Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Sommerserie Schweizer Holz – Die Eiche

Jahrhundertelang waren Eichenwälder in der Schweiz eine wichtige Lebensgrundlage. Die Eicheln ernährten Schweine, Schafe und Ziegen, der Stamm lieferte dauerhaftes Bauholz. Doch die einst prägende Eichen-Kulturlandschaft ist längst verschwunden. Heute ist Eiche vor allem noch eines: die am häufigsten nachgefragte Holzart für Parkett. Mit diesem Porträt schliesst die Lignum-Sommerserie ‹Schweizer Holz›.

Stieleiche
Bild Marketing Schweizer Holz
Verbreitung der Stieleiche im Schweizer Wald

 

Die Eichen gehören zur Gattung der Buchengewächse. Es gibt weltweit etwa 600 verschiedene Eichenarten und -sorten, die alle ein gemeinsames, typisches Merkmal zeigen: die Fruchtform der Eichel. Eichenexperten gehen davon aus, dass knapp 50% der weltweit festgestellten Eichenarten ihre Blätter im Herbst nicht abwerfen, also zu den immergrünen Bäumen gehören.

Die für Europa wirtschaftlich wichtigsten Eichenarten sind die Stiel- oder Sommereiche sowie die Trauben- oder Wintereiche. Beide Eichenarten sind in Mitteleuropa weit verbreitet, allerdings bevorzugen sie unterschiedliche Standorte. Die Stieleiche ist ein typischer Baum der grossen Auengebiete bzw. Flussniederungen mitteleuropäischer Flüsse wie Rhein, Donau oder Save. In Gebirgslagen geht die Stieleiche nicht so hoch wie die Traubeneiche.

Das Verbreitungsgebiet der Traubeneiche ist wesentlich kleiner als das der Stieleiche. Ihre heimatlichen Gefilde sind in West- und Mitteleuropa sowie in Südeuropa und im Kaukasus zu suchen. Dagegen gibt es in Osteuropa praktisch keine Traubeneichen, und sie geht auch nicht so weit nach Norden wie die Stieleiche. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind die tieferen Bergländer. Ferner gedeiht sie gut im westlichen Mittelwaldgebiet (Mittelfrankreich) sowie in den tieferen Lagen Südosteuropas (Wienerwald, Rumänien). Die Traubeneiche ist in der Schweiz stärker verbreitet als die Stieleiche und hat wie diese ihre Hauptverbreitung im Mittelland, aber auch im Jura und im Tessin.


Holzeigenschaften und Verwendung

Das Kernholz der Eichen ist ausserordentlich witterungsbeständig, unter Wasser ist es sogar praktisch unbegrenzt haltbar. Das Splintholz ist jedoch nicht witterungsfest, vor allem ist es sehr pilzanfällig. Bei der Verwendung von Eichenholz wird grundsätzlich zwischen milden und harten Qualitäten unterschieden. Entscheidend ist hier die Jahrringbreite. Man hat festgestellt, dass bei den ringporigen Laubbaumarten mit zunehmender Jahrringbreite der Spätholzanteil zunimmt und damit auch der Anteil an dichten und dickwandigen Faserzellen. Dies führt zu höheren Festigkeitswerten des Holzes. Was ist unter einer milden Holzqualität zu verstehen? Es ist ein feines oder feinjähriges, langsam gewachsenes Eichenholz, das sich durch eine helle Farbe und einen relativ engringigen sowie gleichmässigen Jahrringaufbau auszeichnet.

Langjährige Erfahrungen zeigen, dass die Traubeneiche in der Regel ein milderes Holz als die Stieleiche liefert, allerdings können sich die genannten Qualitätsunterschiede je nach Standort wieder ausgleichen. Die härteren Qualitäten werden in Bereichen eingesetzt, wo es auf hohe Festigkeiten und Dauerhaftigkeit ankommt. Das begehrte milde Eichenholz findet hauptsächlich als Ausstattungsholz im Möbel- und Innenausbau Verwendung, und zwar vorzugsweise in Form von Messerfurnieren. Das feinjährige oder milde Holz der Traubeneiche lässt sich ausserordentlich vielseitig im Innenausbau und vor allem für Möbel verwenden.


* Dr. rer. nat. (forest.) Rudolf Beyse, Celle

 

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