Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Schweizer Waldeigentümer lehnen Biodiversitätsinitiative ab

Am 22. September stimmt das Schweizer Volk über die Initiative ‹Für die Zukunft unserer Natur und Landschaft› ab, die sogenannte Biodiversitätsinitiative. Davon ist auch der Wald stark betroffen. Die Waldeigentümer leisten schon heute sehr viel für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität. Deshalb lehnen sie die Initiative ab. Ständerat und WaldSchweiz-Präsident Daniel Fässler erläutert die Gründe.

Der Schweizer Wald ist dank naturnaher Bewirtschaftung grösstenteils ein naturnahes Ökosystem. Holzernte mit dem Seilkran im Forstbetriebsverband Dottlenberg (Baselland).
Bild René Lauper, Oberdorf

 

WaldSchweiz lehnt die Biodiversitätsinitiative ab. Sie schiesst in den Augen der Waldeigentümer weit über das Ziel hinaus. Müsste sie umgesetzt werden, würden weitere Vorgaben die Pflege des Waldes und damit dessen Anpassung an den Klimawandel erschweren. Zusätzliche Einschränkungen für die Waldbesitzer, wie sie die Biodiversitätsinitiative verlangt, sind aus Sicht des Verbandes nicht nur unnötig, sondern schädlich für die Waldbewirtschaftung.


‹Initiative ohne Mehrwert für den Wald›

Ständerat Daniel Fässler, Präsident von WaldSchweiz, spricht im Interview mit dem Fachblatt ‹Wald und Holz› Klartext: ‹Die Initiative ist für den Wald überflüssig, denn die Biodiversität im Wald ist schon heute unbestritten auf einem hohen Niveau. Das hat auch das Bundesamt für Umwelt BAFU in seiner Publikation 'Waldpolitik 2020' bestätigt.›

Darin hebe das BAFU nicht nur die steigende ökologische Qualität der Schweizer Wälder hervor, sondern betone auch deren Bedeutung für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt, so Fässler. ‹Zusammen mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hat das BAFU zudem festgestellt, dass die Waldbiodiversität erhalten geblieben ist und sich im Einklang mit den waldpolitischen Zielen des Bundes entwickelt.›


‹Keine Absage an die Biodiversität›

‹Unsere Ablehnung der Initiative ist kein Entscheid gegen die Biodiversität, im Gegenteil›, stellt Fässler klar. ‹Der Wald ist wichtig für die Biodiversität. Der Wald hat aber auch noch andere Funktionen: Er ist Naherholungsgebiet, er hat eine Schutzfunktion, und er hat auch eine Nutzfunktion.›

Und die, so Fässler, würde bei einer Annahme der Biodiversitätsinitiative leiden: ‹Die Initiative hätte wesentliche Auswirkungen auf Waldpflege und Waldnutzung. Es würden noch mehr Waldreservate verlangt, in denen forstliche Eingriffe in der Regel untersagt sind. Die der Nutzung zur Verfügung stehenden Waldflächen würden noch mehr reduziert. Das ist nicht im Interesse der Waldeigentümer und der Holzwirtschaft.›


Nein-Allianz von Wirtschaftsverbänden

Ebenso wie WaldSchweiz nichts anfangen mit der Biodiversitätsinitiative können auch aeesuisse, der Dachverband der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, AM Suisse, Baumeisterverband Schweiz, Centre patronal, economiesuisse, Primavera, die Schweizer Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete und der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband, der Schweizer Bauernverband, der Schweizerische Gewerbeverband, der Schweizerische Verband der Bürgergemeinden und Korporationen sowie der Verband Schweizer Elektrizitätsunternehmen.

Die genannten Verbände haben sich in einer Allianz gegen die Biodiversitätsinitiative zusammengeschlossen. Sie befürchten, dass bei einer Annahme der Initiative die Energie- und Lebensmittelproduktion stark eingeschränkt, die Nutzung des Waldes sowie touristische Infrastrukturen im ländlichen Raum erschwert und das Bauen verteuert würden. Die einheimische Versorgung würde geschwächt, und die Importe von Energie, Lebensmitteln und Holz nähmen zu.


Links www.waldschweiz.ch | Allianz gegen die Biodiversitätsinitiative