Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Holzbauforum Innsbruck mit über 3000 Teilnehmern

Die Welt sieht aus europäischer Perspektive derzeit recht düster aus. Ganz anders die Stimmung in Innsbruck am Internationalen Holzbauforum IHF letzten Dezember: Sie war blendend. Auch die Beteiligung hat sich mit 3020 Interessierten vor Ort insgesamt noch einmal leicht erhöht.

Impression vom IHF 2025 in Innsbruck. Bereits steht wieder der 7. Deutsche Holzbau-Kongress 2026 am Horizont; er geht am 14./15. April in Berlin über die Bühne. Damit liegt der Termin einen Monat früher als im Vorjahr. Erneut rechnet das Forum Holzbau in Berlin mit 700 Teilnehmenden. Im Vergleich zu Innsbruck bedeutet das schon fast eine Veranstaltung im kleinen Rahmen.
Bild Jan Kulke für IHF

 

Volle Säle wie im Vorjahr bei ‹Notre Dame› gab es in Innsbruck auch dieses Jahr wieder, wenn neue spektakuläre Objekte des Ingenieurholzbaus vorgestellt wurden. So etwa bei der Präsentation von Europas grösster Holzmodulbau-Baustelle auf dem Campus der Zollhochschule in Rostock. Oder des ‹Atlassian›-Hochhauses in Sydney, der Überdachung des ‹PNE-Amphitheatre› und des Bürobaus ‹The Hive›, die sich beide in Vancouver und in einer Erdbeben-Risikozone befinden.

Nicht viel weniger Aufmerksamkeit wurde der Architektur des Bloomberg Student Center an der JHU in Baltimore, dem Holzbau beim Innsbrucker Quartiersprojekt RAIQA oder dem Terrassenbürohaus ‹Wood› in Grenoble zuteil, um hier wenigstens ein paar Beispiele zu nennen. Viel Interesse zollte das IHF-Publikum aber auch der Entstehungsgeschichte der Grossskulptur ‹Muni Max›, die der Lignum-Leserschaft vertraut ist.


Rohstoffversorgung im Schwitzkasten

Kein Bau ohne Rohstoff, und bislang noch wenige Holzbauten, bei denen nicht überwiegend Nadelholz eingesetzt wird. Beim IHF-Auftakt wies Matthias Dieter vom Thünen-Institut Hamburg darauf hin, dass bei weiter ansteigender Holzbauquote in Europa und weltweit zu erwartender Mehrnachfrage nach Holzbau Nadelholz laufend begehrter und der Rundholzmarkt volatiler werden könnten.

Dies, weil sich das Nadelholzangebot in Europa ins sehr starke Holz verschiebt, durch Trockenheit und Kalamitäten mit regionalen Unterschieden verknappt, und weil auch zwei politische Entscheidungen der EU erheblichen Einfluss auf das Rohholz-Liefervermögen der Forstwirtschaft entwickeln könnten. Dieter erwähnte die EU-Klimaschutzpolitik mit ihrer LULUCF-Verordnung und die Biodiversitätsstrategie der EU, die je nach Umfang des Holznutzungsverzichts im Wald moderate bis starke Auswirkungen hätten.


Bau und Klima: Auslegeordnung aus Zürcher Sicht

Wolfram Kübler, Geschäftsführer des Zürcher Ingenieurbüros Walt Galmarini, lieferte das IHF-übliche Klima-Update, allerdings keines mit meteorologischem Inhalt. Er befasste sich in seinem Referat in erster Linie mit der Herstellung von Zement und Beton und deren Treibhausgasemissionen. Mit beidem könne unter Mengen- und Qualitätsoptimierung wesentlich sparsamer umgegangen werden.

Gegen die Firma Holcim war Monate vor dem IHF2025 eine Klimaklage erhoben worden. Sie wurde im Dezember 2025 zur Verhandlung am Zuger Kantonsgericht zugelassen. Damit steht zu erwarten, dass weitere Klimaklagen gegen grosse Emittenten folgen werden. Kübler wies auf eine Liste von 180 ‹Carbon Majors› aus einer ETH-Studie hin, die mit ihrem Kohlenstoff-Fussabdruck besonders stark zu dem vom Menschen ausgelösten Klimawandel beitragen.


‹Wir müssen Vollgas geben› – mit Wald, Holz und mehr

Weil es mittlerweile nicht mehr um die Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles geht, sondern eher um das Retten der Zwei-Grad-Marke und damit eine noch grössere Dringlichkeit der Emissionssenkung besteht, um unterhalb von Kippunkten mit unumkehrbaren Klimarisiken zu bleiben, müssten sehr viel schneller und sehr viel mehr Emissionen vermieden und gleichzeitig CO2 aus der Atmosphäre geholt werden, als dies durch Wald und Holzbau möglich wäre.

‹Wir müssen Vollgas geben›, so Kübler. Wenn man nachhaltiges Bauen erreichen wolle, dann sei neben der Internationalisierung von Klimawandel-Folgenkosten, dem Einsatz öffentlicher Finanzmittel, einer zukunftsfähigen Baugesetzgebung und zukunftsfähigen Ausschreibungen viel Klima- und Baustoffkompetenz bei den Bestellern von Bauvorhaben, also bei Bauherren, Developern und Architekten, besonders wirkungsvoll.


Besteller im Baumarkt sollten wichtige Hebel kennen

Zu diesem Wissen zählt Kübler den Erhalt von Bestandsgebäuden, die Nutzung von Stampflehm in Wänden sowie den Einsatz von Lehmsteinen und anderen Massivbaustoffen. Ausserdem sollten Massivholzbauweisen mit so viel Holz wie möglich, hybride Holz-Beton-Konstruktionen mit wenig Stahl und möglichst emissionsreduzierter Beton mit Recyclinggranulat zum Einsatz kommen.

Unter Hinweis auf die verlorene Zeit, das vereinbarte Klimaziel noch annähernd zu erreichen, hält Kübler auch den Einsatz der teuren CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) für opportun. Die Schweiz und Norwegen verhandeln aktuell ein Abkommen für die Entsorgung von CO2 aus 4 Mio. Tonnen Zement pro Jahr, um bis 2050 90% der Emissionen der Zementindustrie in ausgebeutete Erdgaslagerstätten einzulagern. Die 20% Mehrkosten für den Kubikmeter Beton wären gar nicht so schlimm, so Kübler.


Link forum-holzbau.com/IHF