Erste europaweite Richtlinie zur brandsicheren Verwendung von Holz in Gebäuden

Die Brennbarkeit von Holz ist einer der Hauptgründe, weshalb

viele Bauvorschriften und –normen die Verwendung von Holz

als Baumaterial in hohem Masse einschränken. Brandschutz ist

eine wichtige Komponente eines angenehmen Wohngefühls

und ein massgebliches Kriterium für die Wahl der Baumaterialien.

Die entscheidende Voraussetzung für den vermehrten

Einsatz von Holz beim Hausbau ist ein ausreichender Brandschutz. Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt 'FireIn Timber' werden zusammen mit einer Kurzfassung zu den Inhalten der 12 Kapitel der neuen Richtlinie im folgenden beschrieben.

Im Verlauf der letzten zwanzig Jahre wurden überall auf der Welt verschiedene Forschungsprojekte zum Brandverhalten und zum Brandschutz von Holzbauten realisiert, um grundlegende Daten und Informationen zur sicheren Verwendung von Holz als Baumaterial zu gewinnen. Auf der Grundlage umfassender Testreihen wurden neuartige Bemessungskonzepte und –modelle für den Brandfall entwickelt. Die heute vorliegenden Erkenntnisse im Bereich der Bemessung für den Brandfall von Holzbauten ermöglichen in Kombination mit technischen Massnahmen, insbesondere Sprinkler- und Rauchmeldeanlagen und optimal ausgerüsteten Feuerwehren, die unbedenkliche Verwendung von Holz für verschiedenste Anwendungszwecke. Infolge dessen haben viele Länder mit der Überarbeitung ihrer Brandschutzvorschriften begonnen, wodurch der verstärkte Einsatz von Holz möglich wird.

 

Vor kurzem sind die Brandprüfungen- und –klassifizierungsverfahren in Europa harmonisiert worden, aber die regulatorischen Vorgaben für Gebäudetypen und Endnutzer fallen weiterhin in die Zuständigkeit der einzelnen Staaten. Obgleich es diese europäischen Normen auf technischer Ebene gibt, wird der Brandschutz durch die nationale Gesetzgebung geregelt und ist daher eine Angelegenheit auf politischer Ebene. Deshalb bleiben die nationalen Brandschutzvorschriften bestehen, die europäische Harmonisierung der Normen wird jedoch hoffentlich auch die Reform der Vorschriften beschleunigen.

 

Zwischen den europäischen Ländern wurden sowohl bei der für Holzbauten zulässigen Anzahl der Geschosse als auch bei den Arten und/oder der Grösse der inneren und äußeren Sichtholzfl ächen erhebliche Unterschiede festgestellt. In einigen Ländern gibt es keine speziellen Regelungen oder keine Grenzen für die Geschosszahl in Holzhäusern. Allerdings werden bei Holzbauten oft acht Geschosse als praktische und wirtschaftliche Obergrenze angesehen. Diese Obergrenze kann für Fassaden, Auskleidungen oder Fußbodenbeläge höher sein, da diese Nutzungen beispielsweise auch bei Betonbauten zum Einsatz kommen können.

 

 

 

Das FireInTimber-Projekt

 

Das WoodWisdom-Net-Forschungsprojekt FireInTimber wurde im Zeitraum 2007 - 2010 in enger Zusammenarbeit mit 14 Partnern in neun Ländern realisiert.

 

Das Kernziel des Projekts war die Erarbeitung neuer Möglichkeiten für Holzprodukte im Bauwesen durch eine ordnungsgemässe brandtechnische Bemessung. Die Verwendung von Holzprodukten muss durch umfassende und wissenschaftlich belastbare Hintergrunddaten, die in benutzerfreundlichen und adaptierten technischen Hilfsmitteln für Ingenieure und andere Stakeholder präsentiert werden, unterstützt und angeregt werden. Das Programm und seine Ergebnisse sollen zu einfacheren und schnelleren Genehmigungsprozessen für Holz in Gebäuden führen. Auf diese Weise gewinnen Holzprodukte bei der breiten Öffentlichkeit Vertrauen und ein positives Image.

 

Es soll erreicht werden, dass der verstärkte Einsatz von Holz in Gebäuden mit einer höheren Brandsicherheit einhergeht. Durch die Entwicklung von Kernkompetenzen und eines multidisziplinären Forschungsansatzes wurde im Rahmen dieses Projekts eine Wissensbasis geschaffen. Der Transfer neuer Erkenntnisse wird durch eine Vernetzung zwischen Forschung und Industrie beschleunigt.

 

 

 

Die wichtigsten Ergebnisse

 

Das FireInTimber-Projekt hat zu neuen Erkenntnissen geführt – insbesondere für die Modellierung der statischen Belastbarkeit neuer Arten von Holzbauten. Das Projekt hat etwa fünfzig wissenschaftliche Aufsätze, Berichte und Präsentationen auf Wissenschafts- und Fachkonferenzen hervorgebracht. Das wichtigste Ergebnis für ein breiteres Publikum ist die technische Richtlinie Fire Safety in timber buildings. Es ist die allererste europaweite Richtlinie zur brandsicheren Verwendung von Holz in Gebäuden.

 

Der Bemessungsleitfaden enthält Informationen für Architekten, Ingenieure, Lehrkräfte, Behörden und Baugewerke zur feuersicheren Verwendung von Holztragwerken und Holzprodukten in Gebäuden. Dieser Bemessungsleitfaden verkörpert den höchsten wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Brandschutz auf europäischer Ebene. Er erstreckt sich auf die Anwendung von Bemessungsvorschriften (wie zum Beispiel Eurocode 5), europäische Normen, eine praktische Anleitung und Beispiele für die Brandbemessung sowie Grundsätze einer anforderungsgerechten Bemessung.

 

Der Bemessungsleitfaden konzentriert sich auf die Bemessung im Brandfall und vermittelt eine detaillierte, auf aktuellen Erkenntnissen fussende Anleitung zu Tragverhalten und Raumabschloss von Holzkonstruktionen unter Feuereinwirkung. Es werden neue Bemessungsweisen vorgestellt; diese dienen als Ausgangsbasis für die nächste Revision des Eurocode 5, können aber auch schon jetzt von Statikern verwendet werden. Die Richtlinie enthält Informationen zum Brandverhalten von Holzprodukten gemäss den neuen europäischen Normen. Die Bedeutung einer ordnungsgemässen Detailgestaltung bei der Bauwerksbemessung und der Ausführung und Kontrolle auf Baustellen wird durch praktische Lösungen hervorgehoben. Aktive Brandschutzmassnahmen werden als wichtige Mittel zur Erreichung der Brandschutzziele vorgestellt.

 

 

Kurze Übersicht der Kapitel der Richtlinie

 

Kapitel 1; Holzhäuser, enthält eine kurze Einführung in die verschiedenen Arten von Holzhäusern und die Wiederentdeckung von Holzbauten in den vergangenen Jahren im Zuge des Bemühens um nachhaltigere bauliche Lösungen.

 

Kapitel 2; Brandsicherheit in Gebäuden, gibt einen Überblick zu den Grundkonzepten der Brandsicherheit in Gebäuden. Es enthält Informationen zum Brandverhalten, zu den Brandlasten, den Brandszenarios und den Brandschutzzielen. Es werden Mittel zum Erreichen der Brandschutzziele zur Anwendung in allen Gebäuden und als eine Grundlage für die gestalterischen Lösungen in diesen Richtlinien beschrieben.

 

Kapitel 3; Europäische Anforderungen, gibt einen Überblick über die neuen europäischen Anforderungen für Brandsicherheit in Gebäuden auf der Grundlage der Bauproduktverordnung (CPD) und ihren wichtigsten Vorgaben. Diese Anforderungen sind für alle europäischen Länder verbindlich. Sie umfassen die Klassifizierungssysteme für das Brandverhalten von Bauprodukten, den Feuerwiderstand von tragenden Elementen, die Flugfeuerbeständigkeit von Dächern und das Brandverhalten von Verkleidungen. Beschreibungen zur Anwendung dieser Anforderungen auf Holzprodukte und Holzbauten finden sich in den folgenden Kapiteln.

 

Kapitel 4; Bekleidungen, Fussböden, und Fassaden aus Holz, beschreibt das Brandverhalten von Holz und Holzwerkstoffen gemäss dem neuen europäischen Klassifizierungssystem. Zu dem breiten Produktsortiment gehören Holzwerkstoffe, Konstruktionsholz, Brettschutzes (Glulam), Holzverkleidungen und Holzfussböden. Es wird ein neues System für die Dauerhaftigkeit des Brandverhaltens von Holzprodukten vorgestellt, das vor kurzem veröffentlichte K-Klasse-System für Brandschutzbekleidungen wird in diesem Kapitel erklärt. Neben dem Brandverhalten haben einige Länder noch weitere Anforderungen für Fassadenverkleidungen, für die es derzeit keine europäischen harmonisierten Lösungen gibt. Es werden Informationen zur bewährten Praxis und zum Stand der Technik für Fassadenbrandszenarios vermittelt.

 

Kapitel 5; Raumabschlissende Bauteile, beschreibt die grundlegenden Anforderungen, die Berechnungsweisen auf der Grundlage der additiven Komponentenbemessung und das Bemessungsverfahren nach Eurocode 5. Es stellt ausserdem ein verbessertes Bemessungsverfahren vor, das im Zuge der jüngsten Forschungsarbeit entstanden ist und in künftige Revisionen des Eurocode 5 einfliessen könnte. Das Kapitel enthält auch praktische Beispiele zur Verwendung dieses Verfahrens.

 

Kapitel 6; Holztragwerke, beschreibt die Bemessungsverfahren zum Verifizieren der statischen Tragfähigkeit von Holzbauten im Brandfall unter Anwendung der Klassifi zierung für das R-Kriterium für (Tragfähigkeit), Abbrandraten sowie Festigkeits- und Steifigkeitsparameter werden anhand von Eurocode 5 beschrieben. Es werden alternative Bemessungsmodelle sowie neue Bemessungsverfahren für Holzbauten vorgestellt, die derzeit außerhalb des Geltungsbereichs des Eurocode 5 liegen.

 

Kapitel 7; Holzverbindungen, gibt einen Überblick über die grundlegenden Anforderungen an Holzverbindungen. Die Berechnungsverfahren in Eurocode 5 werden um Bemessungsverfahren des Standes der Technik ergänzt, die das Ergebnis jüngster Forschungen darstellen. Es sind sowohl Holz-Holz als auch Stahl-Holz-Verbindungen enthalten. Es werden die Modelle beschrieben und Praxisbeispiele vorgestellt.

 

Kapitel 8; Brandsperren, Installationsführungen und Detailgestaltung in Holzbauten, befasst sich mit der Notwendigkeit einer präzisen Detailgestaltung von Konstruktionen zum Verhindern einer Flammenausbreitung innerhalb des Gebäudes zu anderen Brandabschnitten. Besondere Beachtung finden die Grundprinzipien, die Brandsperren, die Elementverbindungen und die Installationsführung. Es werden verschiedene praktische Beispiele der Detailgestaltung in Holzbauten gegeben.

 

Kapitel 9; Neuartige Produkte und ihre Implementierung, richtet sich in erster Linie an Produktentwickler und beschreibt Richtlinien für die Einführung neuartiger Bauprodukte. Es sind die grundlegenden Leistungsanforderungen und möglichen Lösungen für Dämmmaterialien, Verkleidungen und Plattenmaterialien, dünne Brandsperren und flammhemmende Holzprodukte enthalten. Ausserdem wird der Innovationsprozess von der Idee über das genehmigte Produkt bis zur Marktfähigkeit beschrieben.

 

Kapitel 10; Aktiver Brandschutz, beschreibt, wie ein solcher Schutz zur Erreichung einer flexibleren Brandschutzbemessung von Gebäuden und eines akzeptablen Grades an Brandsicherheit in grossen und/oder komplexen Gebäuden verwendet wird. Das Kapitel stellt übliche aktive Brandschutzsysteme, einschliesslich Branddetektions- und -meldesystemen, Feuerunterdrückungs- und Rauchkontrollsysteme vor. Eine Sprinkleranlage ist für den verstärkten Einsatz von Holz in Gebäuden besonders nützlich – besonders dort, wo Holzoberflächen sichtbar bleiben sollen.

 

Kapitel 11; Anforderungsabhängige Bemessung, beschreibt die Grundprinzipien der anforderungsabhängigen Bemessung, Anforderungen und Verifizierung. Die Prinzipien der Brandrisikoeinschätzung werden anhand von Zielsetzungen, brandschutztechnischer Bemessung, Bemessungsbränden, Berechnungs- und Simulationsverfahren und Statistik beschrieben. Eine Fallstudie eines probabilistischen Ansatzes ist ebenfalls enthalten.

 

Kapitel 12; Bauhandwerkliche Qualität und Inspektion, beschreibt die Notwendigkeit einer Ausführung und Kontrolle der bauhandwerklichen Verarbeitung, die gewährleistet, dass die geplanten Brandschutzvorkehrungen darin enthalten sind. Es wird außerdem die Notwendigkeit des Brandschutzes auf Baustellen hervorgehoben, wenn noch nicht alle Brandschutzmassnahmen implementiert sind.

 

 

 

Bestellen

 

Die European fire guideline kann unter folgendem Link bestellt werden:

www.sp.se/en/publications/Sidor/Publikationer.aspx

Preis: EUR 50

Sprache: Englisch