Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Handlungsempfehlung für gemeinsame Datensprache in der Bauwirtschaft

Bauen Digital Schweiz hat zusammen mit verschiedenen Organisationen der Bau- und Immobilienwirtschaft eine Handlungsempfehlung zu Data Dictionaries veröffentlicht. Sie soll eine gemeinsame Datensprache über alle Elemente von Bauwerken schaffen. Als Praxisbeispiel nennt sie das von Lignum und dem europäischen Dachverband CEI-Bois entwickelte Data Dictionary für Bauprodukte aus Holz.

Die Daten der Bauwirtschaft werden häufig mehrfach erfasst, von Hand übertragen und unterschiedlich gedeutet. Das führt zu Informationsverlusten und hohen Kosten für nicht wertschöpfende Arbeit. Ein Data Dictionary soll das ändern. Es wirkt wie ein gemeinsames Wörterbuch zwischen Menschen und Algorithmen: So wird zum Beispiel jedes Merkmal eines Bauteils, wie etwa die Feuerwiderstandsklasse oder die Wärmeleitfähigkeit, darin einmal eindeutig definiert, sodass Menschen und Software es gleichermassen interpretieren und fehlerfrei verarbeiten können.

Die Holzbranche geht voran

Für Holz gibt es ein solches Wörterbuch: Das «Industry Dictionary for Products in Wood» von Lignum und CEI-Bois beschreibt als erstes seiner Art die für die Deklaration von Leistungen relevanten Eigenschaften von Bauprodukten. Sie stammen aus den harmonisierten europäischen Produktnormen. Abrufbar ist es seit 2023 in der frei zugänglichen Datenbank buildingSMART Data Dictionary (bSDD). Hersteller der Holzwirtschaft können ihre Produktdaten damit so maschinenlesbar bereitstellen, dass Algorithmen aus Software und KI darauf zugreifen können.

Zudem gibt es auf dem bSDD weitere Wörterbücher, an denen Lignum massgeblich beteiligt war, wie zum Beispiel für Ökobilanzdaten, für Dämmstoffe oder zum Schallschutz. Erklärt Hansueli Schmid, Projektleiter bei Lignum und Mitglied des Vorstandes von Bauen digital Schweiz.

Einheitliche Regeln für Aufbau und Pflege

Damit Data Dictionaries verschiedener nationaler und internationaler Organisationen zusammenpassen, braucht es ein gemeinsames Vorgehen. Die Handlungsempfehlung beschreibt deshalb, wie Data Dictionaries im Bauwesen aufgebaut, koordiniert, gepflegt und für konkrete Anwendungen genutzt werden könnten – vom Hochbau über die Infrastruktur bis zur Landschaftsarchitektur. Eine Excel-Vorlage erleichtert es, eine Data Dictionary für die eigene Organisation zu erstellen. Das «Nationale Glossar zur Digitalisierung» in der Bau- und Immobilienwirtschaft gibt die Übersicht der entsprechenden Begriffe.

Für den souveränen Umgang mit Data Dictionaries empfiehlt die Publikation ein nationales Gremium, das Zuständigkeiten und Regeln festlegt und die Abstimmung koordiniert. Ein Reifegradmodell mit vier Stufen zeigt den Weg von Lösungen einzelner Organisationen zu national abgestimmten Standards. Laut Schlusswort der KBOB sind die Normen auch für den digitalen Produktpass (DPP) relevant, da dafür maschinenlesbare, eindeutig definierte Merkmale vorausgesetzt werden.

 

Links: Bauen Digital Schweiz | Digitale Produktetemplates für die Holzbranche