Hallenbad in Stuttgart zeigt auf, was mit Holzmodulbau möglich ist
Die modulare Konstruktion wird bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt. Sichtbare Fugen und unterschiedliche Grautöne der Holzbekleidung zeichnen das Modulraster an der Fassade nach und verleihen dem Baukörper eine klare Struktur. (Bildquelle: David Mathiessen)
Neun Monate betrug die Bauzeit der «Aquabox», für die die Stadt Stuttgart als Bauherrin gleich drei Standorte vorsieht. An den ersten beiden Orten wird das Schwimmbad den Badebetrieb aufrechterhalten, während Sanierungsarbeiten an Quartiershallenbädern durchgeführt werden. Am dritten Standort erhält das Schwimmbad dann eine feste Bleibe.
«Design for disassembly» heisst das Prinzip, nach dem das Hallenbad geplant und gebaut wurde. Also ein demontagegerechtes Design, das sämtliche Planungsebenen durchzieht.
Das Konzept ist von der Pool out of the Box GmbH, die auch die Gesamtverantwortung für den Bau übernahm. Hauptpartner im Projekt waren die 4a Architekten GmbH, die auf den Bäderbau spezialisiert sind, und die Blumer Lehmann AG, die den Holzbau übernahm.
770 Tonnen statische Last
Das Herzstück des Schwimmbads ist ein 25 Meter langes Edelstahlbecken mit fünf Schwimmbahnen und einem Teilhubboden, der unterschiedliche Wassertiefen ermöglicht. Es besteht aus vorgefertigten Segmenten, die ebenfalls für den Umzug getrennt und wiederverwendet werden.
Die Badehalle ist offen und lichtdurchflutet gestaltet. Grossflächige Verglasungen öffnen den Raum zum Grün. Sichtbare Holzoberflächen verleihen der Halle Wärme und verweisen zugleich auf die Konstruktion des Gebäudes. (Bildquelle: David Mathiessen)
In gefülltem Zustand bringt das Becken rund 770 Tonnen auf die Waage. Um diese Lasten aufzunehmen, entwickelte Blumer Lehmann eine Tragkonstruktion aus Brettsperrholzelementen. Wandartige CLT-Träger bilden ein räumliches Tragwerk, das die enormen Kräfte kontrolliert in die Gründung ableitet.
Zwei Bausysteme kombiniert
Der zweigeschossige Funktionsriegel beherbergt ein Foyer, Umkleiden, Sanitäranlagen, Personalräume und Technikflächen für Wasseraufbereitungstechnik, Wärmerückgewinnung, Photovoltaik und ein Wärmepumpensystem. Für die Funktionsbereiche fertigte Blumer Lehmann 46 Holzmodule in ihrem deutschen Werk vor.
Die Badehalle wurde als modularer Elementbau ausgeführt. Grossformatige Brettschichtholzträger mit Spannweiten von mehr als 19 Metern bilden die Tragstruktur des Hallendachs. Die Dachelemente aus Brettsperrholz mit Akustikverkleidung sowie die vorgefertigten Wandbauteile wurden auf der Baustelle montiert und mit den Modulen verbunden.
Ein kräftiges Orange markiert bereits von außen den Eingang und setzt sich im Inneren an der Treppe fort. (Bildquelle: David Mathiessen)
Kreislauffähig bis ins Detail
Diese Schnittstellen stellten die Holzingenieure vor die Herausforderung, die hohen statischen Anforderungen und die Demontage in Einklang zu bringen. So wurde der zirkuläre Ansatz bis ins konstruktive Detail angewendet. Schraubverbindungen ersetzen dauerhafte Verklebungen, Fassadenelemente lassen sich demontieren und technische Anlagen wurden exakt auf die Modulgrösse dimensioniert und so konzipiert, dass sie an neuen Standorten wieder angeschlossen werden können. Es existieren bereits detaillierte Rückbaukonzepte.
Links: Blumer Lehmann | 4a Architekten | Pool out of the box