursprünglich schwebte ihm so etwas wie ein Industriepark vor. Doch dieses Erstkonzept erweiterte sich rasch zur Idee eines Ortes, an dem gewohnt, gearbeitet und genossen wird. 2016 sagte die Stettler Bevölkerung ja zur Umzonung der Bestandeszone. Im Sommer fiel mit dem Spatenstich der Startschuss zur ersten Bauetappe. In um- und ausgebauten Gebäuden entstehen bis 2021 insgesamt 170 Mietwohnungen sowie Flächen für Gewerbe und Freizeit.

 

Wohnen mit Blick auf den Bantiger

 

Zuständig für die Realisierung der ersten Bauetappe Bestandeszone ist die Implenia Schweiz AG. Die altehrwürdigen Fabrikgebäude sind immer noch von guter Qualität. Sie wurden daher nicht abgerissen, sondern mit einer Aufstockung in Holzbauweise um zwei Geschosse erweitert. Über dem Fabrikgebäude entstehen Wohnungen mit Weitblick. Auf den Balkonen mit Blick auf den Bantiger oder Richtung Bern bleibt das Holz an der Decke sichtbar.

 

Stuberholz aus Schüpfen erhielt den Auftrag für den Holzbau. Dieser musste sich stets den verwinkelten Fabrikgebäuden anpassen. Unterschiedliche Tragrichtungen der Deckenelemente und grosse Spannweiten erforderten ein anspruchsvolles Statikkonzept. Für die Entwicklung dieses Konzeptes und für die Qualitätssicherung zog der Holzbauer Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG bei.

 


Links www.bernapark.ch | www.timbatec.com | www.stuberholz.ch