‹windays› – Fenster im Weitwinkel

Die ‹windays› 2019 zogen Ende März erneut über 350 Fachleute aus der Fensterbranche an. Sie reisten nicht nur aus allen Sprachregionen der Schweiz nach Biel, sondern auch aus sämtlichen Nachbarländern.

Etablierter Branchentreffpunkt in Biel
Impressionen von den ‹windays› 2019.
Bilder BFH-AHB

 

 

Auch ein Teil der Referenten stammte aus dem Ausland, so zum Beispiel der Österreicher Peter Schober von Holzforschung Austria. Er präsentierte Lösungsansätze für die Integration von Vakuumgläsern in Holz-Alu-Fenster. Damit werden sehr schlanke Konstruktionen mit energetisch und statisch guten Werten möglich. Allerdings gilt es die notwendigen grossen Glaseinstände aufzufangen.

 

Eine weitere Innovation ist das von der Berner Fachhochschule BFH in Biel entwickelte ‹Autowindow›. Es soll in Wohnbauten die Einbindung des Fensters in Smart-Home-Lösungen ermöglichen. Der Beschlag sitzt im Blendrahmen statt wie bisher üblich im Flügel. Das völlig neue System kommt mit viel weniger verschiedenen Beschlagteilen aus als konventionelle Konstruktionen, was Vorteile bei der Produktion bezüglich Logistik und im Service bringt. Christoph Rellstab und Urs Uehlinger von der BFH zeigten die Vorteile dieser neuen Verschlusstechnik auf, die sich bis in die Fertigung durchziehen.

 

An der Ecole Supérieure du Bois im französischen Nantes wurden Grundlagen geschaffen für die digitale Simulation als Entwicklungsinstrument für Bauelemente. Damit lassen sich zum Beispiel die akustischen Eigenschaften von Fenstern vorhersagen, ohne dass aufwendige Labortests durchgeführt werden müssen.

 

Vorfertigung als Chance

 

Anhand des ‹schnellsten Mehrfamilienhauses der Schweiz› (Lignum Journal online vom 12.2.2019) zeigte Roman Hausammann von der BFH auf, welche Möglichkeiten ein extrem hoher Vorfertigungsgrad bietet. Das aktuell in Lenzburg entstehende Objekt mit 20 Mietwohnungen wird in nur fünf Monaten gebaut.

 

Speziell entwickelte Komponenten bestehen aus Fenster, Aussenlaibung, Store, Storenkasten und Motor. Ein umlaufender Rahmen aus Holzwerkstoffplatten verstärkt die Konstruktion, welche als Ganzes auf der Baustelle montiert wird. Diese Vorgehensweise verkürzt sowohl Herstell- als auch Montagezeiten und bietet Fensterbauern Chancen zur Steigerung ihrer Wertschöpfung.

 

Wenn ein solches System der Modularisierung konsequent umgesetzt werde, könnten in der Schweiz die Baukosten für Wohnhäuser halbiert werden, so Stefan Zetzmann von der Unternehmensberatung TCW München. Das aus der Automobilindustrie bekannte Prinzip erfordere aber einen genau festgelegten Produktionsprozess unter industriellen Bedingungen. Mit entsprechenden Konfiguratoren seien sogar Wohneinheiten möglich, die vom Kunden individuell zusammengestellt werden könnten.

 

Allgegenwärtige Digitalisierung

 

Rolf Baumann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der BFH, führte in das Thema Digitalisierung ein, mit direktem Bezug auf den Fenster- und Fassadenbau. Er erläuterte fünf Geschäftsmodelle, von denen jedes das Potential hat, die heutigen Branchenstrukturen in Mitteleuropa aufzumischen. 

 

Es ging etwa um die smarte Fensterfabrik in Polen, die mit vollautomatisierter Produktion das aktuelle Preisniveau halbieren will und eine Milliarde Umsatz anstrebt. Oder es gibt ein System, bei dem Endkunden mit ihrem Smartphone die Massaufnahme selber ausführen und durch künstliche Intelligenz gleich Lösungsvorschläge für die neuen Fenster erhalten.

 

Im nachfolgenden Podiumsgespräch zum Thema Digitalisierung wies Holzbauunternehmer Max Renggli darauf hin, dass der Kopf ein entscheidender Faktor sei. Erst wenn sich die Unternehmenskultur digital orientiere, komme man auf diesem Gebiet wirklich weiter. Die neuen Technologien bieten aus der Sicht von Adrian Schlumpf von der swisswindows AG vor allem im Bereich der Logistik viele Möglichkeiten. Da sei die Branche noch viel weniger weit als etwa in der Produktion.

 

Glas auf dem Weg zu intelligentem Verhalten

 

Schon seit langem wird Isolierglas als Füllkomponente betrachtet und mit relativ einfachen Mitteln in Konstruktionen eingebaut, Funktionen werden durch Glasbeschichtungen beeinflusst. Ein ungefähr vor zehn Jahren einsetzender Entwicklungsschub verändert diese Denkweise, wie Thomas Stöckli von der BFH in seinem Referat erläuterte. Multifunktionale Scheiben sind zum Beispiel dimmbar, lassen Strahlung gezielt passieren oder beeinflussen die Energiebilanz.

 

Markus Läubli vom Schweizerischen Institut für Glas am Bau SIGAB stellte verschiedene Produktetrends vor. So zum Beispiel moderne Sonnenschutzgläser oder elektrochrome Glasprodukte, mit denen tiefe Gesamtenergiedurchlassgrade (g-Werte) erreicht werden können. Damit lassen sich die Anforderungen des sommerlichen Wärmeschutzes erfüllen.

 

Swisspacer Air, der im Randverbund des Isolierglases eingebaut wird, sorgt für permanenten Druckausgleich und wirkt Klimalasten entgegen. Immer mehr spielen auch Vakuum-Isoliergläser eine Rolle, mit welchen man höchste Dämmwerte bei geringen Einbaustärken erzielen kann.

 


Link www.windays.ch