Für Schweizer Rohholz gibt’s weiterhin keine Richtpreise
Die Holzmarktkommission besprach neben den Holzpreisen auch den Holzschutz von gelagertem Rohholz. (Bildquelle: Michael Meuter)
Die Holzmarktkommission (HMK) traf sich Anfang Juni zum zweiten Mal dieses Jahr. Nachdem bereits im Januar auf die Herausgabe von Richtpreisen für Schweizer Rohholz verzichtet wurde, einigte sich die Kommission auch dieses Mal nicht.
Die Waldeigentümer forderten zwar eine moderate Preiserhöhung bei absatzrelevanten Rohholzsorten, insbesondere wegen der herausfordernden Finanzierung der Waldbewirtschaftung. Doch die Vertreter der Holzindustrie wollen die derzeit stabile Preislage nicht antasten. Abnehmerseitig würden die Preise aus dem Ausland die Margen drücken, Rohstoffpreise seit längerem steigen und die Preise innerhalb der Regionen seien sehr divers, was derzeit gegen schweizweite Richtpreise spreche.
Positives Urteil zur Marktlage
Die Entscheidung fiel bei einer generell positiven Einschätzung der Marktlage. Die Sägewerke sind für den Sommer grundsätzlich gut mit Rohholz versorgt. Mittelfristig mahnen Anzeichen jedoch vor einer unsicheren Versorgungslage. Auch die Schnittholzpreise würden sich schwach entwickeln. Grund dafür sei der Konkurrenzdruck durch Importe, angeheizt von einer Überproduktion im angrenzenden Ausland und dem starken Schweizer Franken.
Die Holzlager seien hingegen überall gut gefüllt. Sägewerke erwarten eine stabil hohe Nachfrage bis im Herbst, was wiederum zu Versorgungsdruck in den Folgemonaten führen könnte. Am meisten nachgefragt bleiben Fichte und Tanne. Lärche und Douglasie werden stabil bis leicht steigend nachgefragt. Die HMK geht davon aus, dass sich das Preisniveau halten wird, insofern keine grösseren Mengen an Schadholz durch Käferbefall oder Unwetter anfallen.
Bei Laubholz hingegen führte die derzeitige Preisspanne zu einer direkten Verwertung als Energieholz. Generell rechnet die HMK bei Industrie- und Energieholz mit einer stabilen bis leicht steigenden Nachfrage. Doch auch hier könnte es im Herbst und Winter zu Versorgungsdruck kommen, vor allem, wenn sich die Erntesaison im Spätsommer verzögert.
Holzschutz bei Lagerung im Wald
Zu einer gemeinsamen Lageeinschätzung kam die HMK beim Holzschutz von gelagertem Rohholz im Wald. Grundsätzlich verbietet das eidgenössische Waldgesetz, umweltgefährdende Stoffe im Wald einzusetzen. Dazu zählen auch Pflanzenschutzmittel (PSM). Die Umweltgesetzgebung kennt jedoch Ausnahmen. Auf dieser Basis bewilligen Kantone den Einsatz von PSM. Allerdings ist die kantonale Praxis hinsichtlich der Ausnahmebewilligung unterschiedlich. Die HMK befürwortet deshalb den konstruktiven Dialog mit den Kantonen, um die Vollzugspraxen über die Kantonsgrenzen hinweg möglichst zu harmonisieren.
HMK nach sechsjähriger Absenz zurück
Nachdem die HMK nach 2020 aus wettbewerbsrechtlichen Gründen zwischenzeitlich keine Preisempfehlungen abgeben durfte, besteht durch eine neuerliche Anpassung des Waldgesetzes wieder eine rechtliche Grundlage für die Kommission. Die HMK besteht paritätisch aus je sechs Vertretern seitens der Holzlieferanten und der Holzabnehmer. Diese werden jeweils durch die Branchenverbände WaldSchweiz und Holzindustrie Schweiz delegiert. Die Kommission trifft sich mindestens zweimal im Jahr und tauscht sich dabei über Angebot und Nachfrage auf dem Holzmarkt aus, diskutiert aktuelle Themen und legt einvernehmlich Richtpreise für Schweizer Rohholz fest.
Link: WaldSchweiz | Holzindustrie Schweiz