Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Im Rotterdamer Hafen sticht ein Holzhaus (hoch) heraus

Seit letztem Jahr steht im Hafen von Rotterdam das Hochhaus «Sawa». Das Gebäude besticht durch nachhaltige Ansätze im kreislauffähigen Bauen, städtischem Klimaschutz und vor allem konsequentem Holzbau.

Die Terrassen des «Sawa» erinnern an traditionellen Reisanbau. (Bildquelle: Ossip van Duivenbode)

Das «Sawa» in Rotterdam ragt seit Mitte 2025 im Lloydkwartier in der Nähe des Stadtzentrums rund 50 Meter in die Höhe. 109 Wohnungen umfasst das 15-geschossige Hochhaus des niederländischen Architekturbüros Mei architects and planners. Im Holzhybridbau sind rund 3500 Kubikmeter Holz verbaut. Beton- und Stahlanteile wurden auf ein Minimum reduziert, so dass die Haupttragstruktur des Gebäudes zu 90 Prozent aus Holz besteht. Das dafür hauptsächlich verwendete Brettsperrholz (BSP) und Brettschichtholz (BSH) wurde industriell vorgefertigt.

Das Tragwerk folgt einer klaren Logik. Ein Raster aus Stützen und Trägern bildet die Grundstruktur. Diese Offenheit ist bewusst sichtbar gehalten und prägt die architektonische Identität des Gebäudes. Die terrassenförmige Anordnung der Stockwerke erinnert an die traditionellen Reisfelder, was sich auch im Namen widerspiegelt. Sawa bezeichnet den Nassreisanbau im indonesischen Sprachraum.

 

Schweizer Expertise für die Tragwerksplanung

Für die komplexen Anforderungen in der Tragwerksplanung im Holzbau wurde auf die Fachkenntnisse des Schweizer Ingenieurbüros Pirmin Jung AG zurückgegriffen. Eine Herausforderung war das System der Laubengänge. Die Balkonplatten aus Stahlbeton liegen auf auskragenden Holzbalken auf, die durch die thermische Hülle führen. Diese Kragarme tragen die gesamte Last der Betonteile mit der Bepflanzung. Die Lastabtragung erfolgt über präzise ausgeführte Stahlverbindungen im Inneren der Holzquerschnitte – eine konstruktiv anspruchsvolle und zugleich klare Lösung im Spannungsfeld zwischen Holz- und Hybridbau.

Das Herzstück des nach aussen gestuften Holzhochhauses bilden massive Brettschichtholzstützen und -unterzüge, die dem Gebäude Stabilität verleihen. Sie ruhen auf einer Pfahlgründung im weichen Untergrund des Hafens. Das klassische Stützen-Unterzug-System aus Brettschichtholz und Baubuche wird durch Deckenelemente und aussteifende Wände aus Brettsperrholz ergänzt. Auch die nichttragenden Aussenwände sind in Holzbauweise ausgeführt, während Trockenbauwände im Inneren eine hohe Flexibilität gewährleisten.

Das sogenannte Deck des «Sawa». (Bildquelle: Ossip van Duivenbode)

 

Nachhaltig von Beginn weg

Das Gebäude ist konsequent nach dem Open-Building-Prinzip aufgebaut. Das gesamte Hochhaus ist mit flexiblen Grundrissen geplant. Die Planer und Planerinnen entschieden sich dabei nicht nur für einen offenen Nutzungshorizont, sondern auch für ein kreislauffähiges Gebäude. Geschossdecken sind als lösbare Konstruktionen ausgeführt, mechanische Verbindungen ersetzen verklebte Systeme und Materialien bleiben sortenrein trennbar und damit potenziell wiederverwendbar.

Neben Struktur und Material adressiert das Gebäude auch die ökologische Ebene des Städtebaus. Fassaden und Terrassen sind mit rund 600 Metern Pflanzstrukturen durchzogen. Ergänzt wird dies durch mehr als 140 integrierte Nistplätze für Vögel, Fledermäuse und Insekten. Diese Elemente sind gemäss den Architekten nicht dekorativ, sondern funktional. Sie verbessern das Mikroklima, unterstützen die natürliche Kühlung und fördern die Biodiversität im dichten Stadtraum. Das Gebäude wird damit auch Teil eines ökologischen Systems, das über seine eigene Hülle hinauswirkt. Holz als Baustoff verstärkt diese Wirkung zusätzlich durch seine natürliche Materialität und Haptik. 
 

Links: Mei architects and planners | Pirmin Jung AG | Artikel im Holzbau Austria