Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Gipfeltreffen der biobasierten Werkstoffe in Köln

160 Teilnehmer aus über 20 Ländern trafen sich beim 7. Biowerkstoff-Kongress vom 8.–10. April 2014 in Köln. Am ersten Tag standen Politik und strategische Fragen sowie Bioraffinerien im Mittelpunkt, am zweiten Tag biobasierte Building-Blocks, Polymere und Verbundwerkstoffe. Am dritten Tag stellten Start-Ups ihre Entwicklungen vor.

 

Faser aus Non-Food-Milch ist ‹Biowerkstoff des Jahres 2014›


Einen besonderen Höhepunkt bildete am Kongress die Verleihung des Preises ‹Biowerkstoff des Jahres 2014›. Nach dem Urteil der Kongressteilnehmer gebührt dieser Titel dem kaseinbasierten Polymer ‹Qmilk›. Gewonnen wird es aus Milch, welche nicht als Lebensmittel verwertbar ist. Diesen Monat beginnt das Start-Up Qmilch in Hannover die Faserproduktion für Mode, Sportkleidung und Heimtextilien.


Bild Qmilch Deutschland GmbH

 


Ein Grossteil der Debatten und Forschungsprojekte in Europa konzentriert sich auf Bioraffinerien. Diese grossen integrierten Systeme sind dafür ausgelegt, eine ganze Bandbreite an Produkten aus Biomasse herzustellen, Chemikalien und Kunststoffe sowie Kraftstoffe, und werden als Zukunft der biobasierten Ökonomie betrachtet.

 

Was wenig bekannt ist: Die ersten Bioraffinerie-Konzepte sind umgesetzt und werden schon kommerziell betrieben. Arizona Chemicals stellte als weltweit führendes Unternehmen im Bereich ‹pine chemicals› in Köln seine schwedische Bioraffinerie vor, und sowohl Borregaard aus Norwegen als auch Novamont aus Italien berichteten von den Erfahrungen mit ihren Bioraffinerien.

 

Biobasierte Building-Blocks als Schlüssel zu neuen, nachhaltigen Kunststoffen

 

Der Bereich Kunststoffe hat sich weiterentwickelt und viele Innovationen hervorgebracht, zum Beispiel Polyactide (PLA), Polyhydroxyalkanoate (PHA), Polyamide (PA) und Drop-in-Lösungen (PET, PE). Die bedeutendste Innovation stellen jedoch die Produktionsanlagen für verschiedene biobasierte Building-Blocks wie Bernsteinsäure, Isobutan, Butadiene, Butandiol und furanbasierte Chemikalien dar – bilden sie doch die Vorstufe von Kunststoffen.

 

Die genannten biobasierten Building-Blocks standen am zweiten Tag des Biowerkstoff-Kongresses im Mittelpunkt, als Unternehmen wie Reverdia (NL/F), Global Bioenergies (F) – mit ihrer neuesten Investition in den Leuna Chemical Park (D) – SEKAB (SE), Corbion (NL), Arkema (F), SOPREMA (F), Succinity (D/NL), Novozymes (DK), Avantium (NL) und Myriant, ein besonderer Gast aus den USA, ihre neuesten Innovationen und Investitionen sowie ihre Erfahrungen mit der Produktion von biobasierten Building-Blocks und Polymeren vorstellten.

 

WPC und Start-Up-Produkte

 

In Zusammenarbeit mit Asta Eder Composites Consulting (A/FI) präsentierte das nova-Institut zudem am zweiten Kongresstag die neue Marktstudie über Holz-Polymer-Werkstoffe (WPC) und Naturfaserverbundwerkstoffe. EcoTechnillin (F) und Acvanced Compounding Rudolstadt (D) folgten mit konkreten Beispielen. Das luxemburgische Public Research Center Henri Tudor gab Einblicke in Nanocellulose und die entsprechenden Märkte.

 

Am dritten Tag des Kongresses rückten Start-Ups in den Vordergrund, die eingeladen waren, der Industrie und potentiellen Investoren ihre Verfahren und neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der industriellen Biotechnologie und verwandter Technologien vorzustellen. Infolge der äusserst positiven Reaktionen wird es auch im nächsten Jahr einen Start-Up-Tag geben: Beinahe alle Jungunternehmen fanden Kontakte und Firmen, die an ihren Technologien interessiert waren.

 

Biowerkstoff des Jahres 2014: Textilfaser aus Non-Food-Milch

 

Im siebten Jahr in Folge wurde am Biowerkstoff-Kongress in Köln der Innovationspreis ‹Bio-based Material of the Year› an junge, innovative Akteure der biobasierten Industrie verliehen. Die Gewinner wurden von den Kongressteilnehmern gewählt. Der Wettbewerb konzentrierte sich diesmal auf neueste Entwicklungen aus Europa.

 

Den ersten Platz erreichte das kompostierbare und antibakterielle kaseinbasierte Polymer ‹Qmilk›. Das Milchprotein Kasein wird vom Hersteller Qmilch aus Milch gewonnen, die nicht zum Verzehr geeignet ist – so kann der sogenannten Non-Food-Milch ein Mehrwert verliehen werden. Die ‹Qmilk›-Faser fühlt sich an wie Seide und entsteht in einem Produktionsprozess von fünf Minuten bei Temperaturen von nur 80 °C, wobei höchstens zwei Liter Wasser pro Kilogramm Faser benötigt werden.

 

Den zweiten Platz belegt der biobasierte Injektionsmörtel ‹FIS Green 300 T› der Fischerwerke. Erstmals teilten sich mit Hemp Eco Systems und ZinCo zwei Unternehmen den dritten Platz. Hemp Eco Systems bietet eine hanfbasiertes Baumaterial mit guter Wärmedämmung und einfacher Anwendung. ZinCo produziert Biokunststoff-Lösungen für Dachbegrünungen.

 


Link 
www.biowerkstoff-kongress.de