Brünig-Forum bricht eine Lanze für das Miteinander
Das Brünig-Forum 2026 hat aus Sicht der Veranstalter deutlich gemacht, dass sich die Herausforderungen der Branche nicht isoliert lösen lassen. Nachwuchsgewinnung braucht gemeinsame Sichtbarkeit, Innovation braucht geteilte Räume, und Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo Akteure ihre Stärken verbinden. Oben: Prominente Gäste zeigten den Stellenwert der Tagung. Links Bundesrat Albert Rösti bei seiner Ansprache, rechts Peter Jakob, Präsident SCL Tigers und VRP Jakob Rope Systems. Unten: Blick in die Podiumsdiskussion, an welcher auch Lignum-Direktorin Sandra Burlet teilnahm.
Bilder Lignum Holzwirtschaft Bern
Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Fachkräftesicherung. Daniel Landolt von Interface Politikstudien Forschung Beratung AG eröffnete mit einem prägnanten Realitätscheck aus der Waldpraxis: Der Fachkräftemangel ist regional unterschiedlich, aber überall spürbar – mit Ursachen, die von hohen Belastungen über tiefe Löhne bis zu mangelnden Entwicklungsperspektiven reichen. Sein Appell lautete, Weiterbildung müsse sich lohnen – und bessere Arbeitsbedingungen seien ein entscheidender Hebel, um Fachkräfte zu binden.
Michael Raaflaub ist Mitgründer von ‹Lehrberufe Live!›. Der Verein bietet Schülern, Eltern und Lehrpersonen eine barrierefreie und niederschwellige Orientierungshilfe zur Berufswahl. Er zeigte, wie stark Sichtbarkeit und digitale Suchmechanismen heute das Berufswahlverhalten prägen. Wie effektiv gemeinsame Auftritte der Branche zur Gewinnung von Berufsnachwuchs sein können, zeigte Fabienne Wey von Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz am Beispiel des starken Messeauftritts von Wald und Holz an der letzten ZEBI, der Zentralschweizer Bildungsmesse.
In den Workshops von Berner Fachhochschule und Hochschule Luzern wurde sichtbar, welch grosses Potential in engerer Zusammenarbeit liegt. Milena Daphinoff (BFH) stellte den Timber Start-up Incubator vor, der künftig auch KMU stärker einbeziehen soll. Die Teilnehmenden forderten mehr Wissenstransfer, Zugang zu Testinfrastrukturen und breitere Wertschöpfungsnetze. Pascal Wacker (HSLU) machte anhand des Circular Time Lab anschaulich, wie interdisziplinäre Kooperation bereits in der Ausbildung verankert werden kann.
Plädoyer für den Dialog rund um Holz
Das Brünig-Forum fand diesmal in der emmental versicherung arena in Langnau statt. Am Nachmittag sprach Peter Jakob, Präsident der SCL Tigers und Verwaltungsratspräsident von Jakob Rope Systems, über Unternehmenskultur, Verantwortung und Mut zu neuen Wegen. Die anschliessende Arena-Führung erwies den Stellenwert des Holzbaus im regionalen Kontext. In den anschliessenden Fachreferaten gaben Michael Rolli und Markus Gerber Einblicke, wie Holzbau heute funktioniert: als Verbindung von Region, Architektur und Zusammenarbeit.
Jolanda Brunner, Geschäftsleiterin der Lignum Holzwirtschaft Bern, schälte heraus, welchen Stellenwert der Austausch unter allen Beteiligten für den Erfolg des Bauens mit Holz hat. Die neu entstandene Plattform holzkoepfe.ch will hier ansetzen. Sie versteht sich als unabhängiger Treffpunkt für alle, die sich mit dem Bauen mit Holz beschäftigen – sei es aus planerischer, handwerklicher, unternehmerischer oder wissenschaftlicher Perspektive.
Im Zentrum steht der Dialog: Die Plattform fördert den offenen Austausch zwischen Architektinnen, Ingenieurinnen, Ausführenden, Behörden, Forschenden und Interessierten. Ziel ist es, Erkenntnisse, Erfahrungen und Meinungen sichtbar zu machen – und damit zur Weiterentwicklung des Holzbaus in der Schweiz beizutragen. holzkoepfe.ch bietet dafür den Raum – vernetzend, sachlich und inspirierend zugleich.
Politik und Wirtschaft im Gespräch
Ein Höhepunkt des Forums war der politische Austausch mit Bundesrat Albert Rösti und dem Obwaldner Regierungsrat Josef Hess. Rösti stellte dar, welche Bedeutung die Integrale Wald- und Holzstrategie 2050, kurz IWHS, für die nachhaltige Ressourcennutzung hat. Josef Hess, Vorsteher des Obwaldner Bau- und Raumentwicklungsdepartements und Präsident der Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft KWL, betonte die enorme Sorgfalt in der Strategieerarbeitung.
Die anschliessende Podiumsdiskussion fand für das Resultat indessen auch kritische Worte. Sie machte deutlich, dass die neue Strategie zwar breit angelegt ist, in der Umsetzung jedoch noch an fehlender Prioritätensetzung leidet. Die IWHS vereine zwar Biodiversität, Schutzwald und Holzproduktion, aber es fehlten Ansätze, die für eine wirksame Umsetzung der Ziele in geeigneter Rangfolge nötig wären. Regierungsrat Josef Hess bestätigte, dass eine Priorisierung politisch nicht erreichbar war.
Die Branche begrüsst die neue Strategie ausdrücklich. Aus Sicht der Industrie liegt die grösste Dringlichkeit aber klar darin, die Holzproduktion zu stärken. Da die Waldwirtschaft vielerorts defizitär sei, müsse die wirtschaftliche Nutzung im Zentrum stehen. Der Handlungsschwerpunkt ‹Zukunftsfähige Wertschöpfungskette Wald und Holz› müsse deshalb gezielt weiterentwickelt werden, etwa mit Blick auf Erschliessungen oder auf den Einsatz klimatoleranter Gastbaumarten.
Link bruenigforum.ch