Minergie lanciert neues Netto-Null-Label
Minergie-Geschäftsleiter Andreas Meyer Primavesi am Lancierungsevent von Minergie-Netto-Null im Kongresshaus Zürich vor 180 Zuschauer und Zuschauerinnen. (Bildquelle: Verein Minergie)
Am letzten Donnerstag stellte der Verein Minergie das neue Label «Minergie-Netto-Null» vor. Gemäss dem Luzerner Regierungsrat und Minergie-Präsidenten Fabian Peter steht mit dem neuen Label nun «eine machbare Lösung für klimaneutrale Gebäude» zur Verfügung. Genau darauf seien insbesondere die Kantone, die öffentlichen Bauherrschaften wie auch die Planer und Planerinnen angewiesen, um das nationale Netto-Null-Ziel 2050 zu erreichen, ergänzte Patrick Kutschera, Vizedirektor vom Bundesamt für Energie (BFE).
Netto-Null dank Kohlenstoffspeicherung und Emissionszertifikaten
Mit dem neuen Label können Bau- und Sanierungsprojekte zukünftig die Treibhausgasemissionen, die nicht vermieden werden können, in zwei Schritten kompensieren. Zuerst werden die übrigen Emissionen mit dem Kohlenstoff verrechnet, der in den verwendeten Baumaterialien gebunden wurde, dem sogenannten C-Speicher.
In einem letzten Schritt müssen die restlichen Emissionen durch den Kauf von Negativemissionszertifikaten kompensiert werden. Dabei handelt es sich um Zertifikate für Projekte aus der Schweiz und Umgebung, die Treibhausgasemissionen aus der Atmosphäre entnehmen und langfristig binden, beispielsweise in Pflanzenkohle. Der Preis liegt derzeit bei 250 Schweizer Franken pro Tonne CO2-Äquivalente.
Kohlenstoffspeicherung im Holz zu 64 % anrechenbar
Bei der Anrechenbarkeit des C-Speichers unterscheidet Minergie zwischen permanenter und temporärer Speicherung. Permanent gilt die Speicherung «über Jahrhunderte oder Jahrtausende», dies gilt zum Beispiel für Pflanzenkohle im Beton. In diesem Fall ist der C-Speicher zu 100 % anrechenbar. Temporär ist die C-Speicherung bei biogenen Baumaterialien, die sich für schnell nachwachsende Biomasse zu 80 % und bei Holz zu 64 % verrechnen lassen.
Minergie-Geschäftsleiter Andreas Meyer Primavesi und Florian Landoldt, Leiter für Politik und Öffentlichkeitsarbeit, betonten, dass die Festlegung der Werte trotz Einbezug von Experten schwierig gewesen sei. Umso erfreuter zeigten sie sich darüber, dass die Baubranche trotz Divergenzen einen Kompromiss gefunden hätte.
Minergie-Netto-Null ergänzt bestehende Labellandschaft
Minergie Netto-Null ist ein Zusatz zu den Gebäudelabels von Minergie und SNBS-Hochbau. Sind die Anforderungen des Gebäudelabels erfüllt, kann zusätzlich eine Zertifizierung nach Minergie-Netto-Null beantragt werden. Das neue Label definiert deshalb keine eigenen Emissionsgrenzwerte in Bau oder Betrieb, da sich diese aus den zugrundeliegenden Gebäudelabels ergeben.