Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Die Besten in Holz in Österreichs Hauptstadt prämiert

‹wienwood 25› zeichnete diesen September bereits zum vierten Mal herausragende Holzbauten in Wien aus. Der Preis wurde von proHolz Austria in Kooperation mit der Stadt Wien ausgeschrieben. Eine hochkarätig besetzte Fachjury kürte vier Preisträger und vergab einen Sonderpreis und drei Anerkennungen.

Von oben nach unten: ‹Woody – M› von Freimüller Söllinger Architektur, ‹Villa Minimale› von Clemens Kirsch Architektur, Trainingsschwimmhalle Großfeldsiedlung von ARGE illiz, Rudolf-Steiner-Schule Wien-Mauer von Dietrich Untertrifaller Architekten.
Bilder Bruno Klomfar/proHolz Austria

 

Die prämierten Bauten zeigen aus Sicht der Jury, dass der Einsatz von Holz im urbanen Kontext immer selbstverständlicher wird, nicht nur als Fassadenmaterial, sondern vor allem auch als konstruktiver Baustoff. Die Bandbreite der eingereichten Projekte war sehr gross; sie reichte von Kleingartenhäusern über weiträumige Wohnkomplexe bis hin zu einem Klinikneubau.

‹Dies zeigt, dass die Qualitäten des Holzbaus für verschiedene Massstäbe erkannt und für unterschiedliche Funktionen genutzt werden›, folgert die Jury. ‹Bei kleineren Bauten tritt Holz zumeist als raumbildendes Element in Erscheinung, bei grossen Hallen konnten wir Holz als sichtbares Tragwerk in seiner konstruktiven und raumprägenden Funktion zugleich wahrnehmen. Vermehrt konnten wir erkennen, dass Holz auch in Kombination mit Lehm oder anderen alternativen Materialien verwendet wird.›

Besonders positiv fiel der Jury auf, dass die öffentliche Hand aktiv den Holzbau in unterschiedlichen Bereichen ermöglicht und mit sehr hoher Qualität umsetzt. ‹Gerade hier überraschte uns, wie die dem Holz innewohnenden Qualitäten genutzt und damit auch Funktionsbauten mit einer neuen Art von Ästhetik und Atmosphäre aufgeladen werden.› Dennoch: ‹Gerne hätten wir mehr Schulprojekte, mehr grossvolumige Wohnbauten und innerstädtische Nachverdichtungen gesehen, weil hierin ein grosses Potential liegt, das es auszuschöpfen gilt.›


Ausgezeichnetes für Wohnen und Schwimmen

Zu den Preisträgern zählt der ‹Woody – M› von Freimüller Söllinger Architektur, eine 2022 fertiggestellte Wohnanlage aus Holz mit insgesamt 85 frei finanzierten Mietwohnungen auf einem durchgehenden mineralischen Sockel, in dem ein grosser Supermarkt, Lagerflächen und eine Tiefgarage Platz finden. Die fünf- und sechsgeschossigen Wohnhäuser sind in Brettsperrholzbauweise errichtet, die mit aussteifenden vorgestellten Balkonen sowie Laubengängen aus Betonfertigteilen verbunden sind.

Ein weiterer Preisträger ist die ‹Villa Minimale› von Clemens Kirsch Architektur (2023). Das Kleingartenhaus am Rande des Wienerwalds bietet auf einer Grundfläche von 35 m2 einen überraschend grosszügigen Wohnraum für eine vierköpfige Familie. Der Name des Hauses ist dabei Programm, da der Architekt die strengen Regeln, denen der Bau von Wiener Kleingartenhäusern unterliegt, nicht als Einschränkung, sondern als Entwurfschance gesehen hat.

Die Trainingsschwimmhalle Großfeldsiedlung ist der dritte Preisträger (ARGE illiz Wien/Zürich, 2024). Im Zuge der Bäderstrategie 2030 werden in Wien mehrere baugleiche Bäder aus den frühen achtziger Jahren saniert und erweitert – darunter auch das Bad in der Großfeldsiedlung im 21. Bezirk. Die neue Schwimmhalle besticht als lichtdurchfluteter, fast 6 m hoher Raum. Die unglaublich angenehme Atmosphäre wird bestimmt von einem schlanken Holztragwerk und den geschosshohen Verglasungen.


Holz, Lehm und Selbstermächtigung

Die 2024 fertiggestellte Rudolf-Steiner-Schule Wien-Mauer von Dietrich Untertrifaller Architekten ist der vierte Preisträger. Hier kommt neben Holz auch Lehm zum Einsatz, der insbesondere im Inneren räumliche Wirkung entfaltet: Die Innenwände wurden mit Lehmputz oder Lehmbauplatten ausgeführt, wobei für den Lehmputz die vor Ort ausgehobene Erde verwendet werden konnte. Das Volumen des Neubaus wird mit dem Altbau durch ein neues, alles überspannendes Dach formal vereint.

Einen Sonderpreis gab es für das 2025 fertiggewordene Projekt ‹SchloR – Schöner Leben› von GABU Heindl Architektur. Hier geht es um eine andere Art des Denkens, welche die Zukunft des Wohnens und Bauens dezidiert selbst in die Hand nimmt. Ein grosser Vorteil des Holzes, nämlich sein Potential für den Selbstbau, wird intelligent in die prozessualen Bahnen eines Kollektivs gelenkt, in denen sich Mitbestimmung und professionelle Gestaltung die Hand reichen.

Alle prämierten Projekte des ‹wienwood 25› sind automatisch nominiert für den Österreichischen Staatspreis Holzbau, der im Jahr 2026 erstmals vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie proHolz Austria verliehen wird.


Link proholz.at/wienwood