St. Gallen: Holz schafft Kreativraum hinter den Gleisen

Auf dem Areal des Güterbahnhofs St. Gallen entsteht als Zwischennutzung unter dem Namen ‹Lattich› ein inspirierendes Umfeld für den wachsenden Zweig der Kreativwirtschaft. Auf April werden 45 Ateliers, Werkstätten und Büros bezugsbereit sein. Holz-Module sorgen dafür, dass der Raum auf Zeit im Schnellzugstempo Realität wird.

Oben: Visualisierung des temporären Baus für die Kreativwirtschaft auf dem St. Galler Güterbahnhofareal. Mitte: Der Bauplatz aus der Vogelschau. Unten: Das erste Modul wird vom Tieflader auf den Bauplatz gehoben.
Bilder Blumer-Lehmann AG, Gossau

 

 

Das Areal beim Güterbahnhof ist eines der letzten grösseren Entwicklungsgebiete in der Stadt St. Gallen. Planungsarbeiten für einen neuen Autobahnanschluss führen dazu, dass hier in den nächsten zehn Jahren nichts Dauerhaftes realisiert werden kann. Gleichzeitig steht in einer SBB-Lagerhalle ein grosser Raum leer. Unter dieser Ausgangslage hat das Konsortium ‹Lattich› das Potential des Brachlands und der Halle 2016, 2017 und 2018 in einem jeweils zwei Monate dauernden Sommer-Versuch getestet. Das Güterbahnhofareal wurde während dieser Zeit zu einem Treffpunkt und Begegnungsort.

 

Der Erfolg zeigte, dass eine Zwischennutzung längerfristig und grösser angedacht werden konnte. So entwickelte sich die nun umgesetzte Idee eines kreativwirtschaftlichen Freiraums. Initiantin ist die Regio Appenzell AR – St. Gallen – Bodensee. Mit der Vergabe des Baurechts auf zehn Jahre ermöglicht der Kanton das Projekt. Träger und damit Investoren des ‹Lattich› sind Christoph Tobler und Claudia Züger Tobler, Stutz AG, Hälg & Co. AG, equimo AG sowie die Blumer Lehmann AG in Gossau. Dort werden die benötigten Holzmodule gefertigt.

 

Gefragt und gut durchmischt

 

Die Mieterakquisition ist gut angelaufen. Nur wenige Module sind noch nicht vermietet oder reserviert. ‹Wir sind positiv überrascht über die grosse Nachfrage. Und auch was die Zusammensetzung der künftigen Mieterschaft betrifft, haben wir eine spannende Mischung zusammen›, freut sich Richard Jussel, Geschäftsführer der Blumer-Lehmann AG und Vertreter der Trägerschaft. Einziehen werden Mieter aus den Bereichen Handwerk, Design, Kommunikation und Architektur. 

 

Durch ihre kleinteilige Fläche bieten die Module erschwinglichen Arbeitsraum für Kleinunternehmen, die sich keine grossen Büroräume leisten können oder wollen. Im April wird im Erdgeschoss des ‹Lattich›-Baus auch ein Gastronomiebetrieb einziehen und das Leben und die Kultur im ‹Lattich› – gemeinsam mit den Mieterinnen und Mietern – mitprägen. Gespräche dazu laufen.

 

Knallgelbe Schaltafel-Fassade

 

Die hochwertigen Holzmodule sind so konstruiert, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt an einen neuen Ort transportiert werden können. Dies sei vor allem hinsichtlich der beschränkten Nutzungsdauer des Areals ideal, so Jussel.

 

Für Konzeption und Architektur verantwortlich ist Pascal Angehrn vom Baubüro in situ AG (Basel). Optisch sticht besonders die Fassadengestaltung ins Auge. Sie besteht aus Schaltafeln und wurde von Marcus Gossolt, Co-Präsident des Vereins ‹Lattich›, entworfen.

 

‹Die Fassade sollte keine dekorative Zusatzhülle sein, sondern auf den ersten Blick klar signalisieren, dass hier etwas Temporäres steht›, erklärt er. ‹Dennoch sollte sie einzigartig und überraschend sein. Deshalb nutzen wir das profane Material von Schaltafeln, wie sie auch für Betonbauten als temporär formgebende Gusshülle genutzt werden.› Die gelben Module werden nun für die kommenden zehn Jahre den ‹Lattich› prägen.

 


Links www.lattich.ch | www.insitu.ch | www.blumer-lehmann.ch