Ein Leben im Zeichen der Jahrringforschung

Im Januar ist Fritz Schweingruber kurz vor Vollendung seines 84. Lebensjahrs verstorben. Der Schweizer Wissenschaftler hat die Jahrringforschung zusammen mit Gelehrten aus vielen Ländern als international anerkannte Methode etabliert. Dank ihm ist sie heute nicht nur in zahlreichen Umweltwissenschaften, sondern auch in der Archäologie verankert.

Fritz Schweingruber am von ihm selber entwickelten Schlittenmikrotom, mit dem er Zehntausende Dünnschnitte von Pflanzenproben hergestellt hat.
Bild Gottardo Pestalozzi

 

 

‹Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen›: Wenn es einen gibt, auf den diese Rilke-Zeile in sinniger Weise zutrifft, dann ist es Fritz Schweingruber. Der ursprüngliche Primarlehrer hat nach Studien der Botanik, Zoologie und Geologie, der Ur- und Frühgeschichte sowie der Holzbiologie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf das europaweit grösste Jahrringlabor aufgebaut.

 

Ab den siebziger Jahren erwarb sich Fritz Schweingruber mit seiner Forschung internationales Ansehen und bildete unzählige wissenschaftlich tätige Fachleute aus. Insgesamt hat er sein Wissen in mehr als 160 Fachartikeln und 35 Büchern weitergegeben. Eine herausragende Leistung Fritz Schweingrubers ist die weltweit einzigarte Sammlung mikroskopisch dünner Querschnitte von 5000 Baum-, Strauch- und Krautarten sowie Gräsern. Diese ermöglicht die eindeutige Bestimmung von Pflanzenarten und wird auch für Ausbildungszwecke verwendet.

 

Nach seiner Pensionierung 2001 forschte Schweingruber an der WSL weiter und widmete sich vor allem der taxonomischen, anatomischen und dendrochronologischen Analyse von Kräutern und Zwergsträuchern auf der ganzen Welt. Ein zentrales Anliegen war ihm dabei die vergleichende Studie anatomischer Merkmale von Hochgebirgspflanzen in den Alpen und dem Himalaya. In den letzten Jahren seines Schaffens beschrieb er mit viel Kreativität und grosser Neugierde die Funktion und Ästhetik von Hölzern.

 


Link www.wsl.ch