Prix Lignum NORD | Holz bis zum urbanen Massstab
Preisträger Prix Lignum 2018 – Region Nord
Oben: 1. Rang (nationale Wertung: Bronze) – Langhäuser, Freilager-Areal, Zürich, 2016. Bauherrschaft: Zürcher Freilager AG, Zürich; Architektur: Rolf Mühlethaler Architekt, Bern; Totalunternehmer: Allreal Generalunternehmung, Zürich; Holzbau: Renggli AG, Schötz; Holzbauingenieure: Indermühle Bauingenieure GmbH, Thun.
Mitte: 2. Rang – Foyer Künstlerhaus Boswil, 2017. Bauherrschaft: Stiftung Künstlerhaus Boswil, Boswil; Architektur: Gian Salis Architektur GmbH, Zürich; Holzbau: schaerholzbau ag, Altbüron; Holzbauingenieure: Walter Bieler AG, Bonaduz; Bauleitung: dierealisatorin.ch gmbh, Zürich.
Unten: 3. Rang – Dreiblatttisch, 2015. Entwurf: Atelier Thomas W. Meyer, Zürich; Ausführung/Schreinerei: Atelier Thomas W. Meyer, Yumiko Egloff, Albisrieden.
Bilder Zeljko Gataric/Prix Lignum 2018 (oben) | Gian Salis/Prix Lignum 2018 (Mitte) | Thomas Meyer/Prix Lignum 2018 (unten)
Auf den ersten Rang der Region Nord setzt die Jury die drei Holz-Langhäuser auf dem Freilager-Areal in Zürich, welche der Berner Architekt Rolf Mühlethaler konsequent aus Holz konstruiert hat. Damit treibt er die Urbanisierung des Materials entschieden voran. Das hat die nationale Jury des Prix Lignum bewogen, dem Freilager Zürich die Schweizer Bronzemedaille 2018 zu verleihen – eine Würdigung, welche den 1. Rang in der Region Nord um so gerechtfertigter erscheinen lässt.
Die aussteifenden Kerne mit Treppe und Lift sind aus Beton gebaut. Sonst bestehen die drei Bauten gänzlich aus Holz. Der Architekt entwickelte aus der repetitiven Strenge eine architektonische Anmut. Was uniform erscheint, zeigt nämlich näher besehen fein rhythmisierte Fassaden und eine wohlüberlegte Abstufung in der Materialisierung. Holz ist nicht einfach Holz: Dunkel sind die druckimprägnierten Fassadenelemente, hell die Decken der Veranden, lackiert die runden Stützen. Die Veranden sorgen für einen konsequenten Witterungsschutz der Fassade.
Zweiter Rang für neue Form im alten Bestand
Den zweiten Rang der Region Nord verleiht die Jury dem Foyer der Kirche Boswil im Aargau. Seit den sechziger Jahren dient der ehemalige Sakralbau als Konzertsaal. Damit die Gäste der Konzerte im Trockenen warten können, gab die Stiftung Künstlerhaus Boswil ein Foyer in Auftrag. Ein heikles Unterfangen, denn die Kirche ist denkmalgeschützt, und der knappe Bauplatz liess wenig Spielraum.
Der Architekt Gian Salis hat den Bestand grosszügig erweitert, ohne die Intimität des Ortes zu zerstören. Zwischen Kirche und Kapelle setzt er einen gläsernen Anbau. Im Projekt greifen Nützlichkeit, Angemessenheit und Eleganz vorbildlich ineinander. Das Foyer führt die alte Kirche in die Zukunft. Das Dach vereint Tragwerk und Ornament eindrücklich. Und der Anbau zeigt: Auch wer im Bestand baut, kann neue Formen zeichnen, wenn er mit Augenmass und Raumgespür entwirft.
Präzis gefügtes Möbel auf dem dritten Platz
Den Dreiblatt-Tisch des Architekten Thomas Meyer und der Schreinerin Yumiko Egloff ehrt die Jury mit dem dritten Rang der Region Nord. Die beiden erfüllten sich mit ihrem Tisch einen Handwerkstraum: Sie bauten einen Tisch, der nur aus Holz besteht. Keine Schrauben, keine Nägel, kein Leim halten die Teile zusammen. Die dreiblättrige Form ist eine Hommage an Max Bills Dreirundtisch.
Das Möbel bringt japanische Verbindungen und Schweizer Design auf höchstem Niveau zusammen. Es ist gross und stabil und gleichzeitig schlicht und elegant. So reduziert bauen kann nur, wer die Konstruktion bis ins kleinste Detail durchdacht hat. Handwerklich ist der Tisch eine Meisterleistung. Das geölte Kastanienholz ist mit Sorgfalt verarbeitet, die Verbindungen sind genau, die Teile präzis eingepasst. Im Roboterzeitalter hält das Projekt die Handarbeit hoch und feiert die Schönheit des Machens und des Materials.
Anerkennungen in der Region Nord
Das Dach des Arch_Tec_Lab auf dem Hönggerberg in Zürich (Bauherrschaft: ETH Zürich; Architektur: Gramazio Kohler Research, ETH Zürich) ist ein Prototyp und zugleich eine Demonstration in Sachen Digitalisierung. Mit Algorithmen optimierten die Planer die Struktur, deren Komplexität von Hand nicht kontrollierbar ist. Das Projekt verbindet die digitale Fertigung mit einer alten, simplen Verbindungsmethode und übersetzt die neuen Möglichkeiten des Computers in eine spektakuläre Form.
Die elegante Form des neuen Velopavillons beim Schulhaus Rohrdorferberg in Niederrohrdorf (Bauherrschaft: Gemeinde Niederrohrdorf, Architektur: Fiechter & Salzmann Architekten GmbH, Zürich) verweist auf die gerundeten Tramwartehallen in Zürich. Fein detailliert und trotzdem robust, zeugt sie von grosser handwerklicher Sorgfalt. Mit dem Velopavillon interpretieren die Architekten das Nebensächliche neu.
Mit der Tonhalle Maag in Zürich (Bauherrschaft: Tonhalle Gesellschaft Zürich; Architektur: spillmann echsle architekten ag, Zürich) ist ein eindrücklicher Musiksaal entstanden, der die hohen Erwartungen an die Akustik erfüllt. Die Architekten nehmen das industrielle Thema der Halle auf und übersetzen es konsequent in Holz, das den Raum sägeroh prägt. So erzielen sie mit wenig Geld eine maximale Wirkung.
Der Zürcher Werkhof Binz (Bauherrschaft: Modissa Immobilien AG, Zürich; Architektur: Baubüro insitu AG, Zürich) spielt die Vorzüge des Holzmodulbaus gekonnt aus. Die Architekten zeigen, dass Verdichtung auch anders geht: nicht gegen, sondern mit dem Ort, mit den Menschen, mit den Materialien. Diese umfassende Betrachtung der Architektur ist vorbildlich und braucht Nachahmer, damit es in unseren Städten auch in Zukunft Platz für alle hat.
Das Lusthaus im Garten der Alten Universität Basel (Bauherrschaft: Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Basel; Architektur: bau kultur landschaft gmbh, Basel, Stauffer Rösch AG, Landschaftsarchitekten, Basel) ist ein kleines, poetisches Juwel. Oben ist der Pavillon ein Ausguck, unten hingegen schafft er einen Durchgang. Die Konstruktion ist einfach und witterungsbeständig – von der Wahl des Holzes bis zur Fugung der Latten.
Das neue Ausbildungszentrum Holzbau Zürich im zürcherischen Buchs (Bauherrschaft: Ermitin AG, Buchs; Architektur: Peter Moor Architekten, Zürich) feiert das klassische Zimmermannshandwerk. Es zeigt, wie man sauber und elegant konstruiert. Und es schärft den Verstand für eine Architektur, die mehr als reiner Zweckbau ist. So investiert das Haus in die nächste Generation des Holzbaus.
Der Hauptakteur des Zürcher Sportzentrums Heuried (Bauherrschaft: Immobilien Stadt Zürich, Grün Stadt Zürich; Architektur: EM2N Architekten AG, Zürich) ist das Dach. Es überspannt rund 80 x 70 m und hält die diversen Nutzungen vom Eisfeld über das Restaurant bis zur Terrasse zusammen. Das Projekt lässt die Muskeln des Holzbaus spielen und verdeutlicht: Das Material kann auch im ganz grossen Massstab tragen und beeindrucken.
Link www.prixlignum.ch