‹Verdichtung könnte Deutschlands Wohnungsproblem lösen›

In Deutschland fehlen eine Millionen Wohnungen. Nachverdichtung und Aufstockung könnten Remedur schaffen, wenn das vorhandene Potential konsequent ausgeschöpft wird. Das zeigt eine Studie der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts. Bauwirtschaft und Planer fordern die Politik nun zum Handeln auf.

In Deutschlands urbanen Räumen ist die Befriedigung der Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ein brennendes Thema. Viele Kommunen können oder wollen nicht mehr in die Fläche wachsen. Die deutsche Bundesregierung möchte den Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehr ab 2020 halbieren.

 

Als vielversprechende Ansätze gelten Nachverdichtung und Aufstockung – und die Möglichkeiten scheinen tatsächlich immens. Die Ende Februar in Berlin vorgestellte ‹Deutschland-Studie 2019: Wohnraum-Potenziale in urbanen Lagen – Aufstockung und Umnutzung von Nicht-Wohngebäuden› der TU Darmstadt und des Pestel-Insituts zeigt: Insgesamt könnten auf diesem Weg bis zu 2,7 Millionen neue Wohnungen im innerstädtischen Bestand entstehen.

 

Treiber der Potentialstudie ist ein Interessenverbund, in dem sich unter anderen die Bundesarchitektenkammer (BAK), die Bundesingenieurkammer (BingK), die Wohnungswirtschaft Deutschland (GdW), der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der Immobilienverband Deutschland (IVD), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs) finden.

 

Nichtwohngebäude als Joker

 

Bereits 2016 wiesen die Wissenschaftler das Potential von Dachaufstockungen auf Wohngebäuden der fünfziger bis neunziger Jahre nach. Deren Schaffung ermöglicht bis zu 1,5 Mio. neue Wohneinheiten in Deutschland. In der Neuauflage der Studie lag der Fokus auf Nicht-Wohngebäuden. Nach der Analyse von Gebäuden und Flächen, unter anderem durch die Auswertung von Luftbildern, kommen die Forscher zum Ergebnis: Durch das ‹Wohnbar-Machen› von Parkhäusern und -plätzen, Discountern, Bürogebäuden und Tankstellen könnten weitere 1,2 Mio. Wohnungen entstehen.

 

Derzeit hemmen politischen Rahmenbedingungen die Umnutzung aber vielerorts. Die hinter der Studie stehenden Verbände fordern daher, bauordnungs- und bauplanungsrechtliche Vorgaben im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung anzupassen und finanzielle Anreize für flächenschonende Wohnbaumassnahmen zu schaffen.

 

Der deutschen Holzindustrie liegt besonders die Gleichbehandlung tragender und aussteifender Baustoffe am Herzen: ‹Technisch sind Holz kaum mehr Grenzen gesetzt, gerade in hybrider Bauweise mit anderen Materialien. Es ist leicht, flexibel und entspricht höchsten Standards. Seriell und modular vorgefertigte Bauteile ermöglichen zudem kürzeste Bauzeiten mit hervorragender ökologischer und energetischer Bilanz. Das sollte Anerkennung in der Politik und in den Bauordnungen finden.›

 


Link Studie zum Verdichtungspotential in Deutschland (PDF, 10.1 MB)