Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Hochbau, Treibhausgasemissionen und Netto-null-Ziel

Der Bundesrat hat an seiner gestrigen Sitzung den Bericht zur Erfüllung eines Postulats gutgeheissen, das die Landesregierung 2020 aufforderte darzulegen, wie der Hochbau mit dem Schweizer Netto-null-Ziel kompatibel werden soll. Der Bericht beleuchtet den aktuellen Stand und schlägt vier Massnahmen vor.

Manchmal dauert es in Bern ein wenig. Im Herbst 2020 hat die grünliberale Zürcher Nationalrätin Barbara Schaffner in Bern ein Postulat eingereicht. Sie stellte es unter den Titel ‹Was heisst netto null für den Hochbau, und wie kann dieses Ziel erreicht werden?› Die Postulantin wünschte im Bericht insbesondere eine Diskussion des Einsatzes von Holz und nachwachsenden Dämmstoffen sowie der Wirkung von Recycling und Re-Use von Baustoffen.

Die Frage war: Wie kann ein Absenkpfad für die graue Energie im Hochbau aussehen? Schaffner erinnerte bei der Begründung ihres Vorstosses daran, dass Neubauten heute in der Regel eine gute energetische Qualität aufweisen und mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Zahlreiche Gebäude sind im Betrieb dank Eigenstromproduktion sogar schon Netto-Energieproduzenten und leisten damit einen Beitrag zum Netto-null-Ziel.


Mehr Grauenergie als Kehrseite

Oft gingen sinkende Energieverbrauchszahlen – gerade im Wärmebereich – aber einher mit einem Anstieg der grauen Energie, die in das Gebäude investiert wurde. Die grauen Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich sind in den letzten Jahren tatsächlich nicht gesunken oder nahmen sogar zu, etwa weil zugunsten der Energieeffizienz treibhausgasintensive Verbund- und Dämmmaterialien verwendet werden.

Eine echte Dekarbonisierung des Gebäudesektors sei deshalb nur möglich, wenn auch die graue Energie und die damit verbundenen CO2-Emissionen gesenkt würden. Dies könnte unter anderem durch die Verwendung von Holz und weiteren nachwachsenden Rohstoffen als alternative Baustoffe geschehen, argumentierte Schaffner.


Graue Emissionen nicht ganz wegzubringen

Der Schweizer Gebäudesektor verursacht gemäss aktuellen Quellen jährlich rund 9–11 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente graue Treibhausgasemissionen. Wenn die technischen Möglichkeiten wie Optimierung der Bauweise oder Dekarbonisierung der Baustoffproduktion ausgeschöpft werden, werden die verbleibenden grauen Treibhausgasemissionen 2050 auf rund 4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente geschätzt.

Bei neu erstellten Wohngebäuden betragen die durchschnittlichen grauen Treibhausgasemissionen heute unter der Annahme einer Lebensdauer von 60 Jahren je nach Studie zwischen 10,5 und 12,2 kg CO2-Äquivalente pro Quadratmeter Energiebezugsfläche und Jahr. Eine angepasste Bauweise kann zur Verringerung beitragen. Beispielsweise verringern der Verzicht auf Untergeschosse oder die Entscheidung für einfache und kompakte Formen die grauen Treibhausgasemissionen.


Hilfreiche Leichtbauweise

Zudem kann mit einer materialeffizienten Leichtbauweise der Materialbedarf pro Flächeneinheit erheblich gesenkt werden, was sich wiederum auf die grauen Treibhausgasemissionen auswirkt. Auch Massnahmen zur Verlängerung der Lebensdauer der Gebäude und die Wiederverwendung von Bauteilen reduzieren den Baumaterialbedarf und die damit verbundenen Umweltbelastungen.

Im Vergleich mit konventionellen Baustoffen haben nachwachsende Rohstoffe im Schnitt eine bessere Treibhausgasbilanz, und ihre zunehmende Verwendung trägt zur Verminderung des Treibhausfussabdrucks von Bauwerken bei. Allerdings ist die Speicherung von Kohlenstoff zeitlich limitierter. Und es besteht noch kein einheitlicher Ansatz, wie die Kohlenstoffspeicherung in biogenen Baumaterialien in den Ökobilanzen berücksichtigt werden soll.


Vier Stossrichtungen für Netto-null

Der Bericht schlägt mehrere Massnahmen vor, um im Hochbau bis 2050 netto null graue Treibhausgasemissionen zu erreichen: die zeitnahe Festlegung von Grenzwerten für graue Energie von Gebäuden durch die Kantone, die Konkretisierung der Vorgaben zum ressourcenschonenden Bauen gemäss Artikel 35j USG und Artikel 10 KlG sowie eine Aktualisierung der Ökobilanzdaten.

Am Ende, das hält der Bericht auch fest, ist aber auch Unterstützung durch Finanzhilfen wertvoll, auch wenn bei der Förderung aufgrund des Entlastungspakets 27 zukünftig vermehrt Prioritäten gesetzt werden müssten. Ausdrücklich erwähnt werden der Aktionsplan Holz und die Wald- und Holzforschungsförderung. Davon profitierten zahlreiche Projekte zur Förderung des ressourcenschonenden Bauens.


Link Zum Bericht (PDF, 624 KB)