Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Beliebte Fassaden aus Holz

Holz gewinnt nicht nur als Konstruktionsmaterial laufend Marktanteile, sondern erfreut sich auch vielfacher Verwendung für die Bekleidung von Bauten. Worauf gilt es bei Holzfassaden zu achten?

 

Mellingen: Revival der Schindel


Im aargauischen Städtchen Mellingen, an der Reuss zwischen Lenzburg und Baden gelegen, ist mit dem neuen Quartier ‹Neugrüen› diesen Sommer die derzeit grösste Holzbau-Wohnsiedlung der Schweiz mit 130 Wohnungen, 68 Reiheneinfamilienhäusern und Gewerbeflächen fertig geworden (Bauherrschaft: CSA Real Estate Switzerland, eine Anlagegruppe der Credit Suisse Anlagestiftung; Architektur und Generalplanung: Dietrich Schwarz Architekten AG, Zürich). Grossformatige, silbern lasierte Holzschindeln prägen die Aussenhaut der Bauten 
über dem Sockel.


Link Baupublikation im Lignum-Holzbulletin 111/2014


Bild Hanspeter Fäh, Thalwil

 


Die Fassade eines Hauses prägt mit ihrer Gliederung, ihrer Farbgebung und Oberflächenbeschaffenheit die äussere Erscheinung eines Bauwerks entscheidend. Doch die ästhetische Wirkung der Aussenhaut eines Hauses ist nur die eine Seite der Medaille. Denn Fassadenbekleidungen haben vor allem eine Schutzfunktion: Die Fassade ist nach dem Dach das am stärksten beanspruchte Bauteil eines Hauses.

 

Fassadenbekleidungen müssen deshalb gemäss geltender Norm allen bekannten und voraussichtlichen Einwirkungen widerstehen und dabei vielfachen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Funktionstüchtigkeit, Witterungsschutz, Dauerhaftigkeit und Umweltverträglichkeit genügen. Die äussere Erscheinung muss zudem abgestimmt sein auf Architektur und Umgebung, die Zweckbestimmung und Nutzungsdauer eines Gebäudes.

 

Massivholz und Holzwerkstoffe bieten vielfältige Möglichkeiten der Fassadengestaltung. Grundsätzlich unterscheidet man Aussenbekleidungen aus Vollholz – also aus Hobelwaren wie Brettern oder Profilbrettern – und Fassadenelemente aus plattenförmigen Holzwerkstoffen.

 

Fassadenbekleidungen aus Vollholz

 

Für die verschiedenen Beanspruchungsverhältnisse sind die verfügbaren Holzarten unterschiedlich gut geeignet. Dies gilt allerdings nicht für die blosse Oberflächenverwitterung wie Verfärbung und Oberflächenerosion bei direkter Wetterbeanspruchung. Hier verhalten sich alle unbehandelten Hölzer ähnlich. Das heisst, sie verfärben sich auf so ähnliche Art und Weise, dass ihr Aussehen nach ein bis zwei Jahren Wetterexposition kaum mehr zu unterscheiden ist.

 

Unterschiedlich sind indessen die feuchtephysikalischen Eigenschaften und die Dauerhaftigkeit gegen Pilzbefall der Hölzer. Für unbehandelte Fassaden mit grosser Wetter- und Feuchtebeanspruchung empfiehlt sich der Einsatz von Hölzern, die dem biologischen Abbau gut widerstehen, wenig Wasser aufnehmen und formstabil bleiben, wenn ihre Feuchte schwankt. Geeignete Kandidaten mit einem solchen Profil aus unserer einheimischen Holzpalette sind vor allem die Laubhölzer Eiche, Robinie und Edelkastanie.

 

Aber auch Nadelhölzer wie Douglasie und Lärche können gut zum Einsatz kommen. Mit geeigneten Behandlungen lassen sich im übrigen auch unsere bewährten einheimischen Nadelhölzer Fichte und Tanne bestens für Fassaden einsetzen.

 

Wichtig ist in jedem Fall der konstruktive Holzschutz: Alles, was die Wetterbeanspruchung verringert und vor allem die Durchfeuchtung verhindert, verlängert die Lebensdauer der Fassade enorm. Dazu zählen Massnahmen wie beispielsweise Dachüberstände oder ein genügender Abstand der Holzfassade vom Boden als Schutz gegen Spritzwasser, aber auch etwa die Hinterlüftung der Fassade.

 

Holzwerkstoffe an der Fassade

 

In der modernen Architektur gewinnt die grossflächige Plattenfassade immer mehr an Bedeutung. Eine flächige Wirkung wird gewünscht, die schnelle Montage der Platten ist dabei ein angenehmer Nebeneffekt. Es sind jedoch keineswegs alle Produkte für die Aussenanwendung geeignet, und selbst brauchbare Produkte benötigen konstruktive und andere Schutzmassnahmen, damit die Fassadenbekleidung langfristig funktionstüchtig bleibt. Durch die Auswahl des richtigen Materials und den richtigen Einbau lassen sich Mängel von vornherein vermeiden.

 

Massivholzplatten müssen mindestens drei Schichten aufweisen, sonst sind sie für Fassadenzwecke zuwenig dimensions- und formbeständig. Auch mit drei und mehr Schichten und Kantenschutz sind sie für Fassadenbekleidungen dennoch nur mit Vorbehalt zu empfehlen: Sie können sich verfärben und Risse bekommen.

 

Furnierschichtplatten, deren Schichten nicht kreuzweise verleimt sind, sind zu wenig dimensionsstabil und kriegen Schälrisse in den Deckfurnieren. Sie sind deshalb nicht geeignet. Bedingt sinnvoll ist der Einsatz von Sperrholzplatten von spezieller Qualität mit Kanten- und Oberflächenschutz.

 

Kunstharzverklebte Spanplatten sind definitiv keine Option: Sie würden Wasser aufsaugen, aufquellen und verrotten. Das gilt auch für die Grobspanplatte OSB. Hingegen sind zementgebundene Spanplatten durchaus für Fassadenbekleidungen geeignet. Faserplatten mit spezieller Verleimung, Kanten- und Oberflächenschutz kommen mit Vorbehalt ebenfalls in Betracht.

 

Oberflächenbehandlung von ganz dick bis ganz dünn

 

Fassadenbekleidungen aus geeignetem Vollholz können unbehandelt bleiben und erfordern dann praktisch keinen Unterhalt. Die farbliche Veränderung durch die natürliche Vergrauung mag je nach Wetterexposition ungleichmässig ablaufen, schadet dem Holz aber in keiner Weise, ebenso wenig der minimale physische Abbau um rund 0,1 mm pro Jahr durch Verwitterung unter Sonne und Regen.

 

Die Oberflächen von Vollholz und Holzwerkstoffen für Fassadenbekleidungen lassen sich aber auch mit einer Vielzahl von Beschichtungen vergüten. Allseits bekannt sind Lasuren und Lacke. Unter Lasuren bleibt die Holzstruktur erkennbar. Infolge der geringen Pigmentmenge der Beschichtung lassen sich Holzverfärbungen nur in geringem Mass verhindern. Die Lebensdauer des Anstrichs und die Schutzwirkung für das Holz sind geringer als bei deckend farbigen Systemen. Diese schliessen, richtig aufgebracht, eine farbliche Veränderung des Holzes praktisch aus.

 

Indessen gilt es zu beachten, dass Holzoberflächen mit pigmentierten Beschichtungssystemen Kontrolle, Pflege und Unterhalt erfordern – man kann sie nicht einfach sich selber überlassen. Je nach Intensität der Bewitterung haben Dünnschichtlasuren eine Lebensdauer von zwei bis vier Jahren. Dickschichtlasuren erreichen drei bis sechs Jahre. Lacke halten je nach Produkt und Beanspruchung sechs bis zwölf Jahre.

 

Die Oberflächen von Holzfassaden können auch sogenannt nicht filmbildend behandelt werden. Eine solche Beschichtung dient etwa der UV-Abschirmung, dem Feuchteschutz durch Imprägnierung des Holzes – zum Teil auch mit nanotechnologischen Methoden – oder auch dem Schutz gegen oberflächenverfärbende Pilze und Algen. Auch diese Behandlungen müssen periodisch wiederholt werden.

 

Druckimprägnierung, Vorvergrauung, thermische Behandlung

 

Anders sieht dies bei der Druckimprägnierung aus. Derart behandelte Holzfassaden erfordern keinen besonderen Unterhalt. Die Druckimprägnierung erzeugt durch Einbringen von Salzen eine langjährig wirksame Schutzschicht von der Oberfläche des Holzes bis mehrere Millimeter in sein Inneres. Durch Beigabe von Farbpasten lassen sich heute nicht nur die von Gartenhölzern von alters her bekannten grünlichen, sondern auch sattbraune und seit kurzem auch naturgraue Farbtöne mit sehr schöner Wirkung am Gebäude erreichen. Vielfach werden druckimprägnierte Fassaden mit Holzöl nachbehandelt. Die Oberfläche wirkt dadurch sehr edel und strahlt Natürlichkeit aus.

 

Ein ansprechendes Silbergrau wird heute indessen meist durch Aufbringen sogenannter Vorvergrauungslasuren erzielt. Dies sind Holzanstriche mit einem besonderen verwitterungsaktiven Bestandteil, welche der Holzoberfläche eine einheitlich graue, verwitterungsähnliche Farbe verleihen.

 

Eine einheitliche Graufärbung lässt sich aber auch im Material selber anlegen: mittels kontrollierter künstlicher Alterung unter natürlichen Bedingungen. Daraus ergibt sich ohne jede Chemie ein gleichmässiger Farbton, der einer mehrjährigen Freibewitterung entspricht.

 

Einen Spezialfall der Vergütung von Holz als Material für Fassaden stellt die thermische Behandlung dar. Thermoholz ist dunkler, härter und trockener als sein ‹normales› Pendant. Es quillt und schwindet deshalb sehr viel weniger und bleibt so gut in Form. Die höhere Sprödigkeit erfordert jedoch Sorgfalt bei der Montage.

 

Aufgrund der Vielfalt von Materialien und Oberflächenbehandlungen für Holzfassaden ist eine qualifizierte Fachberatung in der Planung in jedem Fall sinnvoll. Das Lignum-Gütezeichen ‹Fassadenschalungen in Holz› bietet dem Bauherrn Gewähr für eine geprüfte, für den Verwendungszweck geeignete Qualität an fertig behandelten Fassadenbekleidungen aus Hobelwaren.

 

 


Die technische Beratung der Lignum erteilt unter Tel. 044 267 47 83 von Montag bis Freitag jeweils morgens von 8–12 Uhr kostenlos Auskunft zu allen Fragen rund um Holz. Rufen Sie uns an!