Kanton Bern will Wald und Wild austarieren
Kleine Tannen (rechts) haben es aufgrund des zunehmenden Wildverbisses schwer im Berner Wald. Dabei wäre ihr Aufwachsen für einen klimastabilen Wald wichtig. ‹Kaum wächst etwas nach, wird der Jungpflanze der Kopf abgebissen›, fassen die Berner Waldeigentümer die heutige Lage zusammen.
Bild BWB
Im Kanton Bern ist das Gleichgewicht zwischen Wald und Wild vielerorts gestört. Das zeigt das Wildeinflussgutachten, welches das Amt für Wald und Naturgefahren alle zwei Jahre erstellt. In mehreren Regionen können sich junge Bäume nicht mehr von selbst durchsetzen. Der Druck von Reh, Gemse und Rothirsch auf den Wald ist zu gross. Besonders die Bestände der Rothirsche sind regional zu stark angewachsen.
Jetzt muss etwas geschehen – dafür sorgt politischer Druck. Die ‹Wald-Wild-Lebensraum›-Strategie fusst auf einer Motion, welche durch das Berner-Waldeigentümer-Vorstandsmitglied Bernhard Riem eingereicht wurde. Jetzt will der Kanton handeln – zusammen mit allen Beteiligten, sprich Jagd, Waldbesitzern, Naturschutz und Landwirtschaft. Richten soll es die neue Strategie ‹Wald-Wild-Lebensraum›. Sie definiert vier Handlungsfelder.
Jagd, Bewirtschaftung, Wildschadenverhütung – und reden miteinander
Zuerst das wichtigste: die Jagd. Die Wildbestände sollen gezielt reguliert werden. Grundlage ist eine neu organisierte Jagdplanung. Entscheidend ist, dass mehr weibliche Tiere erlegt und die Jagdziele konsequent erreicht werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Waldbewirtschaftung: Die Bewirtschaftung ist naturnah und auf natürliche Verjüngung ausgerichtet, sofern die waldbaulichen Ziele erreicht werden können. Da es keine Bewirtschaftungspflicht gibt, setzt der Kanton auf Anreize und Beratung für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer.
Drittens steht die Wildschadenverhütung im Zentrum: Damit der Wald nachwachsen kann, brauchen Wildtiere genügend Raum und Ruhe. Aufgewertete Waldränder, Vernetzungselemente im Offenland und Wildruhezonen helfen dabei. In stark belasteten Gebieten werden junge Bäume zusätzlich geschützt. Viertens geht es aber auch darum, miteinander zu reden: Alle Beteiligten sollen ein gemeinsames Verständnis der Wald-Wild-Problematik entwickeln. Die Ergebnisse sollen alle zwei Jahre im Rahmen des Wildeinflussgutachtens überprüft werden. Bis 2040 sollen die Ziele erreicht sein.
Silberstreifen am Horizont für die Waldeigentümer – aber Bedenken bleiben
Die Berner Waldeigentümer BWB sind vorsichtig optimistisch. Sie stellen erfreut fest, dass die Strategie die Basisregulierung der Wildbestände als Voraussetzung für eine gelingende Waldverjüngung anerkennt. Auch das klare Bekenntnis zur Waldbewirtschaftung wird begrüsst. Die definierten Ziele betreffend Flächenanteile mit nur 65% tragbarem Wildeinfluss bis 2040 sind für den Verband BWB jedoch gesamtheitlich zu wenig ambitioniert.
Der BWB will die Entwicklung aufmerksam verfolgen und im Rahmen seiner Möglichkeiten mithelfen. Die Waldeigentümer sprechen in ihrer Stellungnahme aber auch Klartext: ‹Sollte die dringend nötige Verbesserung der Waldverjüngung nicht eintreffen, sind seitens der WEU-Direktion rechtzeitig Anpassungen vorzunehmen. Nur so lassen sich die allseits geschätzten Waldleistungen langfristig sicherstellen.›
Links Mitteilung Kanton Bern | Stellungnahme BWB | Motion Riem BE