Schweizer Bau gewinnt internationalen Holzarchitektur-Preis

Das Mehrzweckgebäude der Gemeinde Le Vaud bei Nyon hat am diesjährigen ‹Forum Bois Construction› im französischen Nancy den Internationalen Holzarchitektur-Preis der Fachpresse davongetragen. Vergeben wird die Auszeichnung von sechs Publikationen der Holz-Fachpresse aus Europa und Übersee – darunter das ‹Holzbulletin› der Lignum.

Gewinner des Internationalen Holzarchitektur-Preises der Fachpresse 2019: Mehrzwecksaal in Le Vaud VD, 2018. Bauherrschaft: Gemeinde Le Vaud; Architektur: Localarchitecture Sàrl, Lausanne; Holzbauingenieur: Ratio bois Sàrl, Ecublens; Holzbau: Amédée Berrut SA, Collombey.
Bilder Corinne Cuendet, Clarens

 

 

Letztes Mal, bei der erstmaligen Durchführung des Wettbewerbs, galt der Preis der Fachpresse einem kanadischen Projekt, das zeigte, wozu das hohe Bauen mit Holz heute fähig ist: dem ‹Tallwood House› in Vancouver (Architektur: Acton Ostry; Lignum Journal online vom 7.5.2018). Nunmehr ist klar, wer der Gewinner 2019 ist: Es ist das Lausanner Büro Localarchitecture mit seinem Mehrzwecksaal in Le Vaud, ein höchst eigenwillig auftretendes Gebäude aus regionalem Holz.

 

Der Bau hat sich im Wettbewerb der Fachpresse gegen fünf Schulbauten und zwei Bürohäuser durchgesetzt. Laurent Saurer nahm in Nancy die Auszeichnung im Namen der Architekten entgegen, zusammen mit dem Holzbauingenieur Marcel Rechsteiner von Ratio Bois (Ecublens) stellvertretend für das gesamte Planerteam des prämierten Baus, der beim Prix Lignum 2018 in der Preis-Region West übrigens eine Anerkennung geholt hat.

 

Drache in lieblicher Landschaft

 

Die Mehrzweckhalle dient zum einen dem Sport und bietet zugleich als Kulturbau Raum für verschiedenste öffentliche Veranstaltungen. Die Jury lobt die Einbettung des Gebäudes in die ländliche Umgebung, indem es vom Volumen her an die traditionellen Bauernhöfe der Region erinnere und in seiner äusseren Form an die Höhen des Jura denken lasse, dramatisch überzeichnet zur gezackten Silhouette eines Bergpanoramas.

 

Die Geometrie des Inneren folgt nicht der spektakulären äusseren Erscheinung, sondern beugt sich den strengen Vorgaben für Sport- und Versammlungsstätten. Die beiden Giebelfassaden bilden zusammen mit enormen Holzträgern und Akustikpaneelen das Tragsystem. Das ringsum durch die vollverglasten Längsfassaden und die zeltartig emporschiessenden Dreiecksöffnungen der Giebelseiten einströmende Tageslicht setzt das innen durchgehend verwendete lokale Tannenholz prächtig in Szene.

 

Per aspera ad astra

 

Die Jury hebt in ihrer Würdigung einen Aspekt besonders hervor: den Mut von Bauherrschaft und Planerteam, noch einmal von vorne anzufangen und es dabei noch besser zu machen. Denn das neue Mehrzweckgebäude hätte bereits 2016 fertig werden sollen. Nur einen Monat vor der Eröffnung zerstörte ein Brand das gesamte Gebäude.

 

Die Architekten nutzten den Tiefschlag, um ihren Entwurf noch einmal zu verfeinern und in Perfektion zu realisieren, was zuvor aufgrund der Erfahrungen in der ersten Umsetzung noch leichtes Verbesserungspotential geboten hatte. Die Baugeschichte wirkt so wie eine Illustration zur alten Weisheit der Lateiner, dass die Sterne erst zu greifen sind, wenn das Jammertal durchschritten ist. 

 


Links http://localarchitecture.ch/projects/le-vaud/ www.forum-boisconstruction.com