Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Holzbulletin im Frühling: Holz erleben

Das neue Holzbulletin der Lignum präsentiert neben dem Klanghaus am Schwendisee im Toggenburg fünf weitere Projekte, bei denen Holz das räumliche Erlebnis nachhaltig prägt: das Restaurant am Caumasee in Flims, das Badehaus Hof Weissbad im Appenzellerland, die historische Zehntenscheune in Dietikon sowie zwei im Wallis gelegene Projekte: das neue Sommercamp für Kinder in Sorniot und die Erneuerung eines hundertjährigen Berghotels in Ferpècle.

Lignum-Holzbulletin 158/2026 – Holz erleben 

32 Seiten A4, vierfarbig
Art.-Nr. 11158

Inhalt:
- Restaurant Caumasee, Flims
- Klanghaus Toggenburg, Unterwasser
- Badehaus Hof Weissbad, Weissbad
- Zehntenscheune, Dietikon
- Sommercamp für Kinder Sorniot, Fully
- Erneuerung Berghotel, Ferpècle

Lieferbar ab 10. April 2026

Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin viermal jährlich automatisch und kostenlos per Post. Die vierteljährliche Bautendokumentation der Lignum kann man unabhängig von einer Mitgliedschaft abonnieren. Holzbulletin-Hefte können auch einzeln bezogen werden.

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Das Klanghaus am Schwendisee im Toggenburg ist weder ein Konzerthaus noch ein Musikpavillon, sondern ein begehbares Instrument. Für seine Gäste wird dabei die akustische und visuelle Wahrnehmung des Raums zu einem vielfaltigen sinnlichen Erleben – über die Ohren, die Augen, aber auch haptisch. Das Material Holz spielt für diese facettenreiche Wahrnehmung eine wesentliche Rolle: Als Baustoff für die Konstruktion oder die raumakustischen Anforderungen, als Oberflächenmaterial – sowohl aussen in Form der Schindelfassade als auch mit der Verkleidung der Innenräume – und nicht zuletzt mit der ornamentalen Gestaltung der Öffnungen in den beweglichen Flügeln, die den zentralen Raum mit der Berglandschaft verbinden. In diesem Sinne und auch aufgrund seiner Entstehungsgeschichte ist das Klanghaus ein einzigartiges Bauvorhaben, für dessen Realisierung das Zusammenspiel von Architektur, Musikwissen und Holzbauexpertise eine notwendige Voraussetzung war – ein Gesamtkunstwerk also auch in dieser Hinsicht. 

Was das Klanghaus ebenfalls zeigt: Der Baustoff Holz verfügt offenbar über Qualitäten, die weit über den funktionalen Einsatz des Materials hinausgehen. Da ist zum einen die haptische Dimension. Holz ist ein Baustoff, den man berühren will. Je nach Bearbeitung ist seine Oberfläche rau, strukturiert oder auch seidig glatt. Diese unmittelbare körperliche Erfahrung ist Teil seiner Identität. Eng damit verbunden ist seine akustische Qualität: Holz klingt, und das buchstäblich. Holz schwingt mit, wenn Töne den Raum füllen, und gibt ihnen eine spezifische Farbe. Kein Wunder, ist Holz der bevorzugte Werkstoff für Musikinstrumente oder Konzertsäle. Holz schafft aber auch eine angenehme Raumatmosphäre – und das nicht nur wegen seiner sensorischen Eigenschaften. Schliesslich besitzt Holz eine baukulturelle Verankerung, die kaum ein anderes Material in dieser Dichte aufweist. 

Seit Jahrhunderten hat sich in den verschiedensten Regionen der Welt eine eigenständige Handwerkstradition entwickelt – sei es in Japan mit Holzkonstruktionen ohne sichtbare Verbindungen oder in Norwegen in Form von Stabkirchen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Der heutige Holzbau schreibt diese Geschichte fort, mit zeitgemässen Mitteln und im Bewusstsein, dass diese Traditionen Lösungen für aktuelle Fragestellungen anbieten: Sie stehen für Ressourceneffizienz, klimagerechtes Bauen und Langlebigkeit. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass beim Bauen mit Holz die tragende Holzkonstruktion an sich oft bereits eine gestalterische Dimension entfaltet und zum prägenden Raumelement werden kann. 

Diese Eigenschaften machen sich auch zwei weitere Projekte zu eigen, die wir hier kurz vorstellen möchten. Zum einen der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Wettbewerbsbeitrag des dänischen Architekturbüros Adept für den Umbau des ehemaligen Karstadt-Gebäudes in Braunschweig in ein ‹Haus der Musik›, zum anderen das bereits realisierte Restaurant Schifflände von Fiechter & Salzmann am Greifensee in Uster. Trotz der Unterschiedlichkeit der Bauaufgabe, des Standorts und der Projektgrösse nutzen beide den Baustoff Holz als wesentliches Element für die architektonische Gestaltung.

Beim Braunschweiger ‹Haus der Musik› schlagen die Architekten über dem dritten Obergeschoss des Baus von Gottfried und Elisabeth Bohm mit Baujahr 1978 einen holzgetafelten Konzertsaal für bis zu 1200 Gäste vor. Die geschwungenen Holzpaneele mit kleinformatigen Schieferplatten an der Fassade sind eine Interpretation der ursprünglichen Aussenhülle – eine Synthese aus Respekt vor dem Original und dem formalen Fortschreiben des Bestehenden. Holzwendeltreppen im nachgelagerten, mehrgeschossigen Foyer erschliessen den Saal und machen die vertikale Bewegung durch das Haus für die Besucherinnen und Besucher erfahrbar. 

Das Restaurant Schifflände in Uster hingegen ist ein eingeschossiger Pavillon mit sechs markanten Einzeldächern, der direkt an der Schifflände am Greifensee liegt. Das Holztragwerk – als Zelttragwerk in der Mitte frei – übernimmt unterschiedliche Funktionen: Es prägt das Raumgefühl im Inneren, schützt die Gäste im Aussenraum vor Sonne und Regen und vermittelt zwischen dem Gebäude und der umgebenden Seelandschaft. Holz ist hier das Material, das innen und aussen, Schutz und Offenheit, Infrastruktur und Gastlichkeit zu einem Ganzen fügt.

Neben dem eingangs vorgestellten Klanghaus finden Sie in dieser Holzbulletin-Ausgabe weitere Projekte, in denen Holz – mal ganz explizit, mal unterschwellig – zu einem zentralen Gestaltungselement wird und das räumliche Erleben seiner Nutzerinnen und Nutzer nachhaltig prägt: das Restaurant am Caumasee in Flims, das Badehaus Hof Weissbad im Appenzellerland, die historische Zehntenscheune in Dietikon, in der eine alte Holzkonstruktion zum Ausgangspunkt für etwas Neues wird, sowie zwei im Wallis gelegene Projekte; das neue Sommercamp für Kinder in Sorniot und die Erneuerung eines hundertjährigen Berghotels in Ferpècle.

Wir wünschen eine gute Lektüre!

 

Jutta Glanzmann
Technische Kommunikation Lignum