Mehr Schweizer Holz aus dem Wald holen – aber wie?
Podiumsdiskussion in Muri mit (v.l.n.r.) Holzindustrie-Präsident Jacques Rime, Ralf Bucher, Vizepräsident des Aargauer Grossrates, Lignum-Direktorin Sandra Burlet, Yvan Pahud, Nationalrat, Präsident der Lignum Waadt sowie Forstunternehmer-Präsident, WaldSchweiz-Direktor Christoph Niederberger und Paul Steffen, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Umwelt BAFU. Dritter von links: Moderator Michael Gautschi, Direktor von Holzindustrie Schweiz.
Bild HIS
Dass der Aargauer Wald nicht nur als Natur- und Erholungsraum eine grosse Bedeutung hat, sondern auch hinsichtlich Holzproduktion, zeigte Ralf Bucher, Bauer, Waldbesitzer und Vizepräsident des Aargauer Grossrates, in seiner Ansprache im neuen Saal des Drei-Häuser-Hotels Caspar in Muri – einem Raum, der wegen seines raffiniert umgesetzten Innenausbaus aus 20000 hochwertigen Einzelteilen beim Prix Lignum 2024 in der Kategorie Schreinerarbeiten mit Gold ausgezeichnet wurde.
Denn der Aargauer Wald ist drittgrösster Holzproduzent des Landes und hat mit einem Erntevolumen von 412000 fm pro Jahr die Nachhaltigkeitsgrenze erreicht. Es gelang zudem, die Holzförderung bei kantonalen Bauten im kantonalen Waldgesetz festzuschreiben. Die Umsetzung stösst aber an Grenzen, denn der Laubholzanteil im Wald nimmt weiter zu. Dementsprechend wird immer mehr Holz verfeuert statt verbaut.
Rundholzpreis: mehr Transparenz
Das zeigt auch die Statistik: Die Holznutzung nimmt tendenziell ab, und vor allem: Sie verschiebt sich weg vom Stamm- und Industrieholz hin zum Energieholz. Das bestätigte auch Christoph Niederberger, Direktor von WaldSchweiz: ‹Die Bedeutung der Holzproduktion im Forst nimmt ab, teilweise lukrativere Nebenerwerbe werden wichtiger – zum Beispiel die Spezialholzerei, Ökoprojekte oder Dienstleistungen zugunsten des Freizeitraumes Wald.›
Wenig überraschend geht es also bei der Motivation zur Holzproduktion auch um den Preis, der für das Rundholz bezahlt wird. Hier braucht es, da sind sich Holzindustrie Schweiz und WaldSchweiz einig, mehr Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Einvernehmen.
Dabei hilft die Annahme eines politischen Vorstosses von Ständerat Daniel Fässler in Bern, dank dem es wieder möglich ist, in einer Holzmarktkommission auf Verbandsebene über eine bedürfnisgerechte Holzversorgung zu reden und allenfalls sogar unverbindliche Richtpreise zu publizieren. Das erste Treffen soll auf Initiative von WaldSchweiz schon Ende Januar 2026 stattfinden.
Gebot der Stunde: flexiblere Holzschlagperioden
Auch Ivan Pahud, Nationalrat, Präsident von Lignum Waadt und neu ebenso Präsident des Forstunternehmerverbandes FUS, spürt die Zurückhaltung im Forst bei der Holznutzung. ‹Ziel muss sein, die vorhandenen Potentiale auszuschöpfen›, sagte er, ‹denn die Versorgungslage mit Rundholz ist in manchen Regionen kritisch.›
Momentan grosse Sorge bereiten ihm wie der gesamten Holzindustrie die grosszügige Festlegung von Brut- und Setzzeiten und damit einhergehende, teils massive Einschränkungen der Holzschlagperioden durch gewisse Kantone. Einen gesetzlichen Rahmen bietet die Verordnung des Natur- und Heimatschutzgesetzes, die – nicht zuletzt aus Furcht vor Zivilklagen – zum Teil restriktiv umgesetzt wird.
Klar ist, dass sich die Bedingungen für das Holzen verändert haben. Eine Garantie, dass Holz im Winter auf gefrorenen Böden abtransportiert werden kann, gibt es nicht mehr. Deshalb suchen die betroffenen Verbände nun das Gespräch mit den verantwortlichen kantonalen Stellen.
Politische Vorstösse mit Bedacht einsetzen
Warum gibt es keinen Vorstoss auf Bundesebene? ‹Wir müssen mit den parlamentarischen Mitteln sorgsam umgehen›, erklärt Pahud. ‹Wichtig ist nicht die Menge, sondern die Qualität der Vorstösse.› Vielmehr wünscht er sich, dass die Politiken der diversen Bundesämter besser aufeinander abgestimmt werden.
Angesprochen im Zusammenhang mit beiden Anliegen war an der Veranstaltung Paul Steffen, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Umwelt BAFU und dort verantwortlich für die Bereiche Wald und Naturgefahren.
Er zeigte, dass in der Datenbank des Schweizer Parlaments seit 1983 rund 3000 Treffer zum Thema Wald und Holz verzeichnet sind, und listete einige aktuelle Vorstösse auf, die zum Beispiel mehr Flexibilität beim Rodungsersatz oder bessere Rahmenbedingungen für die Wertschöpfungskette Holz fordern.
Offenes Ohr beim BAFU – aber weniger Geld
Keine Frage: Die Anliegen der Holzindustrie sind beim BAFU angekommen. Die Kontakte, das bestätigte auch HIS-Präsident Jacques Rime, sind gut. So hat die Forderung nach einer Million Kubikmeter mehr Rohholz in die neue integrale Wald- und Holzstrategie Eingang gefunden; die Notwendigkeit der Förderung der Walderschliessung innerhalb und ausserhalb des Schutzwaldes ist ebenso unbestritten wie die verstärkte Nutzung von Schweizer Holz.
Der Wille ist zweifellos da, ausgewogene Lösungen finden, um allen Interessengruppen gerecht zu werden. Leider werden jedoch die finanziellen Mittel immer knapper. So musste Paul Steffen ankündigen, dass im Rahmen des Entlastungspaketes des Bundes die Gelder des Aktionsplans Holz ab 2027 wesentlich gekürzt werden sollen.
Kleine Schritte statt grosse Würfe
Klar ist also: Einen grossen Wurf wird es nicht geben. Kleine Schritte sind gefragt. Christoph Niederberger brauchte hierzu das Bild eines Adventskalenders: Es gehe darum, viele kleine Türen und Türchen zu öffnen, um letztlich eine nachhaltige Verbesserung zu erzielen.
Eine mag die Holzmarktkommission sein, eine zweite die Schaffung guter Rahmenbedingungen für Neu- oder Ersatzinvestitionen, eine dritte Verhandlungen mit den Behörden über einen industriefreundlicheren Vollzug der Holznutzungsbewilligungen.
‹Türen zu öffnen bedeutet aber auch, Klinken zu putzen. Bei den Kantonen. Bei den Gemeinden. Bei den Waldeigentümern und Förstern›, weiss Michael Gautschi, Direktor von Holzindustrie Schweiz. Bereits ist dort ein Projekt in der Pipeline. Arbeitstitel: ‹Holzmobilisierung an der Basis.›
Link holz-bois.ch