Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Klangholz – verborgener Schatz im Bergwald

Im Bergwald verbirgt sich ein wertvolles Holz, das nur wenige wirklich kennen: Klangholz. Es ist Fichte vom Feinsten. Wirtschaftlich und imagemässig lohnt es sich für Bergregionen, diesem kostbaren Nischenprodukt Beachtung zu schenken.

Klangholz-Weiterbildung für Forstleute
Präzise Beobachtung am stehenden Baum: Die Entdeckung von Klangholzfichten will geübt sein.
Bild Philippe Domont

 

 

Was haben Geige, Klavier, Hackbrett, Cello und Gitarre gemeinsam? Sie alle sind Saiteninstrumente und besitzen eine Resonanzplatte aus Fichtenklangholz. Diese dünne Platte bringt die Luft zum Schwingen; erst so können wir Musik hören. Keine Holzart besitzt so hervorragende Klangeigenschaften wie die Fichte.

 

Die Fichte bietet die beste Kombination von Leichtigkeit, Festigkeit und Elastizität des Holzes. Aber nicht alle Fichten eignen sich für den Instrumentenbau. Auch in Regionen mit potentiell als Fundgebiet geeigneten Wäldern wird nur gerade eine von tausend Fichten als Klangholz selektioniert.

 

Seltene Kombination von Merkmalen

 

Der Grund: Die Anforderungen an Fichten, die einmal zum Instrument werden könnten, sind hoch. Ein Klangholzstamm darf im unteren Bereich keine Äste aufweisen, muss frei von Drehwuchs sein und ein regelmässiges Wachstum hinter sich haben, also gleichmässig breite Jahrringe zeigen.

 

Diese drei Eigenschaften vereint die Natur sehr selten in einem Stamm. Standorte von Klangholz-Fichten liegen zwischen 1100 und 1600 m ü.M. und dazu fast nur in nördlich orientierten Waldbeständen. Das kühle Klima erlaubt dort den Bäumen, die trockensten Jahre ohne merkliche Reduktion des Wachstums zu überstehen.

 

Doppelt wertvolle Spezialität

 

Das Wald-Premiumprodukt Klangholz ist auch wirtschaftlich interessant. Es erzielt mindestens drei- bis viermal bessere Preise als Bauholz, wobei die Mengen überschaubar bleiben. Die Suche und Vermarktung von Klangholz bringt deshalb Vorteile für privaten wie öffentlichen Wald.

 

Die Beschäftigung mit Qualitätsaspekten fördert die Beobachtungsgabe und bringt einen Motivationsschub für eine effektivere Sortierung des Holzes, was Mehreinnahmen generiert. Der Mehrwert von Klangholz geht aber deutlich über den materiellen Aspekt hinaus. Als Exklusivität des Bergwaldes stärkt es dessen Image ebenso wie dasjenige der Betriebe, welche es zu gewinnen und zu verarbeiten wissen.

 

Viel Klangholz bleibt unerkannt

 

Nach vorsichtigen Schätzungen gibt es in den Schweizer Bergwälder allerdings viel mehr Klangholz, als bisher genutzt beziehungsweise sortiert und verkauft wird. Jedes Jahr werden wohl etwa 1500–3000 m3 Klangholz als Bauholz und damit weit unter Wert verkauft. Den gebührenden Ertrag daraus können unternehmerisch denkende Forstbehörden und Forstverwalter erschliessen, die sich für ein Nischenprodukt mit kulturellem Mehrwert interessieren.

 

Damit dies geschehen kann, braucht es Schulung und Weiterbildung für das Forstpersonal und Impulse von Touristikkreisen, die Klangholzwälder in ihr Angebot einschliessen, aber auch Unterstützung für die notwendige Klangholz-Logistik (Sortierung im Wald, Wertholzverkäufe, lokale Verarbeitung, Exportförderung usw.).

 

Innovative lokale Wertschöpfung

 

Welche Möglichkeiten zur innovativen lokalen Wertschöpfung Klangholz bietet, zeigt die im Bündnerland ansässige Florinett AG. Mit der intelligenten Nutzung von Standortvorteilen hat dieser Familienbetrieb es innerhalb von zehn Jahren zum ersten Klangholzproduzenten der Schweiz geschafft. Unter dem Label ‹Tonewood Switzerland› exportiert die Florinett AG heute hochwertige Resonanzdecken aus dem besten Fichtenholz in 40 Länder.

 

Hinter dem dafür notwendigen Kauf von 300 m3 Fichtenholz mit Klangholzqualität steckt ein immenser Aufwand: Denn es gilt dafür etwa 40000 m3 Fichtenholz zu begutachten, bevor die Stämme gekauft und in der eigenen Sägerei sorgfältig bearbeitet werden können.

 

Im waadtländischen Pays d’Enhaut, dem Hochplateau zwischen Gruyère und Gstaad, haben die Klangholzvorkommen sogar zu einer touristisch erfolgreichen Musikwoche in Rougemont geführt. Seit 2001 hat sich das sehr lebendige, zehntägige Festival ‹Le bois qui chante› entwickelt. Zur Kulturveranstaltung gehören Konzerte, Kurse für jung und alt, die Entdeckung von Holzberufen und, was nicht fehlen darf, der Besuch der nahen Klangholzwälder.

 

*Philippe Domont (Sylvacom, Zürich) ist freischaffender Forstingenieur ETH und Geiger.

 


Link www.bois-qui-chante.ch