‹Les Halles› in Holz
Frankreich interpretiert in Mailand die Markthalle neu.
Bild expo2015.org | Visualisierung © X-TU architects, Paris
Der Aufbau der Infrastrukturen für die Weltausstellung in Mailand stand im Schatten mafiöser Verstrickungen, und auf dem noch immer unter Volldampf zurechtgemachten Gelände kann man sich noch nicht wirklich vorstellen, dass hier, im Niemandsland vor der lombardischen Metropole, am 1. Mai die nächste Expo ihre Tore öffnen soll. Erwartet werden über das Sommerhalbjahr nicht weniger als zwanzig Millionen Besucher.
Doch wenn man sich die Projekte der 145 teilnehmenden Länder in der Web-Vorschau zu Gemüte führt, lässt sich erahnen, dass sich der Besuch der bis Ende Oktober dauernden Ausstellung gerade für Holzinteressierte lohnen könnte. Allerdings leider nicht in erster Linie wegen des Schweizer Beitrags: Dieser setzt bekanntlich – anders als ursprünglich geplant – unter einer schwer nachvollziehbaren Argumentation vorwiegend auf Beton und Stahl statt auf Holz (Lignum Journal online vom 17.11.2014).
Spannender Schweizer Auftritt
Dass der Schweizer Pavillon nurmehr wenig mit Holz zu tun hat, bedeutet indessen nicht, dass er nicht sehenswert wäre. Die vom Architektenteam Netwerch GmbH aus Brugg entworfene Anlage fasziniert: Auf einer Fläche von fast 4500 m2 umfasst sie eine grosse, offene Plattform mit vier von weitem sichtbaren Türmen, die mit Lebensmitteln gefüllt sind. Die Besucherinnen und Besucher gelangen mit Aufzügen auf die Türme, wo sie sich mit Lebensmitteln bedienen können.
Während sich die Türme allmählich leeren, senken sich die Plattformen im Inneren der Türme, wodurch sich die Struktur des Schweizer Pavillons verändert. Die allmähliche Entleerung der Türme wird in Echtzeit festgehalten und kann über die sozialen Medien mitverfolgt werden. Nachgefüllt wird nicht: Was leergeräumt wird, bleibt leer.
Die vier für die Türme ausgewählten Lebensmittel – Wasser, Salz, Äpfel, Kaffee – gehören zu den vitalen ‹Basics› des helvetischen Daseins. Der Bezug zur Schweiz ist bei den ersten drei Produkten evident, beim Kaffee hilft eine Zusatzinformation: Er ist im Aussenhandel von Nahrungsmitteln das wichtigste Schweizer Exportprodukt, noch vor Schokolade und Käse.
Vorfreude auf Mailänder Holzbauten
Die österreichische Fachzeitschrift ‹holzbauaustria› hat sich auf ‹Entdeckungsreise zur Vermessung der Weltexpo› begeben und einige herausragende Konstruktionen genauer unter die Lupe genommen. Ihre Beobachtungen hat sie in einem lesenswerten Artikel zusammengetragen. Der Beitrag ist untenstehend verlinkt.
Notabene handelt es sich um eine enge Auswahl. In Mailand wird noch viel mehr aus Holz zu sehen sein – auch in Verbindung mit Schweizer Leistungen. So wird man zum Beispiel ‹Slow Food› in einer Probierhalle verkosten können, welche einem Entwurf von Herzog & de Meuron folgt. Das muss ja schmecken.
Links www.expo2015.org | holzbauaustria: Über herausragende Länderpavillons aus Holz in Mailand