Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Erhaltungsobstgärten für Schweizer Kastanienvielfalt

Die Schweizer Kastanienwälder beherbergen eine in Europa einzigartige genetische Vielfalt. Viele Kastanienwälder bestehen aus veredelten Bäumen, die mit sehr alten Sorten kombiniert wurden. Die Individuen mit der grössten genetischen Vielfalt werden nun mit einem Erhaltungsprogramm geschützt.

Oben: Kastanienselve in Lostallo. Unten: Erhaltungsobstgarten in S. Antonino.
Bilder Patrik Krebs (oben) | Marco Conedera (unten)
 

In der Schweiz bedecken Rein- und Mischkastanienwälder eine Fläche von rund 24000 ha – das entspricht der Fläche des Kantons Zug.  Aus historischen und klimatischen Gründen liegen die meisten der noch existierenden Kastanienhaine südlich der Alpen. In den nördlichen Landesteilen gingen der Kastanienanbau und das damit verbundene Wissen mit der Klimaabkühlung während der sogenannten Kleinen Eiszeit nach dem Mittelalter stark zurück.

In den letzten dreissig Jahren wurden viele Anstrengungen unternommen, um das Erbe der verbliebenen Kastanienbaumsorten wieder aufzubauen, und so auch im Rahmen des ‹Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft›.

Mehr als 10000 alte Kastanienbäume mit offensichtlichen Veredelungsspuren sind im ganzen Land identifiziert worden. Bei der Pflanzenveredelung werden Zweige anderer Sorten mit dem Stamm eines Baumes gepropft, um möglichst rasch neue Eigenschaften zu erhalten.


Genetische Vielfalt in Plantagen bergen

In der letzten Phase dieses Projekts hat ein Forschungskonsortium 962 Kastanienbäumen genetisch charakterisiert, um die Individuen mit der grössten genetischen Vielfalt zu identifizieren. Diese sollen mit einem Erhaltungsprogramm geschützt werden.

Die Analyse förderte nicht nur eine grosse genetische Vielfalt bei den in den Kastanienhainen der Schweiz noch vorhandenen alten Sorten zu Tage, sondern auch einzigartige genetische Merkmale, die im übrigen Europa nicht vorkommen.

Auf der Grundlage der gesammelten Daten wird es nun möglich sein, dieses Material zu vervielfältigen, indem junge Kastanienbäume veredelt werden. Sie werden dann in speziellen Erhaltungsplantagen gepflanzt, um das Überleben der kostbaren Erbinformation zu sichern. Im Tessin wurden bereits in S. Antonino, Cademario und Biasca Erhaltungsobstgärten angelegt.


Link www.wsl.ch