Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Holzbulletin im Herbst: Raumprägende Kleinbauten

Kleinbauten strukturieren den unbebauten, öffentlichen Raum. Sie laden zum Verweilen ein oder um sich umzukleiden vor einem Sprung in den See. Es sind dauerhafte oder temporäre Bauwerke, die oft Gelegenheit bieten, Neues zu erproben. Holz ist dafür die ideale Basis. Die Herbstausgabe des Holzbulletins widmet sich deshalb der Vielfältigkeit solcher Kleinobjekte: ein Kiosk und eine temporäre Busstation, ein umgebauter Schuppen als Begegnungsort, ein freistehender Ergänzungsbau für eine kulturelle Institution, ein Badehaus und ein Pavillon von und für Jugendliche.

Lignum-Holzbulletin 160/2026 – Kleinbauten
32 Seiten A4, vierfarbig
Art.-Nr. 11160

Inhalt:
- Kiosk Stadthausanlage am Bürkliplatz, Zürich
- «Pavillon des Bains», Neuenburg
- Zürich Bus Station, Zürich
- «Schiebetürenpavillon», Nuglar-St. Pantaleon
- Pavillon am Bahnhofsplatz, Chambésy
- Kunstpavillon Centre Albert Anker, Ins

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Im Juni 2024 hat der Verein Open Square in der Schweiz den ersten Tag des öffentlichen Raums ausgerufen. Dieser findet seither jährlich im Juni statt und macht mit verschiedenen Aktionen und Projekten auf die Bedeutung des öffentlichen Raums für unserer Gesellschaft aufmerksam machen. Kleinbauten, wie wir sie in dieser Holzbulletin-Ausgabe vorstellen, sind Teil dieses öffentlichen Raums, sei es mitten in der Stadt, in der Agglomeration, an einem Seeufer oder in der freien Landschaft. Als eine Art «Mobiliar» strukturieren sie den unbebauten, allen zugänglichen Raum und schaffen Möglichkeiten – zum Verweilen, als Warteraum oder als Gelegenheit, sich fürs Schwimmen umzuziehen. Der Rohstoff Holz bietet sich als Material für diese Bauaufgabe an. Das Spektrum von Einsatzmöglichkeiten ist breit gefächert, von ungedämmten Stadtmöbel, über temporäre, wiederverwendbare Bauten bis zu gedämmten, dauerhaften Lösungen als Kiosk oder Pavillon. Die Leichtigkeit des Materials, der hohe Verfertigungsgrad und kurze Montagezeiten sind dabei weitere Pluspunkte, ebenso wie seine haptischen Qualitäten, auch in einem unbehandelten Zustand.


Die Bandbreite möglicher Nutzungen und gestalterischer Ansätze belegen zahlreiche Beispiele. Diese reicht von möbelartigen Strukturen im öffentlichen Raum wie es der Umbrella Pavillon im botanischen Garten der Universität Freiburg oder der Pavillon im Stadtpark Uster sind, über in bestehende Infrastrukturbauten integrierte Nutzungen wie das temporäre Café TrainTrain im Bahnhof Lausanne bis zu Einrichtungen, die einen hohen sozialen Impact haben wie beispielsweise das Café Leo auf dem Berliner Leopoldplatz. Und auch für kulturelle Vermittlungsaufgaben eignen sich Kleinbauten oder Pavillons hervorragend: Mit dem Serpentine Pavillon wird jeweils während der Sommersaison im Londoner Hyde Park auf Einladung der Serpentine Gallery von namhaften Architekturbüros ein temporäres Bauwerk entworfen, dass dann als Veranstaltungsort für Lesungen, Musik-, Theater- oder Tanz-Vorstellungen dient. Gleichzeitig bringt das niederschwellige Angebot Menschen mit Architektur aus aller Welt in Berührung.


Die Vielfältigkeit der Bauaufgaben dokumentieren auch die auf den folgenden Seiten im Detail vorgestellten Objekte: Ein Kiosk, ein Badehaus, eine temporäre Busstation, ein Pavillon von und für Jugendliche, die neue Nutzung eines alten Schuppens als Begegnungsort und ein freistehender Ergänzungsbau für eine bestehende, kulturelle Institution. Bei allen diesen Objekten stehen neben der eigentlichen Bauaufgabe weitere Aspekte im Zentrum, sei es formal, städtebaulich, raumplanerisch oder bezüglich des Materialeinsatzes. 

So tritt der Kiosk der Stadthausanlage am Bürkliplatz in Zürich trotz der unterschiedlichen Materialität mit dem Maillard-Pavillon und den weiteren, historisch bedeutsamen Bauten rund um den Platz in einen Dialog auf Augenhöhe – dies dank einer Formensprache, die sich aus der konstruktiven Logik des Holzbaus ableitet, und mit dem abgerundeten Fassadenstützen eine formale Verwandtschaft zum Vorgefundenen entfaltet. 

Ebenso der ‹Pavillon des Bains› am Ufer des Neuenburger Sees: Er ist zum einen ein in sich ruhendes Einzelobjekte mit einer einfachen formalen Gestalt und gleichzeitig grosser Ausstrahlung. Zum anderen ist er Teil der Neugestaltung des Parc des Jeunes-Rives, der seit der Expo.02 brach lag. Mehrere kleine Bauten strukturieren das Seeufer neu und machen den Park zu einem belebten Ort zwischen Altstadt und See. Der Pavillon des Bains bildet den Abschluss der ersten Projektphase.

Die Busstation Zürich zeigt, wie sich mit einem einfachen, aber sorgfältig gestalteten Temporärbau eine in die Jahre gekommene, öffentliche Infrastruktur aufwerten lässt. Der seit den 1980er-Jahren betriebene Carparkplatz am Sihlquai entsprach in vielerlei Hinsicht nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Heute bietet der schlichte und zweckmässige Holzbau für die nächsten 15 Jahre einen Treffpunkt mit dem Notwendigen für die Reisenden und ist gleichzeitig die sichtbare Adresse des Ortes. Ein Gebäude auf Zeit im besten Sinne, auch dank seiner Rückbaubarkeit. 

Eine besondere Geschichte erzählt der «Schiebetürenpavillon» der Dörfer Nuglar und St. Pantaleon: Auf Initiative von Jugendlichen, die auf der Suche nach einem Ort waren, wo sie sich ungestört treffen konnten, entstand ein Gemeinschaftswerk von der Gemeinde, den Jugendlichen, den Architekturschaffenden und den Bauunternehmungen. Bewegliche Schiebeelemente machen das leichte Holzskelett des Pavillons zu einem geschützten Rahmen mit vielfältigen Raumkonstellationen – für die Jugendlichen und alle anderen im Dorf. 

Die Neugestaltung des Bahnhofplatzes von Chambésy mit dem Ziel, die Leute zum Umstieg auf den Léman Express zu bewegen, bot Gelegenheit, ein kleines Gebäude zu renovieren. Dieses bildet neu einen Begegnungsort auf dem Weg, der die SBB-Haltestelle mit dem historischen Ortskern verbindet. 

Der freistehende Ergänzungsbau für das Centre Albert Anker schliesslich bietet zum einen den kontemplativen Rahmen für die Kunstobjekte Albert Ankers. Zum anderen ist er vorbildhaft, was den nachhaltigen Einsatz von Holz betrifft: So sind die Metallverbindungen des Massivholzbaus auf ein Minimum reduziert und die Konstruktionen sind frei von Leimstoffen. Zum Einsatz kam zudem Seeländer Eiche und Emmentaler Tannenholz.


Was den hier im Heft vorgestellten Projekten trotz der Vielfalt der Bauaufgaben gemeinsam ist: Kleinbauten bieten die Chance, neue Lösungen zu erproben – in Bezug auf Konstruktion, Einsatz des Materials, aber auch bei der Form der Zusammenarbeit. Und der Rohstoff Holz ist die ideale Basis dafür.