Wärmer ist nicht gleich mehr
Bei der Probenentnahme im Lötschental. (Bildquelle: Marta Torres Béjar)
In nicht-tropischen Wäldern hemmen kalte Winter das Wachstum der Bäume. Wärmere Temperaturen verlängern dort die Vegetationsperiode, was dazu verleitet, höhere Temperaturen und längere Vegetationsperioden mit mehr Holzbildung in Verbindung zu bringen. Ob das zutrifft, hat ein internationales Team unter Leitung von Forschenden der WSL (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft) untersucht. Die Ergebnisse sind kürzlich in der Fachzeitschrift «Science» erschienen.
Für die Holzbildung ausschlaggebend sei die Geschwindigkeit der Zellbildung, die von einer Holzzelle pro Monat bis zu zwei Zellen pro Tag erheblich schwanke. Wärmere Temperaturen führen zu einer längeren Vegetationsperiode, was jedoch nicht automatisch zu einer erhöhten Zellbildung führt. Ab rund 6 °C verlangsamt sich die Zellproduktion. Laut den Forschenden hängt dies wahrscheinlich mit einer geringeren Wasserverfügbarkeit zusammen. Dies erklärt, weshalb sich eine längere Vegetationsperiode unterschiedlich auswirkt. Boreale Wälder profitieren demnach, wachsen länger und schneller, während in mediterranen und gemässigten Wäldern die längere Wachstumszeit für die Zellproduktion durch eine langsamere Zellbildung ausgeglichen oder sogar aufgewogen wird.
Für die Studie untersuchten die Forschenden die Bildung von Holzzellen in den äussersten Jahrringen, auch Xylogenese genannt. Dafür wurden während der Vegetationsperiode regelmässig Proben genommen. Diese wurden im Labor aufbereitet und unter dem Mikroskop Zelle für Zelle ausgewertet. So liess sich bestimmen, wann die Holzbildung beginnt, wann sie endet und wie schnell sie abläuft. Das Forschungsteam analysierte mehr als 50'000 Holzproben aus Nadelwäldern auf vier Kontinenten. Auch in der Schweiz wurden Proben genommen. An verschiedenen Höhenlagen im Walliser Lötschental haben Forschende der WSL während 20 Jahren wöchentlich Holzproben entnommen. Solche langen und dichten Beobachtungsreihen sind laut der WSL äusserst selten und wertvoll.
Link: WSL