Projektierung und Prognose: Subjektive Wahrnehmung einer Hourdisdecke

Ein Mehrfamilienhaus aus der Jahrhundertwende in Zürich wird zurzeit saniert. Dabei sollen auch die 20 cm starken Hourdisdecken schallschutztechnisch ertüchtigt werden. Ein erster Versuch war jedoch fehlgeschlagen. Zwar wurde damit der Einzahlwert um ca. 11 dB verbessert, subjektiv hörte man aber keinen Unterschied. Was sind die Gründe und was ist die Lösung?

Da die getroffenen Massnahmen keine Verbesserung beim Schallschutz brachte, wurde die Lignum für eine Expertise angefragt. Nach der Sichtung der Baumessungen und der Sitation vor Ort war der Fall klar: 

 

Bei leichten Deckenkonstruktionen ergeben sich oft Klagen über störende Gehgeräusche-Immissionen. Dabei handelt es sich um dröhnende Gehgeräusche im tieffrequenten Bereich, welche beim Begehen der Decke in den darunter liegenden Raum abgestrahlt werden. Beim Gehgeräusch ist es so, dass seine Hauptkomponenten zwischen 16 Hz und 100 Hz liegen, was für das Dröhnen charakteristisch ist.

 

Bei Betrachtung der Terzwerte bzw. der Kurven der durchgeführten vorher/nachher Baumessungen fällt auf, dass durch die Sanierung der Deckenkonstruktion in den tiefen Frequenzbändern eine Verschlechterung stattgefunden hat. Erst ab 400 Hz erfolgt eine Verbesserung. In den kritischen Frequenzbändern (von 50 – 100…200 Hz) liegt die Verschlechterung bei der sanierten Decke gegenüber der Rohdecke frequenzabhängig bei 7,5…3,5…1,6…1,1…5,5…3,1…1,2 dB. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass trotz einem Trittschallverbesserungsmass Lw = 11 dB subjektiv keine Verbesserung wahrnehmbar ist, bzw. sogar von einer Verschlechterung ausgegangen werden kann.

 

Die Eigenfrequenz ist die wichtigste Grösse bei der Dimensionierung des Fussbodenaufbaus. Ein Fussbodenaufbau stellt ein Tiefpassfilter dar, welcher erst bei Frequenzen oberhalb der Eigenfrequenz f0 zu dämmen beginnt. Im Be-reich der Eigenfrequenz und darunter lässt der Filter die Signale ungehindert passieren. Im ungünstigsten Fall – dieser tritt dann ein, wenn die inneren Körperschallverluste bzw. Reibung im Dämmmaterial klein sind – ist sogar mit einer Verstärkung der übertragenen Signale in der Grössenordnung von 10 bis 15 dB zu rechnen.

 

D.h. um beim Trittschall gute Resultate zu erzielen, ist es nötig, dass die Eigenfrequenz des Fussbodenaufbaus mög-lichst tief ist, also unterhalb des fürs menschliche Gehör störenden Bereichs. Das ist mit der aktuell verwendeten Konstruktion nicht der Fall.

 

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