Der Wald steht vor einem schwierigen Sommer

Der Klimawandel verändert das Erscheinungsbild der hiesigen Wälder rasanter als erwartet und bringt die Waldeigentümer in Bedrängnis. Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer sorgten vergangenes Jahr für eine Holzschwemme im Schweizer Wald. In den nächsten Wochen droht sich die Situation weiter zu verschärfen.

Der Wald hat unter dem Trockensommer 2018 zum Teil sichtlich gelitten.
Bild WaldSchweiz

 

 

WaldSchweiz orientierte heute morgen im Wald bei Solothurn über die aktuelle Lage. Mehr als eine halbe Million Bäume sind vergangenes Jahr schätzungsweise abgestorben oder mussten zwangsweise gefällt werden. Nachdem sich die Borkenkäfer im vergangenen Jahr über mehrere Generationen vermehren konnten, rechnen die Spezialisten diesen Sommer mit einer Invasion der Schädlinge. Nicht nur die Schweiz, sondern auch verschiedene andere Länder Mitteleuropas sind von dieser Situation betroffen.

 

Schadholzschwemme drückt die Preise

 

Durch die europaweite Schadholzschwemme, die allein 2018 etwa das Dreissigfache einer jährlichen Schweizer Gesamtnutzung betrug, fallen die Holzerlöse regelrecht in den Keller. ‹Dadurch fehlen den Forstbetrieben noch mehr finanzielle Mittel, um unsere Wälder sorgfältig an die grossen Veränderungen anzupassen›, sagt Markus Brunner, Direktor von WaldSchweiz.

 

Für den Verband der Waldeigentümer ist zentral, dass jetzt alle Akteure der Schweizer Wald- und Holzbranche zusammenstehen und die Herausforderungen gemeinsam und koordiniert angehen. Seitens der Holzwirtschaft braucht es aus Sicht der Waldeigentümer neue Lager- und Verarbeitungskonzepte, die der anfallenden Holzmenge gerecht werden und eine angemessene Wertschöpfung im Wald und bei der inländischen Holzverarbeitung erlauben. Die Konsumentinnen und Konsumenten schliesslich tun Gutes für den Wald, indem sie Schweizer Holz nachfragen.

 

Hoffnung auf Koordination und Solidarität

 

Der erste Appell des Waldeigentümer-Direktors geht an die eigenen Mitglieder: Brunner erwartet von den Waldbesitzern, dass sie sich untereinander solidarisch zeigen, ihre waldbaulichen Tätigkeiten den ausserordentlichen Umständen anpassen und soweit möglich aufeinander abstimmen. Konkret ist in Gebieten, die von Stürmen, Käfern oder Trockenheit verschont blieben, eine Reduktion der Holzernte geboten, damit der Markt nicht mit Holz überschwemmt wird.

 

Von Bund und Kantonen erhofft sich WaldSchweiz die tatkräftige und kurzfristige Mithilfe bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für die Forstwirtschaft. Denn der Holzmarkt, die Witterung und erst recht die Borkenkäfer kümmern sich nicht um Kantonshoheiten oder Landesgrenzen. Die Waldeigentümer fordern deshalb, dass alle Forstschutzmassnahmen und Aktionen, die den Holzmarkt betreffen, unter den Kantonen abgesprochen werden, basierend auf einer koordinierten Erfassung und Analyse der Schadholzsituation.

 


Link www.waldschweiz.ch