Schweizer Berghilfe rückt Holzbetriebe in den Fokus
Fallbeispiel Müller Holzbau GmbH in Wengen: oben Vater und Sohn der Unternehmerfamilie Müller, unten der mit Unterstützung der Berghilfe realisierte Zimmereineubau.
Bilder Yannik Andrea für Schweizer Berghilfe
Fährt man von einer Schweizer Stadt Richtung Berge, fällt einem rasch auf: Je steiler die Hänge, desto dichter der Wald. Tatsächlich wächst zwei Drittel des Schweizer Holzes im Berggebiet, und die Waldfläche nimmt gerade dort stetig zu – weil manche Alpen nicht mehr bestossen werden und langsam verganden.
‹Jedes Jahr wachsen zehn Millionen Kubikmeter neues Holz in Schweizer Wäldern nach›, sagt Lignum-Direktorin Sandra Burlet. ‹Geerntet und verwertet werden aber nur etwa fünf Millionen. Eine Million Kubikmeter mehr zu nutzen wäre möglich, ohne das Prinzip nachhaltiger Bewirtschaftung auch nur zu ritzen. Dieses Ziel hat sich die Holzbranche gesteckt.›
Nach Landwirtschaft und Tourismus beschäftigt die Holzwirtschaft in den Bergen am meisten Menschen. ‹Das sind wichtige, vielseitige Arbeitsplätze in den Bergregionen›, sagt Eva Jaisli, Präsidentin des Stiftungsrats der Schweizer Berghilfe. ‹Sie können aber nur weiterbestehen, wenn die Betriebe wirtschaftlich sind. Das bedingt oft grosse Investitionen in neue Maschinen oder Werkräume. Dabei können wir helfen.›
Fernwärme, Holzbauhalle, Skimanufaktur
Das eigene Geschäftsfeld um ein Standbein erweitert hat zum Beispiel die Sägerei Kälin in Euthal. Sie steht – wie die meisten Sägereien – unter enormem Effizienzdruck. Um diesem zu begegnen, aber auch um das Abfallholz aus der Produktion in der Bergregion am Sihlsee gleich lokal aufzuwerten, hat sie eine Fernwärmeanlage initiiert und mit aufgebaut. Die Investition wurde dank einem Zuschuss der Berghilfe möglich. Die Sägerei Kälin ist zuversichtlich, dass das Modell nachhaltiger Energieversorgung im Ort weiter Schule machen wird.
Eine neue Produktionshalle hat der Holzbaubetrieb Müller in Wengen dank Unterstützung der Berghilfe bauen können. Der Ort ist nur via Zahnradbahn zugänglich – fertige Bauteile werden per Heli in die umliegenden Berge transportiert. Holzbau bedeutet darum hier seit je auch: minutiös geplante Logistik. Die stiess in den vergangenen Jahren regelmässig an ihre Grenzen, weil schlicht der Platz für effizientes Arbeiten fehlte. Der Neubau erlaubt jetzt vernünftige und rationelle Arbeitsabläufe.
Komplett von null auf begonnen haben zwei junge Skibegeisterte aus Appenzell: Sie haben es in ihrer Firma Timbaer mit sehr viel Ausdauer, Know-how und endlosen Tests geschafft, eine eigene, holzkernbasierte Ski-Linie auf dem Markt zu etablieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Mit seiner technischen Innovation hat das heute sechsköpfige Timbaer-Team etwas hingekriegt, was die seit hundert Jahren etablierte Industrie aufgrund der Schwerfälligkeit ihrer Strukturen überforderte. Ein Beitrag der Berghilfe hat dabei geholfen, die unternehmerische Vision zu verwirklichen.
Fast 13 Millionen über zehn Jahre für Holz
In den vergangenen zehn Jahren flossen rund CHF 12,7 Mio. aus Mitteln der Stiftung Schweizer Berghilfe in knapp 190 Projekte im Sektor Wald und Holz. Im diesjährigen Themenschwerpunkt ruft die Berghilfe die Schweizer Bevölkerung nun auf, Holzbetriebe in den Bergen bei wichtigen Investitionen aktiv zu unterstützen. Die Stiftung arbeitet rein spendenfinanziert. Sie stellte gestern ihren Jahresschwerpunkt 2026 gemeinsam mit Lignum der Öffentlichkeit in Zürich vor.
Was die Berghilfe Jahr für Jahr leistet, ist eindrücklich. So kamen 2025 dank CHF 32 Mio. von der Berghilfe insgesamt 580 Projekte auf einen grünen Zweig. ‹Es sind allesamt Vorhaben, welche die Zukunftsfähigkeit der Betriebe stärken. Mit dieser Hilfe zur Selbsthilfe im Schweizer Berggebiet können wir mithelfen, der Abwanderung entgegenzuwirken›, sagt Kurt Zgraggen, Geschäftsführer der Berghilfe.
Die Stiftung tut nicht erst seit gestern Gutes. Seit über 80 Jahren verbessert die Berghilfe die Existenzgrundlagen und Lebensbedingungen der Schweizer Bergbevölkerung mit finanziellen Beiträgen an zukunftsgerichtete Investitionen. Der überzeugende Leistungsausweis der Stiftung hat letztes Jahr 53000 Personen zu Spenden von mehr als CHF 33 Mio. bewogen.
Link berghilfe.ch