Brandschutz mit Lehmplatten wird berechenbar
Während eines Brandversuchs in einem Brandlabor der ETH Zürich. (Bildquelle: IG Lehm)
Lehm ist kreislauffähig, breit verfügbar und emissionsarm. Traditionell diente er sogar als Brandschutzmaterial. Für das heutige Bauen fehlten aber noch die Nachweise. Reiner Lehm ist zwar nicht brennbar, doch der Feuerwiderstand war nur punktuell dokumentiert. Einzelne VKF-Anerkennungen (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen) und objektbezogene Zulassungen liessen bisher keine belastbare Vergleichbarkeit zu. Der Entwurf des Eurocode 5 zur Bemessung im Brandfall erfasst neu Lehmputz, die marktüblichen Lehmplatten jedoch meist nicht.
Das Projekt «Lignum Terra» schliesst diese Lücke und leistete Grundlagenarbeit. Aus dem Angebot von sieben Herstellern wurde eine breite Auswahl an Lehmplatten für Beplankungen und Bekleidungen zusammengestellt und in zehn Brandversuchen mit insgesamt vierzig Aufbauten geprüft. Parallel lief an der TU München das Projekt «Beclaydung» mit ähnlicher Zielsetzung. Beide Teams stimmten sich laufend ab und stellten sich ihre Daten gegenseitig zur Verfügung. Die Konstellation der beiden Versuchsreihen ermöglichte Vergleichsrechnungen und eine Modellierung, die einen einfachen, linearen Berechnungsansatz für die Grundschutzzeit stützte.
Die IG Lehm setzte das Projekt zusammen mit der ETH Zürich um. Beteiligt waren neben der Lignum Schweiz weitere Fachleute aus dem Lehm- und Holzbau und die TalTech (Technischen Universität Tallinn). In den kommenden Monaten ist die Publikation des Schlussberichts von «Lignum Terra» vorgesehen. Das Forschungsprojekt bietet zum ersten Mal belastbare Messwerte zur Schutzwirkung von Lehmplatten in Holzkonstruktionen und erlaubt die Integration in die künftige Lignum-Dokumentation 4.1 «Bauteile in Holz». Noch sind jedoch die Berechnungen der Bauteiltabellen ausstehend.
Link: IG Lehm