Lignum Holzwirtschaft Schweiz

CO2-Lücke von 60 Millionen Tonnen in Deutschland?

Deutschland wird seine Klimaziele bis 2045 aller Wahrscheinlichkeit nach verfehlen – zu diesem Ergebnis kommt auch der inoffizielle Entwurf des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung. Der Bundesverband der deutschen Säge- und Holzindustrie DeSH kritisiert die deutsche Klimapolitik und ihren Umgang mit Wald und Holz heftig.

Bild DeSH

 

‹Es ist absolut richtig, die Resilienz der Wälder im Klimawandel durch einen beschleunigten Waldumbau zu stärken. Unverständlich ist jedoch, dass dieser Ansatz im Klimaschutzprogramm im selben Atemzug durch Massnahmen des sogenannten 'natürlichen' Klimaschutzes konterkariert wird, die den Waldumbau einschränken, die Extensivierung alter Laubwälder vorantreiben und über Förderanreize gezielt Nichtbewirtschaftung fördern›, erklärt DeSH-Geschäftsführerin Julia Möbus.

Gerade im LULUCF-Sektor wird damit ein zentraler Widerspruch sichtbar: In allen Szenarien werden die CO2-Einsparziele verfehlt. Bis 2030 wächst die Lücke zwischen CO2-Emissionen und Einsparungen auf rund 60 Millionen Tonnen an. ‹Die gewaltige CO2-Lücke offenbart nicht nur die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, sondern ist Weckruf für eine Kurskorrektur›, sagt Möbus.


Ziele laufen in entgegengesetzte Richtungen

Durch die geplante Förderung des ‹natürlichen› Klimaschutzes werden zentrale Voraussetzungen für die Anpassungsfähigkeit der Wälder geschwächt, obwohl die vergangenen Dürre- und Schadensjahre deutlich gezeigt haben, wie anfällig überalterte und nicht aktiv bewirtschaftete Wälder sind.

Dieser grundlegende Widerspruch setzt sich entlang der gesamten Holz-Wertschöpfungskette fort. Zwar wird erkannt, dass eine deutliche Einschränkung der Holznutzung in heimischen Wäldern zu Verlagerungseffekten führt, die weder dem Klimaschutz noch der heimischen Wirtschaft dienen.

‹Gleichzeitig bleibt aber völlig unklar, wie eine Erhöhung des Kohlenstoffspeichers im Wald durch Nichtnutzung mit der ebenfalls gewünschten Stärkung der Holzverwendung in langlebigen Produkten zusammengebracht werden soll. Denn beide Zielsetzungen laufen in entgegengesetzte Richtungen und konterkarieren sich gegenseitig›, kritisiert Möbus.


‹Klimaschutz braucht Vorfahrt für Holz›

Das Klimaschutzprogramm braucht daher aus Sicht der deutschen Holzindustrie eine klare Prioritätensetzung: Wald und Holzverwendung sind keine Gegensätze, sondern müssen als integrierte Bestandteile einer wirksamen Klimaschutzstrategie verstanden werden.

Wenn Klimaschutz ernsthaft vorangebracht werden solle, brauche es eine eindeutige ‹Vorfahrt für Holz› – für aktive Waldbewirtschaftung, für den beschleunigten Waldumbau und für die verstärkte Nutzung von Holz in langlebigen Produkten. ‹Alles andere bedeutet, beim Klimaschutz einen Schritt vor und zwei zurück zu machen›, hält Möbus fest.


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