Lignum Holzwirtschaft Schweiz

EUDR-Fahrplan stösst auf Widerstand bei Wald und Holz

Die Europäische Kommission will an Ende Jahr für den Anwendungsstart der EU-Entwaldungsverordnung EUDR festhalten (siehe gesonderten Beitrag im Lignum Journal online von heute Montag). Dafür sind einige Erleichterungen vorgesehen. Die Reaktionen aus der europäischen Wald- und Holzwirtschaft fallen negativ aus. Holzindustrie-Verbände aus zehn EU-Mitgliedsstaaten wenden sich in einem Brief direkt an die EU-Kommissionspräsidentin.

Europas Holzbranche spricht mit Blick auf die Einführung der EUDR von einem ‹Milliardengrab ohne Mehrwert› (so der Fachverband der österreichischen Holzindustrie im Sommer 2025). Eine Studie aus Finnland beziffert die Kosten für die Einführung allein dort auf über EUR 200 Mio. sowie auf jährlich EUR 65 Mio. an laufenden Kosten. Eine Umfrage des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie HDH geht von Kosten in Höhe von EUR 1,8 Mia. aus, um die EUDR einzuführen, und von weiteren EUR 1,2 Mia. für den jährlichen Betrieb.

 

Update 28.10.2025 | Gemäss Mitteilung des deutschen ‹Holz-Zentralblattes› vom vergangenen Freitag fordern europäische Holzverbände aus zehn EU-Mitgliedstaaten die EU-Kommissionspräsidentin in einem Brief auf, die EUDR entweder abzuschaffen, eine Null-Risiko-Kategorie einzuführen oder die Dokumentation auf die Erstinverkehrbringer zu beschränken.

Die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission nennten sie ‹vollkommen unverantwortlich›. Die Verbände monierten, dass die Holzindustrie schlicht nicht verstanden worden sei und dass ihre  Alternativvorschläge erneut ignoriert worden seien. Die Verbände erklären laut ‹Holz-Zentralblatt›, sie seien ernsthaft besorgt, dass durch derart unrealistische und praxisferne Gesetzgebung die Legitimität der Europäischen Union untergraben werde. Für die Verbände stehe fest, dass die EUDR in der derzeitigen Form in der Holz-Wertschöpfungskette weder rechtssicher noch wirtschaftlich umsetzbar sei.

Ausserdem wenden sich in Brüssel heute zwanzig Verbände betroffener Branchen mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit, welche dazu aufruft, aus dem Zeitdruck zur Einführung der EUDR auszusteigen. Dies soll es den politischen Entscheidungsträgern ermöglichen, die Auswirkungen und die Umsetzung der Verordnung angemessen und umfassend zu bewerten. Unterzeichnet ist der Aufruf auch von neun europäischen Verbänden der Wald- und Holzwirtschaft.


40 deutsche Verbände rufen nach der Notbremse

Nachdem sich auf der Sitzung des EU-Agrarrates in Luxemburg vom 27. Oktober eine deutliche Mehrheit der Mitgliedstaaten – darunter Tschechien, Polen, Estland, Bulgarien, Österreich und Kroatien – für eine einjährige Verschiebung der EUDR für alle Unternehmen ausgesprochen hat, fordert der Bundesverband der deutschen Säge- und Holzindustrie DeSH gemeinsam mit 40 weiteren Verbänden der deutschen Wirtschaft Notstopp und Neuausrichtung für die EUDR.

Ohne eine Verschiebung für alle drohten ab dem 30. Dezember 2025 gravierende wirtschaftliche und organisatorische Verwerfungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Holz, sagt DeSH-Geschäftsführerin Julia Möbus. Besonders problematisch sei das Zusammenwirken des unterschiedlichen Geltungsbeginns für Waldbesitzer mit der neu vorgesehenen Weitergabepflicht sämtlicher Referenz- und Identifikationsnummern entlang der Lieferkette. Künftig müssten Unternehmen teils mehrere tausend Nummern pro Lieferung an ihre Kunden weitergeben.

Die geplante Verschiebung des EUDR-Geltungsbeginns ausschliesslich für Kleinst- und Kleinunternehmen im Forstbereich berge zudem die Gefahr erheblicher Verwerfungen in der Lieferkette. Denn grosse Waldbesitzer und die gesamte nachgelagerte Industrie wären weiterhin verpflichtet, die EUDR-Vorgaben mit der Weitergabe von Referenznummern ab dem 30. Dezember 2025 einzuhalten. Dies würde zu massiven Wettbewerbsverzerrungen zulasten kleiner Waldbesitzer führen und die Versorgung der europäischen Holzindustrie mit heimischem Rohstoff belasten.


Links Holz-Zentralblatt (D) | Schreiben der deutschen Verbände (PDF, 386 KB)