Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Kanton Zürich will mehr Holzbau für den Klimaschutz

Mehr Holz am Bau senkt die CO2-Emissionen und schafft gleichzeitig einen langfristigen Kohlenstoffspeicher. Die Holzstrategie des Kantons Zürich sieht vor, das nachwachsende, lokal verfügbare Naturmaterial vermehrt als Baustoff einzusetzen, seine Wiederverwendung zu fördern und es möglichst lange im Kreislauf zu halten.

Auf dem ‹Zwhatt-Areal› in Regensdorf steht das derzeit höchste Holzhochhaus der Schweiz: Das vom Architekten und ETH-Professor Roger Boltshauser geplante Wohngebäude ‹H1› ragt 75 Meter in den Himmel und ist als Holzhybridbau realisiert. Erschliessungskern, Sockelgeschosse und Geschossdecken sind aus Beton, die tragenden Stützen, Unterzüge und Fassaden dagegen zu wesentlichen Teilen aus Holz. Im Vergleich zu einer konventionellen Bauweise reduziert dies die Emissionen um rund 25% oder 600 Tonnen CO2. Zusätzlich sind im verbauten Holz weitere 1500 Tonnen CO2 langfristig gespeichert. Links: Konstruktionsprinzip im Modell: innen Beton, aussen Holz. Rechts das fertige Gebäude, aufgenommen im August dieses Jahres.
Bilder Zwhatt (links) | Michael Meuter, Zürich (rechts)

 

Fast ein Drittel der Zürcher Kantonsfläche – rund 50000 ha – ist bewaldet. Mit einem Vorrat von rund 19 Mio. m3 liegt im Zürcher Wald ein beträchtliches Potential, das bislang aus Klimasicht nicht optimal genutzt wird. Wird Holz als Bau- oder Werkstoff in langlebigen Produkten eingesetzt, bleibt der darin gespeicherte Kohlenstoff über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte erhalten. So werden mit Holz gebaute Gebäude zu Kohlenstoffspeichern. Holz ersetzt zudem Materialien wie Beton oder Stahl, deren Herstellung grosse Mengen an Treibhausgasen verursacht.

Um diesen Hebel zugunsten des Klimas zu fassen, hat die Baudirektion des Kantons Zürich zusammen mit Fachexpertinnen und Fachexperten eine Holzstrategie erarbeitet. Sie ist für die Baudirektion verbindlich und ergänzt die langfristige Klimastrategie des Kantons Zürich sowie den bereits bestehenden ‹Standard Nachhaltigkeit Hochbau›.


Beachtliches Speicherpotential

Das theoretische Speicherpotential von Holz im Kanton Zürich ist beträchtlich: Gemäss Bericht ‹Förderung von Holz als Bau- und Werkstoff im Kanton Zürich› können durch den vermehrten Einsatz von Holz zwischen 2020 und 2050 im besten Fall mehr als 5 Mio. Tonnen CO2 gebunden werden. Das entspricht im Durchschnitt 170000 Tonnen pro Jahr.

Damit Holz seine Wirkung für den Klimaschutz entfalten kann, reicht es nicht, den Rohstoff einfach zu ernten und zu verbauen. Entscheidend ist, wie er genutzt, verarbeitet, im Kreislauf gehalten und am Ende seiner Lebensdauer verwertet wird. Vom Wald bis zum Rückbau eines Gebäudes braucht es durchdachte Strategien, damit der gespeicherte Kohlenstoff möglichst lange erhalten bleibt.


Digitalisierung schafft tragfähigen Boden

Die Digitalisierung der Baubranche wird künftig wertvolle Unterstützung bieten: Mit Planungsinstrumenten wie Building Information Modelling (BIM) lässt sich Holz über den gesamten Lebenszyklus hinweg erfassen, dokumentieren und später wiederverwenden. So können Materialflüsse transparenter gestaltet, Bauprojekte gezielt auf den Einsatz von Holz ausgerichtet und die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure optimiert werden.

Mehr Holz im Bau lässt sich erreichen, wenn Kanton und Gemeinden mit gutem Beispiel vorangehen, Bauherrschaften sensibilisieren und passende Anreize setzen. Dabei ist der Blick nicht nur auf Holz zu richten: Entscheidend ist, dass beim Bauen insgesamt klimaverträgliche Materialien zum Einsatz kommen – und ihre Umweltbilanz über den gesamten Lebenszyklus überzeugt.


Wiederverwertung und Kreislaufwirtschaft

‹Je länger wir Holz im Kreislauf halten, desto grösser ist der Beitrag zum Klimaschutz›, sagt Floris Heim, Experte für Negativemissionstechnologien beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL. Ziel ist die sogenannte Kaskadennutzung: Holz wird zunächst in langlebigen Produkten wie Gebäuden oder Möbeln verbaut, danach mehrfach wiederverwendet oder recycelt – und erst am Ende energetisch genutzt.

Ein wichtiger Ansatz dafür ist, Bauteile so zu gestalten, dass sie sich einfach demontieren und wiederverwenden lassen. Modulare Bauweisen, schadstoffarme Materialien und digitale Bauteilerfassungen können dies erleichtern. Noch fehlen jedoch genügend Abnehmer für wiederverwendetes Holz, und auch Unsicherheiten bei der Schadstoffbelastung erschweren die Nutzung. Neue gesetzliche Grundlagen schreiben bereits vor, dass Wiederverwendung und Recycling Vorrang vor der Verbrennung haben – ein wichtiger Schritt, um Holz künftig länger im Kreislauf zu halten.

Doch selbst wenn die Wiederverwendungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, bleibt Holz für das Klima wertvoll: etwa durch die Herstellung von Pflanzenkohle, die den Kohlenstoff über längere Zeit bindet, oder die energetische Verwertung mit CO2-Abscheidung. Für Letzteres sind die nötigen Technologien im Kanton Zürich noch nicht im Einsatz. Sie dürften aber in naher Zukunft verfügbar sein – und eröffnen damit zusätzliche Wege, Holz auch am Ende seines Lebenszyklus wirksam für den Klimaschutz zu nutzen.


Zürich will Schatz in seinen Wäldern heben

Auch der Kanton Zürich setzt vermehrt auf nachhaltiges Bauen mit Holz. So entstanden etwa 2022 für die Kantonsschulen Uetikon, Freudenberg und Enge sowie auf dem Campus der Universität Irchel provisorische Sporthallen von Pool Architekten. Auch die Stadt Zürich nutzt inzwischen diese Holzmodulbauten. Sie haben eine Lebensdauer von mindestens 30 Jahren und können mehrfach und in variablen Konstellationen an anderen Schulstandorten wiederverwendet werden.

Im März 2023 wurde der Ersatzbau für das Asylzentrum Adliswil von Azzola Durisch eröffnet. Auch dieses Gebäude besteht aus Holzmodulen. Als erstes kantonales Bauwerk erhielt der Neubau 2025 das Platin-Label nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz – eine Auszeichnung für die umfassende Nachhaltigkeit des Projekts. Noch in diesem Monat starten die Bauarbeiten für den Ersatzneubau des Bezirksgerichts Hinwil. Das Holz dafür stammt zum grossen Teil aus dem Zürcher Staatswald.


Link Bericht Kanton Zürich ‹Beitrag von Holz zu Netto-Null› (PDF, 533 KB)