Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Anpassungs- und zukunftsfähige Holzbauten am Holzbautag

Adaptiver, hybrider und zukunftsweisender Holzbau lockte rund 270 Teilnehmende an den Holzbautag im Bieler Kongresshaus. Die Berner Fachhochschule brachte wie jedes Jahr Architektur, Planung und Holzbau zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung zusammen. Partner der Veranstaltung waren neben Cedotec und dem VGQ auch die Lignum, die auch dieses Jahr vor Ort präsent war.

Die BFH-Professoren Cornelius Oesterlee und Stanislas Zimmermann führten wie gewohnt durch den Holzbautag. (Bildquelle: Matthias Käser / BFH-AHB)

 

Gleich zu Beginn ging es in die Höhe. Christoph Stahel (Pool Architektur) und Eric Mühlemann (Schäfer Holzbautechnik AG) stellten ein Holzbau-Highlight aus dem letzten Jahr, das temporäre Hotel «Momentum» auf der Lauchernalp, vor. Das Hotel entstand auf Initiative mehrerer Hoteliers aus Blatten, nachdem das Bergdorf Ende Mai 2025 durch einen Bergsturz verschüttet worden war. Es dauerte 21 Wochen vom Erstkontakt bis zur Eröffnung des Hotels kurz vor Weihnachten desselben Jahres. In rekordverdächtigem Tempo wurden 338 Quadratmeter Holz verbaut, rund 80 % davon sei Schweizer Holz gewesen. Es folgte der Vortrag zur Klinik Arlesheim H4H, die durch organisch-funktionale Architektur und einen aussergewöhnlichen Lichthof auffiel.

Das Wohnhaus Wächselacher in Stans, das bildgebend war für den diesjährigen Holzbautag, ordnet vier Wohnungen auf vier Etagen symmetrisch um den Erschliessungskern in der Mitte an. Umlaufende Holzbalkone und das weit auskragende Dach verleihen dem Bau ein luftiges Aussehen und schützen die sägerohe Holzfassade vor Verwitterung. Das Holz stamme zu 100 Prozent aus den Wäldern des Kantons, betonte Linhart. Zum Abschluss des ersten Blocks stand das Kultur- und Gemeinschaftshaus «Plaines-du-Loup» aus Lausanne im Fokus. Das Gebäude besticht durch Innenwände aus Stampflehm, Aussenwände aus Holzrahmen mit Hanflehmfüllung und eine Fassade, die aus gestampftem Hanfkalk erstellt wurde.

 

Bildungsbauten in Holzbauweise

Im zweiten Vortragsblock drehte sich alles um Bildungsbauten in Holzbauweise. Die Vorträge reihten sich dem möglichen Bildungsabschluss gerecht hierarchisch aneinander an. Es begann die Volksschule Weissenbühl in Bern. «Die Gebäudestruktur des dreiteiligen Baukörpers beruht auf einem Achsmass-Grundraster von 3,54 Metern und bietet eine hohe Flexibilität für Klassenzimmer, Fachräume und Lernlandschaften», sagte Leander Walther (GWJ Architektur AG). Das Gebäude wird sechsgeschossig, wobei mögliche Aufstockungen bereits mitgedacht wurden. Die drei Geschosse ab EG werden in Holz errichtet, die weiteren drei im UG aus Beton.
 

Auch dieses Jahr war die Lignum Holzwirtschaft Schweiz mit einem Stand an der Fachausstellung präsent. (Bildquelle: Matthias Käser / BFH-AHB)

 

In der Kantonsschule in Wattwil wurden 3623 Kubikmeter Holz verbaut, von dem ein Grossteil aus der Region Toggenburg stamme, wie Christoph Zingg (Blumer-Lehmann AG) ausführte. Die Holzelemente wurden von vier unterschiedlichen Holzbauunternehmen aus der Region produziert, was sich auch in der Baustellenlogistik widerspiegelte. «Die Baustelle war ausserdem sehr eng. Gerade mit der Vorfertigung funktioniert die Montage nur, wenn das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt ankommt», fügte Zingg an.

Als Letztes stellte Wolfram Kübler (Walt Galmarini AG) die derzeitige Grossbaustelle des neuen BFH-Campus Biel vor, auf der am selben Tag das Richtfest stattfand. Allein schon zahlenmässig hob sich der Campus Biel von den anderen Präsentationen ab: Baukosten von rund 340 Mio. Franken, 65 000 Quadratmeter Geschossfläche, rund 80 Unterrichts- und Seminarräume für 2350 Studierende und Personal sowie 140 Laborräume und Werkstätten, ein Restaurant, ein Werkhof und eine Tankstelle. Geplanter Bezugstermin ist 2028.

Sandra Burlet, Direktorin der Lignum Holzwirtschaft Schweiz, hielt auch dieses Jahr ein Grusswort. (Bildquelle: Matthias Käser / BFH-AHB)

 

Austausch mit Skandinavien

In der Mittagspause trafen sich die Teilnehmenden in der Fachausstellung, an der sich 41 Aussteller beteiligten. Danach begrüsste die Lignum-Direktorin Sandra Burlet die Teilnehmenden des Holzbautags zurück im Konzertsaal des Kongresshauses und fasste den Vormittag zusammen: «Heute Morgen hat man sehr schön gesehen, dass der Holzbau in puncto Anpassungsfähigkeit an verschiedene, sich wechselnde Bedürfnisse der konventionellen Bauweise in nichts nachsteht. Im Gegenteil.» Danach verteilte sich das Publikum auf zwei parallele Blöcke, die sich zum einen auf Aufstockungen, Anbauten und Einbauten und zum anderen dem Neuen aus der Holzbauforschung widmeten.

Den Schluss der Fachtagung markierte der Besuch aus Schweden. Daniel Fagerberg (Strombro Building Workshop) und Flavio Nebiolo (Dquadro srl) stellten das Holzbauprojekt ETC Hyllie in Malmö vor. Ein zwölfstöckiges Wohnhaus, das komplett aus biobasierten Materialien gebaut wurde. Das Tragwerk besteht aus Massivholz, die Wärmedämmung auf rund 1500 Quadratmetern Fassadenfläche wird mit Stroh gelöst. Zuletzt sprach die Architektin Maria Oversten (White Arkitekter) über das Sara Cultural Centre in Skellefteå und die Stockholm Wood City.

Rund 41 Aussteller beteiligten sich an der Fachausstellung in Foyer des Bieler Kongresshauses. (Bildquelle: Matthias Käser / BFH-AHB)