Ernst Gamperl – Dialog mit dem Holz

Der international bekannte deutsche Künstler und Drechsler Ernst Gamperl arbeitet mit Holz von uralten Bäumen. Im Gewerbemuseum Winterthur zeigt er erstmals ein einzigartiges Ensemble aus Gefässen und Objekten, die alle aus dem Holz einer mehrere hundert Jahre alten, gigantisch grossen Eiche entstanden sind, welche einem Sturm zum Opfer gefallen ist.

Oben: Ernst Gamperl beim ersten Anschnitt der 230 Jahre alten entwurzelten Eiche in Rott am Inn, 2010. Unten: Ernst Gamperl, Lebensbaum III.
Bilder © Ernst Gamperl – Fotos Niklas Goslar (oben) | Bernhard Spoettel (unten)

 

 

Holz ist die grosse Leidenschaft von Ernst Gamperl (*1965). Mit einer faszinierenden Methode gestaltet der Künstler aus frischem Holz Skulpturen, bei denen er auf raffinierte Weise den natürlichen Trocknungsprozess in die Formgebung der Stücke einbezieht. Technisch oft an der Grenze des Machbaren, schafft Gamperl raumfüllende Holzskulpturen in einer einmaligen gestalterischen Qualität. Dabei hat er die Technik des Drechselns revolutioniert und völlig neue Massstäbe in diesem Handwerk eingeführt.

 

Nach weltweit vielbeachteten Ausstellungen, die in den letzten Jahren vor allem in Japan und Korea auf grosse Resonanz stiessen, zeigt nun das Gewerbemuseum Winterthur erstmals Ernst Gamperls ‹Lebensbaum›-Projekt: In einem zehn Jahre währenden Arbeitsprozess verwandelte Gamperl eine riesige, ungefähr 230 Jahre alte, von einem Orkan entwurzelte Eiche in ein einzigartiges Ensemble aus vielfältig geformten Gefässen und Objekten. Ausserdem geben in der Ausstellung Fotografien, Arbeitsfragmente und ein Dokumentarfilm Einblick in seine faszinierende Arbeitsweise.

 

Wiedergeburt eines Baumgiganten

 

2008 wurde die Eiche in der Gegend von Rott am Inn (Bayern) von einem Orkan gestürzt und entwurzelt. Im Frühjahr 2010 – nachdem Ernst Gamperl sie gekauft hatte – wurde sie dann erstmals angeschnitten und im Laufe des Jahres in mehreren Schritten abtransportiert. ‹Es handelt sich um den bisher grössten Baum, der jemals seinen Weg zu mir gefunden hat, ein Ereignis, das einem sicher nur einmal im Leben widerfährt›, sagt Gamperl.

 

Aufgrund ihrer gigantischen Grösse musste die Eiche mit Schwerlastkränen geborgen werden. Allein der Erdstamm mit seinen drei Metern Länge wog zehn Tonnen, der zweite, ebenso lange Abschnitt ungefähr 12–14 Tonnen, der maximale Durchmesser lag bei 2,70 m. ‹Um in diesen neuen Dimensionen arbeiten zu können, habe ich während zweier Jahre meine Werkstatt vollständig verändert, erweitert und umgebaut, und unter grossem Aufwand neue Drehmaschinen konstruiert›, erklärt Gamperl.

 


Ernst Gamperl – Dialog mit dem Holz
26. Mai bis 3. November 2019
Gewerbemuseum Winterthur

 

Links www.gewerbemuseum.ch | www.ernst-gamperl.de