Holzbau: Aktuelles Stimmungsbild am Immobilienmarkt
Der Holzbau hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durch-laufen. Als die Veranstaltungsreihe «Stadt aus Holz» von Wüest Parter im Rahmen des Aktionsplans Holz des BAFU vor nun über zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, galten grossmassstäbliche Holzbauten noch als Pionierprojekte. Heute hat sich der Holzbau als wettbewerbsfähige Bauweise etabliert und ist fester Bestandteil vieler Entwicklungs- und Investitionsstrategien.
Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung «Stadt aus Holz» vom 17. Juni wurden die Ergebnisse einer aktuellen Marktumfrage von Wüest Partner präsentiert. Ziel der Erhebung war es, das Stimmungsbild der wichtigsten Akteure im Immobilienmarkt einzufangen und aufzuzeigen, welche Chancen und Herausforderungen der Holzbau aus Investorensicht heute mit sich bringt.
Breite Marktteilnahme mit Fokus auf Wohnimmobilien
An der Umfrage nahmen knapp 70 Marktakteure teil. Rund 45 Prozent der Befragten sind Projektentwickler:innen, weitere 35 Prozent Zwischen- oder Endinvestor:innen – teilweise mit Portfolios im Milliardenbereich. Der Investitionsschwerpunkt liegt klar auf dem Wohnungsbau (75 Prozent), daneben spielen gemischt genutzte und kom-merzielle Immobilien eine wichtige Rolle.
Die Umfrage fokussierte auf die Themen Nachhaltigkeit, Bauen im Bestand, Projekt-entwicklung, Betrieb sowie die zentralen Erkenntnisse aus zehn Jahren Marktentwicklung.
Nachhaltigkeit bleibt wichtig
Nachhaltigkeitsaspekte spielen bei Investitionsentscheidungen weiterhin eine wichtige Rolle. Themen wie graue Energie und CO₂-Bilanzen werden aus Sicht der Investo-ren künftig stärker in den Vordergrund rücken.
Bestand vor Neubau
Ein deutliches Signal liefert die Umfrage beim Umgang mit bestehenden Gebäuden: Sanierungen und Aufstockungen werden, sofern die gleiche Ausnutzung erreicht wer-den kann, einem Neubauszenario klar vorgezogen. Das unterstreicht die wachsende Bedeutung des Bauens im Bestand als wichtiger Hebel für eine nachhaltige Immobili-enentwicklung und die in diesem Kontext bestehenden Vorteile des Holzbaus in Be-zug auf leichte Konstruktionen, Vorfertigung und kurze, störungsarme Baumassnah-men vor Ort.
Holzbau punktet bei Bauzeit und Betrieb
Die Befragten nehmen den Holzbau weiterhin als leicht kostenintensiver wahr als konventionelle Bauweisen. Gleichzeitig wird ihm eine deutlich kürzere Bauzeit zuge-schrieben. Ein Vorteil, der insbesondere in angespannten Märkten an Bedeutung gewinnt.
Auch im Betrieb fällt das Bild positiv aus. Die Instandhaltung (laufender Unterhalt) von Innenwänden und Decken wird im Holzbau im Vergleich zum konventionellen Bauen als günstiger eingeschätzt, während bei Fassaden mit leicht höheren Kosten gerech-net wird. Insgesamt erwarten die Investoren jedoch leicht tiefere Instandsetzungskos-ten (grosszyklische Sanierungen), was vor allem auf die gute Zugänglichkeit der Bau-teile zurückgeführt wird.
Keine Renditenachteile, aber auch kein Green Premium
Aus Investorensicht bestehen keine wesentlichen Unterschiede bei den Renditeerwar-tungen gegenüber konventionellen Bauweisen. Gleichzeitig wird dem Holzbau ein leicht positiver Einfluss auf die durchschnittliche Mietdauer zugeschrieben. Ein Green Premium in Form höherer Mietpreise wird hingegen von mehr als der Hälfte der Be-fragten nicht erwartet. Nachhaltigkeit wird damit zunehmend als Marktstandard und weniger als zusätzlicher Mehrwert wahrgenommen.
Hohe Akzeptanz bei Mietenden und Betreibenden
Grundsätzliche Vorbehalte gegenüber Holzbauten bestehen laut der Umfrage kaum. Vereinzelt Bedenken werden aufgrund der hohen Erfordernisse in der Grundrissge-staltung im Gesundheitsbereich genannt. Einschränkungen hinsichtlich anderer Nut-zungsarten sehen die Befragten jedoch nicht.
Auch ein spezieller Umgang mit Mietenden wird aus Investorensicht nicht als not-wendig erachtet. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Akzeptanz von Holzbauten noch nicht überall gleich ausgeprägt ist. Entsprechend braucht es weiterhin Aufklärungs-arbeit – insbesondere rund um das Thema Brandschutz, das nach wie vor häufig diskutiert wird.
Ausblick
Die Teilnehmenden sehen trotz der positiven Entwicklung weiteren Handlungsbedarf. Besonders häufig genannt wurden die Anrechenbarkeit des biogenen Kohlenstoffs, eine stärkere Förderung der Kaskadennutzung von Holz, mehr Planungssicherheit im Hinblick auf künftige Klimavorgaben (beispielsweise Scope-3-Reporting), der weitere Ausbau von Know-how entlang des gesamten Immobilienlebenszyklus sowie eine Reduktion der Kosten. Gleichzeitig wird deutlich, dass Holzbau heute nicht mehr als Nischenlösung wahrgenommen wird, sondern als etablierte Bauweise mit weiterem Entwicklungspotenzial.
Link: Wüest Partner | Stadt aus Holz
Veranstaltungshinweis
| Arbeitswelten in Holz – Flächennachfrage, Trends und Zukunftsbilder |
|---|
Seit zehn Jahren ist die Veranstaltungsreihe «Stadt aus Holz» ein exklusiver Treffpunkt für institutionelle Investoren und Experten aus der Bau- und Immobilienbranche. Zusammen wird über die Zukunft des Bauens mit Holz für eine nachhaltige Entwicklung des Lebensraums Schweiz gesprochen. An der nächsten Veranstaltung analysieren hochkarätige Referenten strategische Ansätze der Arbeits- und Flächenstrategien für Unternehmen und Organisationen. Im Fokus steht der Holzbau als leistungsfähige und flexible Bauweise, die ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Effizienz verbindet. Datum: Mittwoch, 11. November 2026 |