Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Herzog & de Meuron setzt im eigenen Bürobau auf Holz und Lehm

Im Basler Dreispitz-Areal hat Herzog & de Meuron ein neues Bürogebäude für rund 300 Mitarbeitende bezogen. Der Holz-Hybridbau mit Lehmdecken setzt auf eine klare architektonische Sprache und ökologische Verantwortung.

Die Fassaden bestehen aus horizontalen Bändern mit Schwingflügelfenstern und brüstungshohen Paneelen aus Wellblech, in Anlehnung an die benachbarten Industriebauten. (Bildquelle: Maris Mezulis)

 

Vor über 20 Jahren entwarf Herzog & de Meuron die städtebauliche «Vision Dreispitz». Die Standortwahl des zweiten Sitzes des Architekturbüros im Stammland Basel erscheint somit konsequent und fügt sich nahtlos in die fortschreitende Transformation des Dreispitz-Areals ein. Wo bis vor wenigen Jahrzehnten noch Industrie und Logistik dominierten, liegt heute ein wichtiges Bildungs- und Kulturquartier der Stadt Basel.

Nebst der gewohnten klaren architektonischen Identität strebte Herzog & de Meuron für den Neubau an der Mailand-Strasse auch einen verantwortungsvollen ökologischen Fussabdruck an. Dies zeigt sich insbesondere in der Konstruktion und der Materialwahl.

Alle Bauteilschichten, vom Holztragwerk über die Fassade bis zum Ausbau, sind laut dem Architekturbüro als eigenständige Elemente gefügt. Sie lassen sich unabhängig voneinander demontieren und wiederverwenden, das Gebäude versteht sich damit auch als Materiallager. 
 

Holz trägt, Lehm temperiert

Das Tragwerk besteht überwiegend aus Holz. Beton kam nur dort zum Einsatz, wo er statisch nötig ist: in den drei Erschliessungskernen, der Brandwand und den Untergeschossen. Eine abgetreppte Baugrube reduzierte den Betonbedarf zusätzlich.

Das Heiz- und Kühlsystem liegt in den Lehmplatten der Decken und funktioniert zusammen mit der natürlichen Lüftung und Photovoltaik auf dem Dach und an der Südfassade, die rund 30 Prozent des Energiebedarfs decken sollen. Nach Angaben von Herzog & de Meuron sollen die gesamten Treibhausgasemissionen aus der Erstellung 14 % unter dem SIA-Richtwert liegen.
 

Vertikaler Campus an alten Gleisen

Die Form des Gebäudes ergibt sich aus der spitzwinkligen Parzelle zwischen den früheren Verladegleisen. Auf einem fünfgeschossigen Sockel sitzt ein grosses, geneigtes Dach mit drei weiteren Geschossen, dessen Silhouette den Vorschriften zum Schattenwurf folgt. Fensterbänder mit Schwingflügeln und Brüstungen aus Wellblech nehmen den industriellen Charakter der Umgebung auf. An der Nordspitze tritt eine Treppe aus vorgeschnittenen Holzplatten nach aussen hervor.

Im Inneren gliedern drei miteinander verbundene Kerne den Grundriss. Zweigeschossige Räume wie die Bibliothek oder Loggien verbinden die Etagen und schaffen Sichtbezüge. Der Bau ist ein vertikaler Campus, der den Austausch zwischen den Teams fördern soll, und setzt so einen Kontrast zum über Jahrzehnte horizontal gewachsenen Campus im Basler St. Johann-Quartier.
 

Link: Herzog & de Meuron

(Bildquelle: Maris Mezulis)