Lignum Holzwirtschaft Schweiz

‹Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS 2.0› Hochbau lanciert

Nach einem Jahr intensiver Vorarbeiten wurde vergangene Woche die Zertifizierung nach dem Standard ‹Nachhaltiges Bauen Schweiz› SNBS 2.0 lanciert. Der Veranstaltungssaal in Bern war brechend voll. Zu erfahren war, wie das Zertifizierungssystem funktioniert, was die Anforderungen sind und wer wofür zuständig ist.

 

Erstes Zertifikat nach SNBS 2.0

Das erste Zertifikat nach SNBS 2.0 geht an das Dienstleistungsgebäude ‹Twist Again›, das im Dezember 2015 im Berner Stadtteil WankdorfCity fertiggestellt wurde. Eigentümer des Gebäudes ist der Credit Suisse Real Estate Fund Green Property, ein Immobilienfonds der Credit Suisse AG. Immobilienentwickler und Totalunternehmer: Losinger Marazzi AG; Architektur: Rykart Architekten AG, Liebefeld.

Bild Losinger Marazzi AG

 

 

Rund 420 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüsste die Gesamtprojektverantwortliche Elvira Bieri von Société Générale de Surveillance SA (SGS) am 23. August im Berner Hotel Bellevue Palace. Sie waren gekommen, um sich über die Version 2.0 des Standards ‹Nachhaltiges Bauen Schweiz› SNBS und das neue Zertifizierungssystem zu informieren.

 

Kurz zusammengefasst erfuhren die Anwesenden im Laufe des Abends folgendes: Der SNBS ist kompakter und transparenter geworden, ohne an Wirksamkeit eingebüsst zu haben. Er ist nun für die Anwender offener und wirkungsorientierter ausgestaltet. Bewertet werden die einzelnen Kriterien mit Noten, die sich in ihrer Aussage am Schweizer Schulnotensystem orientieren.

 

Genügende Noten in allen ‹Fächern› ein Muss

 

Damit ein Objekt zertifiziert werden kann, müssen alle Kriterien mindestens eine 4 erreichen. Ausnahmen sind nur bei Erneuerungen möglich, weil dort wegen der Qualität der bestehenden Substanz nicht immer optimale Lösungen umgesetzt werden können.

 

Der SNBS 2.0 kann in den Stufen Platin, Gold und Silber zertifiziert werden. Anwendbar ist er für Neubauten und Erneuerungen der Nutzungen Wohnen und Büro; Mischnutzungen, beispielsweise Handel im Erdgeschoss, sind ebenfalls möglich. Bauherren, die nach Minergie-Eco bauen, erfüllen bereits weitgehend die Kriterien zu Energie, Bauökologie und Gesundheit des SNBS.

 

Für all jene, die sich Leistungen im nachhaltigen Bauen von unabhängiger Seite bestätigen lassen wollen, stellt SGS ab sofort ein kostenpflichtiges Zertifizierungsverfahren zur Verfügung. Bereits operativ ist die Zertifizierungsstelle in der Niederlassung Zürich, Genf folgt noch 2016, Tessin 2017.

 

Abgespeckte Kriterienpalette

 

Wie der SNBS 2.0 zustande gekommen ist und wie er methodisch aufgebaut ist, erklärte Joëlle Zimmerli (zimraum, Zürich). Sie war als technische Projektleiterin massgebend an der Entwicklung des Zertifizierungssystems beteiligt. Der Mehrwert des neuen Standards liegt für sie vor allem darin, dass er als Projektentwicklungsinstrument die Komplexität reduziert. Eine Voraussetzung dafür war, dass die Anzahl der Kriterien gegenüber der Vorgängerversion von 78 auf 45 reduziert werden konnte.

 

Zudem sei SNBS 2.0 darauf ausgerichtet, die relevanten Themen zum richtigen Zeitpunkt auf der geeigneten Flughöhe anzugehen. Dabei habe sich der Schwerpunkt von den Massnahmen zu den Zielen verschoben. Es gehe nicht mehr darum, ein Gebäude mit Hilfe von vielen einzelnen Massnahmen nachhaltiger zu machen, sondern zu fragen, was im Gebäudekontext sinnvoll und angemessen sei, und dies dann auch umzusetzen.

 

Damit, so Zimmerli, könnten keine schlechten Bewertungen mehr mit guten kompensiert werden. Das verhindere Greenwashing, wie es mit der alten Version prinzipiell noch möglich gewesen wäre. Interessant zu hören war, dass die Version 2.0 gegenüber der 1.5 tendenziell zu eher besseren Bewertungen führt.

 


Link www.nnbs.ch/standard-snbs