WaldSchweiz tagt in der Bündner Herrschaft

Der Verband WaldSchweiz, die nationale Dachorganisation der Waldeigentümer, hielt am 28. Juni in St. Luzisteig die jährliche Delegiertenversammlung ab. Die Zusammenhänge von Wald und Klima gaben unter den 120 Teilnehmern in mehrfacher Hinsicht zu reden.

Blick ins Plenum in St. Luzisteig.
Bild Alain Douard, Solothurn
 
 

Zurzeit wird vor allem die unmittelbare Wirkung des Waldes auf die Umgebung geschätzt: Das Blätterdach spendet Schatten, und die Bäume kühlen die Luft – ein jeder verdunstet an manchen Tagen mehrere hundert Liter Wasser. Gleichzeitig entziehen in der Schweiz rund 500 Millionen Bäume der Luft tonnenweise Treibhausgase.

 

Im Holz bleibt das Kohlendioxid langfristig gebunden; wird das Holz genutzt, reduziert dies auch die Neufreisetzung von CO2 aus fossilen Quellen. Auf diese Klimaleistungen des Waldes sind die Eigentümer stolz. Und sie sind bestrebt, die positiven Effekte durch eine gezielte Bewirtschaftung noch zu optimieren.

 

Vielerorts Ausnahmesituation im Wald

 

In letzter Zeit setzt der Klimawandel dem Wald aber massiv zu und bereitet der Forstwirtschaft erhebliche Schwierigkeiten. Infolge der Winterstürme und der Sommerhitze sind im vergangenen Jahr Hunderttausende Bäume abgestorben. Zurzeit sind die Sägereien mit Holz überversorgt, und in den nächsten Wochen dürften infolge des Borkenkäfers und weiterer Trockenheitsschäden zusätzlich grosse Mengen Schadholz anfallen, wie an der Delegiertenversammlung zu erfahren war.

 

Die Forstleute haben alle Hände voll zu tun. ‹In vielen Wäldern herrscht der Ausnahmezustand. Wir sind daher auf das Verständnis der Bevölkerung angewiesen, wenn vorübergehend Wege gesperrt werden müssen oder dürre Bäume länger stehen bleiben›, sagte der Appenzeller Ständerat Daniel Fässler, der den Waldeigentümerverband präsidiert. Bei der Bewältigung der schwierigen Lage erwarte man von Bund und Kantonen rasch konkrete Hilfe, sei es durch flexible Bewilligungsverfahren oder in Form von finanzieller Unterstützung dringender Forstschutz- und Pflegemassnahmen.

 

Weichen bei der Finanzierung neu gestellt

 

Als wichtiges Geschäft wurde an der Jahresversammlung eine Reform der Mitgliederbeiträge beschlossen. Der Dachverband, seine Kantonalverbände und etliche Gemeinschaftswerke und -projekte werden über eine fixe Abgabe auf dem geernteten Holz finanziert.

 

Bisher wurde diese lediglich auf das Sägerundholz erhoben, zu einem Franken pro Kubikmeter. Neu gilt ein tieferer Abgabesatz von fünfzig Rappen auf alle geernteten Holzsortimente, inklusive Energie- und Industrieholz. Der Verband hofft, so die Einnahmen stabilisieren zu können, da immer weniger Sägerundholz, dafür mehr Energieholz geerntet wird.

 

Weiter wurde über die Bestrebungen diskutiert, für die Branche einen gesamtschweizerischen Gesamtarbeitsvertag Forst zu schaffen. Mit einer Statutenanpassung schufen die Delegierten die Voraussetzung, damit sich WaldSchweiz an allfälligen Verhandlungen als ‹tariffähiger› Arbeitgeberverbandbeteiligen kann. Ob das Projekt zustande kommt, ist zurzeit noch offen.

 


Link www.waldschweiz.ch