Holzrecycling: Warum die Zahlen differieren
Vergleich der publizierten Recyclingquote von Holz in der Schweiz aus fünf Studien.
Grafik Autoren
Im Rahmen des Innosuisse-Flagship-Projekts ‹Think Earth› untersucht die Berner Fachhochschule im Teilprojekt 5 gemeinsam mit der ETH Zürich und verschiedenen Wirtschaftspartnern das Recycling und die Wiederverwendung von Holz. Dabei wurden die Altholzflüsse in der Schweiz detailliert analysiert.
Basierend auf Literaturdaten wurden die jährlichen Altholzmengen von 1908–2022 modelliert, die stofflich verwerteten Holzmengen (inkl. Exporte) herangezogen und daraus eine durchschnittliche Recyclingquote für die letzten zehn Jahre berechnet. Die Studie kommt zum Schluss, dass rund 70% des Altholzes in der Schweiz gesammelt und gemeldet werden, während 22% einer stofflichen Verwertung zugeführt werden (Fuchs et al. 2025).
Nicht alle zählen dasselbe – das stiftet Verwirrung
Ein Vergleich mit vier weiteren relevanten Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren zeigt vier zentrale Unterschiede: die berücksichtigte Altholzmenge, die Einbeziehung von Exporten, das Berechnungsjahr sowie die verwendeten Datenquellen. Die Studie von Gauch et al. (2016) basiert auf einer geringeren Altholzmenge, da sie ausschliesslich Holz aus dem Hoch- und Tiefbau berücksichtigt. Dies dürfte zu der geschätzten Recyclingquote von 10% geführt haben.
Die übrigen Studien beziehen sich auf das gesamte Altholzaufkommen und kommen übereinstimmend zum Schluss, dass in der Schweiz jährlich rund 1 Mio. Tonnen Altholz anfällt. In der Studie von Malinverno et al. (2024) wird Altholz, das im Ausland stofflich verwertet wird, nicht in die Recyclingquote einbezogen. Diese Annahme führt im Vergleich zu den anderen Studien zur tiefsten Quote von lediglich 8%.
Auch das Berechnungsjahr und die zugrundeliegenden Datenquellen variieren zwischen den Studien. Die Arbeit von Fuchs et al. (2025) zeigt zudem, wie stark die Recyclingquote je nach Berechnungsjahr schwanken kann: Zwischen 2008 und 2022 liegt sie zwischen 18% und 31 %, ohne dass ein signifikanter Trend erkennbar wäre. Die nachfolgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede der untersuchten Studien zusammen.
Vergleich der Berechnungsgrundlagen für die Recyclingquote von Holz in der Schweiz aus fünf Studien. *: mit 540 kg/m3 von Kubikmeter in Tonnen umgerechnet.
Darstellung Autoren
Recyclingmengen im Ausland mit berücksichtigen
Vor dem Hintergrund der hier dargestellten Berechnungsgrundlagen erscheinen die unterschiedlichen Recyclingquoten nachvollziehbar und weniger widersprüchlich. Die Autoren des vorliegenden Berichts vertreten dennoch die Auffassung, dass bei der Kommunikation einer nationalen Recyclingquote für Holz auch jene Mengen berücksichtigt werden sollten, die im Ausland stofflich verwertet werden.
Hintergrund dieser Einschätzung ist, dass die Recyclingquote Auskunft darüber geben soll, welcher Anteil des in der Schweiz anfallenden Altholzes tatsächlich einer stofflichen Verwertung zugeführt wird – unabhängig davon, ob diese im Inland oder im Ausland erfolgt. Die Angabe über die geografische Verteilung der Verwertung bleibt als Zusatzinformation dennoch wichtig. Zudem erscheint es sinnvoll, die Holz-Recyclingquote als Durchschnittswert anzugeben, um Jahresschwankungen zu umgehen.
Die abweichenden Recyclingquoten in den Studien von Erni et al. (2017) und Odermatt et al. (2022), welche beide exportiertes Altholz mit einbeziehen, könnten primär auf jahresbedingte Schwankungen zurückzuführen sein. Vor diesem Hintergrund erscheint die in der Studie von Fuchs et al. (2025) berechnete durchschnittliche Recyclingquote von 22% sinnvoll.
* Patrick Fuchs | ** Heiko Thömen | Berner Fachhochschule Institut für Baustoffe und biobasierte Materialien
Links Forschungsprojekt Think Earth Teilprojekt 5, Teil BFH | Quellen der untersuchten Studien