Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Büttenhardt: Das Haus, das aus dem Mischwald kam

Immer mehr Laubholz steht im Schweizer Wald. Doch Bauen mit Laubholz ist nach wie vor ein Feld, in dem Erfindergeist gefragt ist. Am 8./9. Mai bietet sich im schaffhausischen Büttenhardt Gelegenheit, das Bauen mit kernfreiem Laubholz 1:1 zu begutachten: in Form eines weiterentwickelten Bohlenständerbaus, wie er vom 17.–19. Jahrhundert in der Region verbreitet war.


Ferienheim Büttenhardt, 2010

 

Bauherrschaft: Beat Mader, Büttenhardt

Architektur und Bauleitung: bernath+widmer, Architekten ETH HTL SIA, Zürich

Statik/Tragwerk: Hermann Blumer, dipl. Bauing. ETH/SIA, Creation Holz, Herisau

Ausführungsplanung Holzbau und Leitung vor Ort: Michael Koller, Blockbaufachmann, Brädäx Blockbauzimmerei, Appenzell

Entwicklung Bohrmaschine und Trocknungsanlage: Heiri Bührer, Maschinenbau, Bibern (Initiant); Kurt Lieberherr, Lieberherr AG, Hefenhofen

Bilder bernath+widmer


Im schaffhausischen Büttenhardt geht ein Ferienheim für verhaltensauffällige Jugendliche mit insgesamt sechs Zimmern und einem Restaurationsbetrieb im Erdgeschoss seiner Einweihung entgegen. Die Jugendlichen, die im Haus künftig Gastrecht haben sollen, werden für Timeouts von zwei Wochen bis zu einem Jahr nach Büttenhardt kommen. Das Besondere am neuen Ferienheim: Die tragende Struktur besteht aus Eiche und Föhre. Buche vervollständigt den Bau im Innern.

Zu stehen gekommen ist das neue Ferienheim an genau dem Ort, wo sich bereits seit der vorletzten Jahrhundertwende ein Kinderferienheim fand. Der Landwirt Beat Mader erwarb den vernachlässigten Bau und liess ihn von den Architekten auf seine Sanierungsfähigkeit prüfen. Nachdem die Beurteilung in dieser Hinsicht negativ war, fiel der Entschluss, das neue Gebäude mit Holz aus dem Mischwald des Bauherrn zu erstellen. Der Wald befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gehöfts.

Die Konstruktion des Neubaus ist ein an heutige Anforderungen angepasster Bohlenständerbau, wie er vom 17.–19. Jahrhundert in der Region verbreitet war. Der Bohlenständerbau ist wie der Blockbau eine massive Holzkonstruktion mit einfachem Wandaufbau, der ohne eine hinterlüftete Fassade auskommt. Er hat die gleichen bauphysikalischen Eigenschaften, aber dank der Primärstruktur ergeben sich keine Setzungen, die beim Blockhaus oft zu aufwendigen Details führen.

Das gesamte äussere Tragwerk (Ständerbau) wurde aus Eiche (20 x 20 cm) erstellt und mit Föhrenbohlen (Bohlendicke: 8–14cm) ausgefacht. Für die inneren Deckenbalken und Verkleidungen sind die Holzarten verschieden kombinierbar. Hier kam auch Buche zum Zug.

Die gefällten Stämme wurden vor Ort mit einer mobilen Säge vorkonfektioniert und mit einer neu entwickelten Bohreinrichtung vom Kern befreit. Der Baumstamm musste also nicht aufgesägt werden, und bereits bei geringeren Stammdurchmessern konnte wenigstens ein Balken zugeschnitten werden. Auf diese Weise gewann man hochwertiges Bauholz aus Rundholz, das sonst lediglich zu Brenn- oder Industrieholz getaugt hätte. Die Kernbohrung erschliesst auch eine Reihe leistungsfähiger Lösungen für Verbundelemente. Durch die gebohrten Balken können beispielsweise Zugstangen eingezogen werden.

Die Balken für den Neubau lagerten anschliessend auf einem nahe gelegenen Areal. Dank dem Loch anstelle des Kerns trocknete das frische Holz deutlich schneller; die Balken wiesen auch weniger Schwundrisse auf. Unter Zuschaltung einer drei Monate dauernden Vakuumtrocknung war das Bauholz nach 5/4 Jahren einsetzbar. Der Abbund erfolgte in der Halle; auf der Baustelle wurden fertige Elemente versetzt.

 

 

Das Ferienheim Büttenhardt präsentiert sich am 8./9. Mai der Öffentlichkeit.

Samstag 8. Mai: 14.00–19.00

Sonntag 9. Mai: 11.00–17.00


Linkwww.bernathwidmer.ch