Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Deutsches Rohholzaufkommen – womit ist zu rechnen?

Wieviel Rundholz aus deutschen Wäldern steht in den kommenden 40 Jahren zur Verfügung? Auf Basis der vierten Bundeswaldinventur haben Forschende des Thünen-Instituts für Waldökosysteme diesen Sommer eine mögliche Entwicklung modelliert.

Bild Thünen-Institut/Matthias Rütze

 

Mit der Waldentwicklungs- und Holzaufkommens-Modellierung, kurz WEHAM, werfen Wissenschaftler einen Blick auf die Zukunft der Wälder. Basierend auf den Daten der vierten Bundeswaldinventur und den Erfahrungen der vergangenen Jahre modellieren sie, wie sich der Holzvorrat in Deutschlands Wäldern unter den aktuellen Zielsetzungen und Ansätzen der Waldbehandlung voraussichtlich entwickeln wird. Erstellt wurde das Szenario am Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde.

Das Modell zur Berechnung des WEHAM-Szenarios wurde bereits vor 25 Jahren aufgebaut. Am Thünen-Institut wird es seitdem ständig an die aktuellen Entwicklungen angepasst. Für das Basisszenario wird in Fünf-Jahres-Schritten bis zum Jahr 2062 modelliert. Länder, Baumarten und Waldeigentumsarten werden getrennt berücksichtigt. Der Zuwachs der vergangenen zehn Jahre wird fortgeschrieben und eine Änderung der Baumartenanteile angenommen.


Fichte klar auf dem Abwärtspfad

Die Parameter wurden von Expertinnen und Experten aus Bund und Ländern gemeinsam in einem zweijährigen Prozess festgelegt. Eingeflossen sind dabei die Erfahrungen aus der Vergangenheit und die Erwartungen an die Zukunft. Im aktuellen Basisszenario ist beispielsweise die modellierte Waldfläche konstant bei 10,7 Mio. ha geblieben. Die fortschreitenden Waldschäden nach den Trockenjahren 2018–2022 wurden ebenso integriert wie die unter anderem daraus resultierende verstärkte Anpflanzung von Laubbäumen.

Laut Modell werden die Anpassungen dazu führen, dass der Holz-Gesamtvorrat in den Waldbeständen mit rund 3,6 Mia. m3 relativ stabil bleibt. Verändern werden sich allerdings die Baumarten-Anteile und vor allem die Durchmesserstruktur. Im Szenario zeigt sich deutlich, dass der Fichtenvorrat um 15% sinken wird. Ähnlich sieht die Entwicklung bei Kiefernwäldern aus, wo der Vorrat um 20% zurückgehen wird. Buche, Eiche und andere Laubbaumarten werden immer mehr an Fläche gewinnen.


Soviel Rohholz steht zur Verfügung

Im Mittel stehen in den kommenden vier Jahrzehnten pro Jahr 80,6 Mio. Erntefestmeter Rohholz zur Verfügung. Auch wenn die potentiell verfügbare Menge an Fichtenholz weiter abnimmt, bleibt sie mit 41% an der Gesamtmenge vergleichsweise hoch – bei einem Flächenanteil von nur noch 26%. Die Holzartengruppe Buche, zu der neben der namengebenden Baumart auch Esche, Ahorn, Birke oder Erle gehören, wird künftig 31% der möglichen Holznutzungen stellen. Besonders stark nimmt die potentielle Nutzung von Eichenholz zu.

Den Forscherinnen und Forschern zufolge stammt der grössere Teil des Rohholzes (52%) aus privaten Wäldern. Besonders grosse Möglichkeiten liegen im Kleinprivatwald. Allerdings wird das Holz daraus seltener genutzt. Auch aus dem Staatswald kommt tendenziell weniger Holz in den Wirtschaftskreislauf. Der Grund hier: Im Staatswald gibt es deutlich mehr Nutzungsbeschränkungen und höhere Ansprüche an Gemeinwohl- und Schutzfunktionen.


Link WEHAM-Ergebnisse | thuenen.de