Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Die Robinie ist der ‹Baum des Jahres› 2020

Die deutsche Silvius-Wodarz-Stiftung hat Ende Oktober die Robinie zum ‹Baum des Jahres› 2020 ausgerufen. Die Scheinakazie gilt aufgrund ihrer Trockenheitstoleranz als klimawandeltaugliche Baumart, wird wegen ihres beachtlichen Ausbreitungspotentials allerdings auch argwöhnisch beäugt.

Baum des Jahres 2020: Robinie
Bild © Andreas Roloff

 

 

Die Robinie polarisiert: Sie ist eine Hoffnungsträgerin im klimabedingten Waldumbau – andererseits gilt sie aber auch manchen als Baumart, welche die einheimische Natur bedroht. Tatsächlich kann die vor über 300 Jahren in Mitteleuropa eingeführte Robinie für die heimische Flora zur Konkurrenz werden. Im 17. Jahrhundert zierte sie zunächst Barockgärten und Parks. Bald fand sie aufgrund ihres ungewöhnlich harten Holzes Verwendung im Grubenbau, und Forstleute wagten die ersten Versuche, sie im Wald einzubringen. Im Schweizer Wald ist die Robinie heute die häufigste neophytische Baumart. 

 

Ein Zuwanderer also. Die Stiftung Info Flora, die sich der Erhaltung der Wildpflanzen widmet, hält ihn für invasiv, hat ihn auf ihrer Schwarzen Liste stehen. Und doch könnte die kontrovers diskutierte Art bei fortschreitender Klimaerwärmung zur Hoffnungsträgerin werden: Salz- und immissionstolerant, kommt sie gut mit städtischem Klima und schwierigen Bodenverhältnissen zurecht. Als Bienenweide ist sie in Zeiten des Insektensterbens eine bedeutende Protagonistin in der Gewinnung von Honig und spielt so eine wichtige Rolle bei der Bestäubung anderer Arten. Ihr Holz weist eine hohe Witterungsbeständigkeit auf und stellt im Aussenbereich eine gute Alternative zu Tropenhölzern dar.

 

Urs Mühlethaler von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL kommt auf der Plattform waldwissen.net zum Schluss, dass sich die ökologischen Vor- und Nachteile der Robinie ungefähr die Waage halten: ‹Wird die Robinie in klar begrenztem Raum waldbaulich genutzt und ein hochwertiges Produkt daraus hergestellt, dann sind diese Baumart und der damit verbundene Waldbau aus gesamtökologischer Sicht durchaus vertretbar. Schleicht sich jedoch die Robinie ohne bewusste Zielsetzung in spezielle Waldökosysteme ein und macht sich dort in schlechter Qualität breit, dann sollte der zuständige Waldbewirtschafter das Problem erkennen und mit einer langfristigen Abwehrstrategie handeln.›

 


Link www.baum-des-jahres.de