Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Das Holzbulletin im Sommer: Hochhäuser aus Holz

Die Sommerausgabe des Holzbulletins widmet sich in diesem Jahr Holzhochhäusern. Dass sich der Rohstoff Holz auch für diesen Bautypus zunehmend als tragfähige Lösung für ökologische und städtebauliche Herausforderungen etabliert, beweisen verschiedene aktuelle Beispiele aus der Schweiz: das H1 auf dem «Zwhatt-Areal» in Regensdorf, das Holzhochhaus Papieri in Cham und der Tilia Tower in Malley. Auch das benachbarte Ausland zeigt, wie es gehen kann: Mit den Hochhäusern «Wood Up» an der Seine, mitten in Paris, und «Roots» in der Hamburger HafenCity.

Lignum-Holzbulletin 159/2026 – Hochhaus
32 Seiten A4, vierfarbig
Art.-Nr. 11159
Inhalt:
- Hochhaus H1 Zwhatt-Areal, Regensdorf
- Holzhochhaus Papieri, Cham
- Hochhaus Wood Up, Paris (F)
- Hochhaus Roots, Hamburg (D)
- Hochhaus Tilia Tower, Malley
Lieferbar ab 13. Juli 2026
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In Sydney wird aktuell der Atlassian Central Tower realisiert: Ein Hochhaus in Holz und Beton, das nach seiner Fertigstellung mit 183 Metern das höchste Hybrid-Holzgebäude der Welt sein wird. Bemerkenswert ist dabei das Konzept der Tragstruktur: Die Bürogeschosse sind in sieben übereinanderliegende ‹Habitat›-Module gegliedert, die innerhalb eines übergeordneten Stahl- und Betontragwerks jeweils als eigenständige Massivholzstrukturen angeordnet sind. Diese innovative Strategie bietet die Möglichkeit, die Sekundärkonstruktion im Laufe der Zeit anzupassen und bei Bedarf neu zu konfigurieren. Jedes Habitat erhält so eine stützenfreie Ebene, welche die räumliche Vielseitigkeit zusätzlich vergrössert.

Insgesamt bestehen 21 der total 40 Stockwerke vollständig aus Massivholz. Dieser Ansatz schafft eine strukturelle Trennung zwischen dem Megaframe und den Holzelementen und ermöglicht eine Brandschutzstrategie, die die Leistungsanforderungen an die Holzkomponenten reduziert. Das Holz ist dabei nicht nur Teil der Konstruktionslösung, sondern beeinflusst auch das Nutzungskonzept: Der Zugang zu offen gestalteten Gartenbereichen und die damit verbundene natürliche Belüftung schaffen eine Arbeitsumgebung, die sich an den Qualitäten natürlicher Lebensräume orientiert.

Als Schnittstelle mit der Umgebung der Central Station fungiert im Erdgeschoss ein ehemaliges Hostel, das umgenutzt den Haupteingang und die Lobby des Gebäudes bildet. Der neu erstellte Turm schwebt über diesem historischen Bauwerk, wobei die ersten fünf Etagen in Beton ein Hotel beherbergen. Darüber liegen die Bürogeschosse, gekrönt von Dachterrassen. Der Atlassian Central Tower verbindet damit strukturelle Innovation, Nachhaltigkeit, lokale Verankerung und architektonische Ambition zu einem neuen Typus urbaner Hochhäuser.

 

Modularer Holzbau in Rotterdam

Einen anderen, aber nicht weniger spannenden Ansatz verfolgt das Wohnhochhaus Sawa im Rotterdamer Hafen. Das 16-geschossige Gebäude mit einer Höhe von rund 54 Metern besteht zu 90 Prozent aus Holz. Vier Leitgedanken prägten das Projekt von Beginn an: Zirkularität, CO2-Reduktion, Förderung der Biodiversität und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für eine vielfältige Bewohnerschaft. Grundlage für die Planung ist ähnlich wie beim Atlassian Central Tower das Open-Building-Prinzip: Ein modulares Holzbausystem ermöglicht flexible Grundrisse und unterschiedlich grosse Wohneinheiten. Diese strukturelle Offenheit ist integraler Bestandteil des Konzepts und macht das Gebäude langfristig anpassungsfähig. Das Herzstück des nach einer Seite gestuften Holzhochhauses bilden massive Brettschichtholzstützen und -unterzüge.

Sie ruhen auf einer aufwendigen Pfahlgründung im weichen Untergrund des Rotterdamer Hafens. Das klassische Stützen-Unterzug-System aus Brettschichtholz und Baubuche wird durch Deckenelemente und aussteifende Wände aus Brettsperrholz ergänzt. Auch die nichttragenden Aussenwände sind in Holzbauweise ausgeführt, während Trockenbauwände im Inneren eine hohe Flexibilität gewährleisten. Die grosszügig begrünten Terrassen knüpfen an die Geschichte des Standorts an und fördern die Artenvielfalt in der Nachbarschaft. Das Projekt zeigt eindrücklich, dass Holzhochhäuser nicht nur ökologische Vorteile bieten, sondern auch neue Antworten auf die Herausforderungen des urbanen Wohnungsbaus liefern können.

 

Hochhäuser aus Holz in der Schweiz

Dass der Hochhausbau mit dem Material Holz längst auch in der Schweiz angekommen ist, belegen verschiedene aktuelle Projekte. Noch im Bau ist das Projekt Malley Phare, zwischen Lausanne und Renens gelegen. Die Aufstockung in Holzbauweise mit Holz aus mehrheitlich einheimischen Beständen entsteht auf dem westlichen Teil des Einkaufszentrums ‹Malley Lumières›. Sie umfasst 14 Stockwerke und bildet mit einer Fotovoltaikfassade einen markanten, 60 Meter hohen Orientierungspunkt in einem der grössten Stadtentwicklungsgebiete der Westschweiz. Dem hohen Nachhaltigkeitsstandard des Areals entsprechend versteht sich Malley Phare als vorbildlicher Bau in energetischer und soziokultureller Hinsicht. So stehen der künftigen Bewohnerschaft neben einer Rooftop-Bar verschiedene Gemeinschaftsbereiche zur Verfügung, und sie können vom bereits bestehenden Angebot des Einkaufszentrums profitieren: einem Kino und einem Fitnessstudio.

In unmittelbarer Nachbarschaft steht das Hochhaus Tilia. Dieses stellen wir zusammen mit weiteren wegweisenden Hochhausprojekten auf den folgenden Seiten im Detail vor. Dazu gehört das aktuell höchste Holzhybridhochhaus der Schweiz, H1 Zwhatt in Regensdorf, ebenso wie das jüngst auf dem Chamer Papieri-Areal realisierte Holzhochhaus. Ergänzt wird der Überblick mit zwei Beispielen aus dem benachbarten Ausland – dem Hochhaus ‹Roots› in Hamburg und dem Projekt ‹Wood up›, das direkt an der Seine gelegen das Potenzial des Holzbaus mitten in Paris weithin sichtbar macht. Alle diese Bauten zeichnen ein facettenreiches Bild einer Bauweise, die sich zunehmend als tragfähige Antwort auf die ökologischen und städtebaulichen Herausforderungen unserer Zeit etabliert.

 

Jutta Glanzmann
Technische Kommunikation Lignum