Weitwinkel zum Thema Holzfassaden in Biel

Der Holzbautag vom 16. Mai in Biel drehte sich um Typologie und Ausdruck von Holzfassaden und erörterte Materialeinflüsse aus Natur und Modifikation. Grundlegende Themen waren Struktur und Konstruktion der Holzfassade sowie deren Grenzen und damit verbundene Visionen. Mit über 600 Personen erreichte der Anlass einen Teilnehmerrekord.

Full House in Biel
Bild BFH-ABH

 

 

Holzfassaden sind beliebt: Das Departement Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule hat Marktdaten zu Holzfassaden erhoben und den Teilnehmenden des Holzbautags ein entsprechendes Informationsblatt abgegeben.

 

Es zeigt: Beim Neubau von Mehrfamilienhäusern erreichte der Anteil von Holz in Fassaden im Jahr 2018 einen Anteil von rund 18,6%. Bei gewerblichen und öffentlichen Neubauten stieg der Anteil von Holzfassaden von knapp 25% im Jahr 2017 auf 26,5% im Folgejahr.

 

Materialgerecht bauen

 

Korrekte Baudetails nutzen die spezifischen Eigenschaften von Holz erfolgreich – ästhetisch und ökologisch sinnvoll. Richard Jussel (Blumer-Lehmann, Gossau) zeigte eine Reihe von Details, die für eine langfristig haltbare Holzfassade entscheidend sind. Die Wahl der Holzart, das Design, die Struktur der Oberflächen, die unterschiedlichen Behandlungen und Farben sowie die Montagetechniken sind dabei ausschlaggebend.

 

Jussel empfiehlt für die Planung den frühzeitigen Kontakt zum Holzbauer, um die Details korrekt zu gestalten. So etwa ist die Hinterlüftung wesentlich, sie führt Feuchte und Sommerhitze ab. Bauherrschaften benötigen Informationen über die Pflege der Holzfassaden und allenfalls einen Unterhaltsservice über mehrere Jahre.

 

Vielfalt im Oberflächenschutz

 

Für den Schutz von Holzfassaden sorgen unterschiedliche Beschichtungen – deckend oder transparent. Über nicht filmbildenden Oberflächenschutz informierte Leander Walther (GWJ Architekten, Bern). Filmbildende Behandlungen von Holzoberflächen standen im Zentrum des Referats von Ismaël Mivelaz (Mivelaz Bois SA, Le Mouret).

 

Oberflächenbehandlung könne mehr erreichen als blossen Schutz, führte David Leuthold (pool Architekten, Zürich) aus. Technisch korrekt aufgeführte Holzfassaden könnten tatsächlich in Würde altern und dabei eine Patina ansetzen. Leuthold zeigte mit dem Neubau des Stapferhauses in Lenzburg die Möglichkeiten von Oberflächenbehandlungen, die dem Holz immer wieder einen völlig anderen Ausdruck verleihen.

 

Das Wesen einer naturbelassenen Holzfassade liege in ihrer Veränderbarkeit, betonte Hermann Kaufmann (TU München). Kaufmann stört sich nicht an Verwitterung und Patina bei Neubauten aus Holz. Allerdings sei mit entsprechenden Baudetails eine gleichmässige Vergrauung anzustreben, und keinesfalls dürfe der Holzbau die Bauformen der modernen Betonbauten kopieren.

 

Struktur und Konstruktion

 

Zumeist würden Qualität und Anmutung eines Bauwerks aufgrund des Zustands seiner Fassade beurteilt, so Pirmin Jung (Pirmin Jung Schweiz AG, Rain). Der Kostenanteil einer Holzfassade belaufe sich im Schnitt auf bloss rund 10% der Baukosten, sei aber entscheidend für den Eindruck über die Tauglichkeit insgesamt – ein guter Grund, bei Planung, Qualität und Kosten nicht zu geizen.

 

Ob Design und Dauerhaftigkeit im Widerspruch stehen, dieser Frage ging Andreas Müller (BFH) nach. Er beobachtet, dass neu zunehmend strukturierte und räumliche Fassaden realisiert werden. Diese Formen erhöhen die der Witterung ausgesetzten Flächen und bedingen so eine besonders hohe Sorgfalt der Planung und Ausführung.

 

Holzhochhäuser von 30 m oder mehr sind gänzlich anderen Belastungen ausgesetzt als normal hohe Stockwerkbauten. Die entsprechenden Überlegungen legte Thomas Wehrle (Erne AG Holzbau, Stein) dar. Hohe Winddruck- und -sogkräfte bedingen entsprechende Befestigungstechnik.

 

Die goldenen Regeln sind bekannt

 

Fragen und Anregungen aus dem Publikum kamen zahlreich. Die Antwort auf die Frage nach goldenen Regeln für Holz an Fassaden war einleuchtend:  Schutz vor Witterung planen, trockenes Holz verbauen, den Schutzfilm genügend dimensionieren, für Hinterlüftung sorgen sowie den Unterhalt nicht vernachlässigen. Die eingesetzten Bretter seien genügend stark zu dimensionieren – 20 mm seien definitiv zu wenig.

 

Die für die Konstruktion aufgeworfenen Fragen führen klar auch zum Bereich Brandschutz. Für die zunehmend hohen Holzbauten seien reine Holzfassaden wenig ratsam – sowohl aus Gründen der Sicherheit als auch der Ästhetik. Hinsichtlich dessen, wieviel Holz in Städten richtig sei, waren sich die Experten einig: Für die Konstruktion ist dort Holz angebracht und erwünscht, für die Fassaden eher nicht. Aber eine dogmatische Haltung sei in dieser Sache nicht angebracht.

 


Link www.ahb.bfh.ch/holzbautag